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Testbericht

10. Mai 2015
Findet die SUV-Klasse nun zu sich? Denn trotz aller Wortakrobatik der Marketingabteilungen ist mit Sport bei den Utility Vehicles meist wenig zu wollen – Ausreißer wie der Porsche Macan ausgenommen, hier als Diesel mit 258PS. Allerdings hat auch der etwa gleich teure BMW X3 35d bei der Sportlichkeit ein Wörtchen mitzureden. Mag er sich auch beim Fahrzeugkonzept eher der Utility, also dem Nutzwert, verpflichtet fühlen, so wuchert er dynamisch doch mit einem fetten Motorpfund: 313PS aus seinem Dreiliter-Biturbo.Natürlich geht es in diesem Aufeinandertreffen bewusst nicht allein um die Fahrdynamikwerte – denn schließlich kauft keiner einen Macan oder einen X3, um regelmäßig damit die Rennstrecke umzupflügen. Dennoch legt gerade der Ausflug in den Pylonenwald eine heiße Spur zum Charakter eines Autos.Lahr, abgesperrte Strecke, griffiger Asphalt. Am Horizont bilden Hütchen eine Gasse und markieren eine durchaus realistische Situation: das schnelle Ausweichen auf der Autobahn. Stellen Sie sich vor, Sie schnüren gerade mit Richtgeschwindigkeit auf der mittleren Spur vor sich hin. Plötzlich schert ein Fahrzeug vor Ihnen aus – Sie reißen das Steuer nach links und dann wieder nach rechts. Der Macan meistert die nachgestellte Schrecksituation mit 133,8km/h – ein Tempo, bei dem unerfahrene Beifahrer schnapp- atmend nach dem Panikgriff suchen. Den Porsche beflügeln dabei seine optionalen 20-Zöller, die bis zum finalen Übersteuern enormen Grip aufbauen. Und seine ebenfalls aufpreispflichtige Servolenkung Plus, die Richtungsbefehle zackig weitergibt.Mit dem Schwerpunkt-Nachteil und seinen schmaleren Reifen ist der deutlich höher bauende BMW X3 zwischen den Pylonen zwar langsamer (128,6km/h), aber dabei leichter zu fahren – gerade weil er nicht so sportlich ausgelegt ist und damit nicht so scharf reagiert. Erst bei Grenzgeschwindigkeit lenkt er vehement mit dem Heck.Auch mit seinen deutlich kürzeren Bremswegen stellt der Porsche klar, dass er voll auf Sport setzt. Und der BMW X3 dafür vor allem auf Utility? Szenenwechsel: Wir lassen beide Heckklappen hochsurren. Beim X3 erscheint ein kastiges großes Loch. Die Ladekante liegt verhältnismäßig niedrig, und es geht plan in den Kofferraum über. Mehr als das reine Volumen (550 bis 1.600 Liter) beeindruckt das Quadermaß: Bis zu 76 Zentimeter hohe Gegenstände passen durch die Luke.Dass der Macan fast fünfeinhalb Zentimeter niedriger ist als sein Rivale X3, hat logischerweise ungünstige Auswirkungen auf den Kofferraum. Zudem muss schweres Transportgut erst einmal über die 75 Zentimeter hohe Ladekante gehievt werden (BMW: 68) – und beim Ausladen erneut über eine Stufe. Sperriges darf übrigens nicht höher als 64 Zentimeter sein, sonst passt es nicht rein.

Porsche Macan mit unsauberer Verarbeitung
Im Grunde seines Herzens will der Porsche auch nichts als Passagiere transportieren – am besten sogar nur zwei, denn auf der gut gepolsterten Rückbank kann es für Großgewachsene schon mal eng zugehen. Vorne dagegen sitzt man hervorragend in den optionalen Sportsitzen; tief platziert und umringt von unzähligen Tasten, fühlt sich der Fahrer direkt ans Auto angebunden. Das Cockpit als Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine: Hier ist der Macan ganz Porsche und transportiert das Markengefühl glaubhaft in die SUV-Klasse. Was nach wie vor nicht ganz überzeugt, ist die Verarbeitung. Auf schlechten Straßen melden sich Klappergeräusche und arbeitet die Fahrertüre in ihren Dichtungen; wer den Innenspiegel verstellen will, greift an scharfe Kunststoffgrate.Besser, aber nicht gerade penibel ist der BMW verarbeitet. Unsaubere Stöße zwischen Dachhimmel und A-Säulen-Verkleidung, scharfkantige Zierleisten und schief eingepasste Dichtungen zeugen hier von überzogenem Spareifer und laxem Umgang mit dem Premium-Kodex. Dafür beweist der X3, dass den Bayerischen Motorenwerken noch immer die Triebwerke am Herzen liegen; scheinbar locker schüttelt der Reihensechszylinder-Biturbo 630Nm aus dem Ärmel und wuchtet den Zweitonner zornig knurrend vorwärts.

BMW X3 im Test knapp 10.000 Euro günstiger
Da kann der schwächere, dennoch teurere Macan nicht mithalten. Auch er legt stramm los, dreht aber weniger entschlossen und hinkt beim Spurt auf Tempo 200 über sieben Sekunden hinterher. Seine Stunde schlägt erst auf der Landstraße. Der Porsche bündelt seine direkte Lenkung, präzise Spurführung und heckbetonte Auslegung des Allradsystems samt dynamischen Segnungen des Torque Vectoring und der höhenverstellbaren Luftfederung (ja, beides ist sehr teuer) zu einer Fahrspaß-Einheit.Wenn einer die Bezeichnung Sportwagen unter den SUV verdient, dann der Macan. Seine Fahreigenschaften sichern ihm den Vorsprung in der Eigenschaftswertung. Erstaunlicherweise federt er auch besser, was weniger am Ansprechverhalten liegt – da arbeiten beide ähnlich gewissenhaft; doch der Porsche dämpft Impulse konsequenter weg und hält die Karosserie ruhiger. In Verbindung mit den besser stützenden Sitzen entscheidet er das Komfortkapitel knapp für sich – trotz Defiziten bei den Online-Diensten. Hier bietet BMW mehr, genauso wie bei den Assistenzsystemen.Die Sache mit den teuren Folgen eines besonderen Geschmacks bewahrheitet sich übrigens bei beiden Konkurrenten. Sie kommen ab Werk karg daher und bieten reichlich Möglichkeiten des Upgrades. Dabei wundert es kaum, dass der Porsche mit all seinen fahrdynamisch relevanten Extras, die bei der Bewertung auf seinen Grundpreis angerechnet werden, rund 10.000 Euro teurer als der BMW ist. So holt der X3 noch einmal auf und kommt dem Macan bedenklich nahe.Trotz dieses kräftigen Punktabzugs rettet der Porsche einen knappen Vorsprung bis ans Ende. Mehr noch als Sieger und Verlierer gibt es hier vor allem zwei verschiedene Charaktertypen: Nur der BMW X3 lebt das Utility im Sport Utility Vehicle – und nur der Porsche Macan den Sport.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-05-10

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