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Testbericht

15. November 2014
Was ist denn bloß in den Internetforen los? Über den neuen BMW X4 wird jedenfalls ungewohnt sachlich diskutiert. Okay, hier ein bisschen Gefrotzel der Audianer, da ein wenig Revierabstecken mit den Mercedes-Fans, aber kein Vergleich zum Shitstorm, den der X6 als erstes SUV-Coupé von BMW ertragen musste: zu schwer, zu unpraktisch – und überhaupt. Die jüngeren Geschwister ernten wohl mal wieder das, was sich die älteren mühsam erkämpft haben.

BMW X4 legt Rückbank tiefer
Umso besser, dann schauen wir uns doch ebenso sachlich an, was den neuen BMW X4 von seinem Technikspender X3 und dem größeren X5 denn so unterscheidet. Obwohl er auf dem X3 basiert, sorgt das 54 Millimeter niedrigere Dach zusammen mit den wuchtigen Lufteinlässen vorn für eine eigenständige Linie. Der Längenzuwachs von 14 Millimetern ist jedoch auf geänderte Schürzen zurückzuführen, mehr Platz im Innenraum gibt es daher nicht.Immerhin montiert BMW die hintere Sitzbank einige Zentimeter tiefer als im X3, weshalb 1,80 Meter große Mitfahrer trotz Coupé-Silhouette gerade noch aufrecht sitzen können. Mau ist hingegen die Übersichtlichkeit: Sollten Käufer des BMW X4 unsicher sein, ob sie eine Rückfahrkamera mitbestellen oder nicht, liefert Bild 12 in unserer Bildergalerie eine Entscheidungshilfe.Wer häufig zu viert fährt, wird mit dem X3 ohnehin glücklicher: Die üppige Kopffreiheit und eine bequemere Sitzposition sorgen bei Mitfahrern ebenso für glückliche Gesichter wie der aufrechtere Einstieg. Zudem transportiert der X3 mehr Gepäck. Schon sein Standardkofferraum schluckt 50 Extra-Liter, beim Umklappen vergrößert sich der Abstand zum BMW X4 sogar auf 200 Liter.

Viel mehr Platz im BMW X5
Und der X5? Hält sein Innenraum, was die gewaltigen Außenabmessungen versprechen? Eindeutig ja, und zwar nicht nur im Vergleich zu den kleineren X-Modellen. Kein anderer BMW schleppt so viel Transportgut wie das in dritter Generation gebaute Allrad-Urgestein. Selbst dem Fünfer Touring fehlen bei umgeklappter Rückbank 200 Liter. Als Einzigen der drei SUV gibt es den X5 optional als Siebensitzer mit einem für Kinder geeigneten Zusatzbänkchen (1.980 Euro). Über die verschiebbare Rückbank mit neigungsjustierbarer Lehne (500 Euro) lässt sich sein Innenraum zudem flexibel nutzen. Vorn sitzen Fahrer und Co. auf komfortabler gepolsterten Sesseln, betten ihre Ellbogen auf extrabreiten Armlehnen und blicken auf einen größeren Infotainment-Bildschirm (10,2 statt 8,8 Zoll Diagonale). Überhaupt wirkt sein Einrichtungsstil mindestens eine Klasse feiner. Wo Fingerspitzen bei BMW X4 und X3 oft einfache Kunststoffe oder scharfe Gusskanten ertasten, bewegt sich der X5 auf Oberklasse-Niveau. Er begeistert mit aufwendigen Details wie dem Lift für den Kofferraumboden, der den Extrastauraum mühelos zugänglich macht, oder der zweigeteilten Heckklappe, die in vielen Situationen das Beladen erleichtert.Und jetzt die große Überraschung: Trotz beeindruckender Qualitätsunterschiede fällt der Preisaufschlag für BMW-Verhältnisse eher gering aus. Im Vergleich zum 58.000 Euro teuren X4 kommt der X5 mit 60.400 Euro gerade einmal 2.400 Euro teurer – dem Gegenwert von Metallic-Lack und größeren Rädern. Fairerweise darf der BMW X4 jedoch die etwas bessere Serienausstattung für sich verbuchen (u. a. mit elektrischer Sitzverstellung und Parkpiepsern hinten), wodurch sich auch der Abstand zum 54.200 Euro teuren X3 relativiert.

BMW X4 und X3 mit drehfreudigem Turbo
Gleichstand herrscht dafür unter der Haube, und "herrschen" trifft es ziemlich gut, was der aufgeladene Sechszylinder mit 306PS veranstaltet. In nur 5,9 Sekunden wuchtet er BMW X4 und X3 auf Tempo 100, beim 2,1 Tonnen schweren X5 vergehen gerade mal 0,7 Sekunden mehr.Sicher, Diesel sind wirtschaftlicher, noch dazu solche mit vier Zylindern, die es inzwischen sogar für den X5 gibt. Doch die Ansatzlosigkeit, mit welcher der drei Liter große Reihensechser vibrationsfrei Richtung 7.000/min trompetet, unterstützt vom Achtgängemenü der famosen Automatik, veranlasst selbst altgediente Tester zu sentimentalen Gefühlsausbrüchen auf den Bewertungsbögen: "Schön, dass es so etwas im Downsizing-Zeitalter noch gibt." Und noch schöner, wenn so etwas in einer Kurvenfräse wie dem BMW X4 sitzt. Der hält sich nicht mit Untersteuern auf, stürzt sich mit enormem Grip auf Kehren, um im Grenzbereich mit einem Heckschwenk zu helfen. Und wir sprechen von einem 1,9-Tonner. Auch die niedrige Sitzposition und seine straffe Federung bescheren dem X4 einen eigenständigen Charakter.

BMW X5 mit Demut bei der Parkplatzsuche
Doch der X3 muss weder auf winkligen Landstraßen noch im Pylonen-Parcours wirklich abreißen lassen. Den 18-Meter-Slalom durchwedelt er zwar mit mehr Seitenneigung, jedoch nur minimal langsamer als der BMW X4. Mit seiner ebenfalls gefühlvollen und sehr direkt ausgelegten Lenkung macht er daher fast genauso viel Spaß wie sein Coupé-Ableger.Den kleineren Geschwistern BMW X4 und X3 kommt der X5 nicht ganz hinterher. Obwohl er absolut gesehen immer noch zu den zackigeren Vertretern seiner Art gehört, wirkt er im direkten Vergleich spürbar wankiger und wird früher vom ESP eingebremst. Mit seiner um die Mittellage gemütlicher ausgelegten Lenkung verlangt er in der Stadt und auf kurvigen Strecken mehr Kurbelei und ein wachsames Auge für den Gegenverkehr: Angesichts von knapp 1,94 Meter Breite erzieht er seinen Fahrer zu diszipliniertem Rechtsfahren und Demut bei der Parkplatzsuche.

BMW X4 nach Punkten Letzter
Der Fahrer lässt es lieber gemütlicher angehen und freut sich, wie gelassen der X5 selbst über solche Unebenheiten gleitet, die seine Geschwister BMW X4 und X3 schon kräftig durchschütteln. Oder darüber, dass er sich seinen großen Vorsprung, den er beim Komfort, Platzangebot und der Qualität herausgefahren hat, weder über den Verbrauch noch die Sicherheit nehmen lässt. Obwohl über 200 Kilo mehr auf den Rippen, bremst der X5 vehement und genehmigt sich nur einen halben Liter mehr auf 100 km.Dem BMW X4 stiehlt er damit ebenso die Show wie der praktischere X3, der Zweiter wird. Im Punkteraster eines Vergleichstests verliert das SUV-Coupé über die extravagante Karosserie eben mehr, als es über seine zackige Art wieder reinfährt.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-11-15

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