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Testbericht

1. November 2015
Sehen Sie es? Also, wir sehen es nicht. Und eigentlich auch niemand, mit dem wir darüber sprechen – das Ende des SUV-Booms. Ganz oben auf der Welle des Erfolgs, dort, wo sie sich bereits weiß kräuselt, schwimmen leistungsstarke Wuchtbrummen und kompakte Modelle der Viereinhalb-Meter-Klasse. Damit die Welle nicht so schnell bricht, schieben die Hersteller fleißig neue Modelle nach. Jetzt ist mal wieder BMW dran, der neue X1 drängelt.Während Nummer eins als eine Mischung aus Schnellschuss und Glückstreffer auf der Kegelbahn des Marktes alle neune erwischte, muss Nummer zwei mit ausgefeilter Detailplanung ein Erfolg werden. Wie genau? Vor allem mit einer neuen, kostengünstigen Basis, nämlich jener Frontantriebs-Architektur, wegen der echte Fans der Marke schon einen Exorzisten nach München schicken wollten. Sie soll einerseits die Fahrdynamik des ohnehin überwiegend mit Allradantrieb georderten Vorgängers herüberretten und gleichzeitig endlich ein würdiges Innenraumangebot garantieren.

BMW X1 bietet mehr Platz im Fond
Den Audi Q3 2.0 TFSI Quattro steckt der BMW X1 xDrive 25i dabei jedenfalls schon mal in die Tasche. Während Fahrer und Beifahrer in beiden SUV viel Bewegungsfreiheit genießen, maulen Mitreisende im Fond des Audi Q3 2.0 TFSI Quattro deutlich früher – falls die Gäste im BMW X1 xDrive 25i überhaupt aufbegehren. Mehr Innenbreite und Innenhöhe schaffen Platz, die verschiebbare Rückbank zusätzlich in der Länge – wenn sie der Testwagen denn an Bord hätte. Ein sinnvolles und mit 300 Euro recht günstiges Detail, das BMW wohl vergessen hat. Dafür klappt die Lehne im praktischen Verhältnis 40 : 20 : 40, und die Heckklappe gibt einen breiten und tiefen Ausschnitt zum Füllen des zwischen 505 und 1.505 Liter großen Laderaums des BMW X1 xDrive 25i frei. In den Audi Q3 2.0 TFSI Quattro passen zwischen 460 und 1.365 Liter. Damit käme man wohl auch klar, zumal der Audi Q3 mehr Zuladung verträgt. Die hohe Ladekante und der wie beim Schönheitschirurgen aufgespritzte Heckstoßfänger sorgen aber für lange Gesichter und schmutzige Hosen. Zurück in der ersten Reihe hebt sich beim Q3-Fahrer die Laune nur wenig, denn während die Basisinformationen von den Instrumenten gut ablesbar dargeboten werden, liegt die Bedienung der Klimaautomatik (ja, auch die muss mal verstellt werden) zu tief, die Infotainment-Bedienung dagegen zu hoch in der Mittelkonsole.Ein Entschädigungsversuch: Mit seiner Detailverliebtheit – ein Chromrähmchen hier, eine Aluspange dort – bis hin zu den hinteren Türverkleidungen und den Verschlüssen für die 12-Volt-Steckdosen zeigt der Audi Q3 2.0 TFSI Quattro, wofür sein Besitzer dem Händler eine nicht unerhebliche Summe überwiesen hat.

BMW X1 xDrive 25i: Ein echter Gaudibursch
Und der BMW? Ja nun ... nein. Keine Chance. Auf den ersten Blick wirkt auch er wertvoll, auf den zweiten schon nicht mehr so sehr. Einzig der hochglänzende, bei jeglichen Lichtverhältnissen kontraststarke Monitor sticht positiv hervor. Ja und? Kommt es bei den Münchnern, selbst bei einem SUV, nicht auf das Fahrerlebnis an? Nicht nur, aber bitte schön: Ein Knopfdruck schubst den Zweiliter-Vierzylinder-Benziner unter der Haube an, quer eingebaut, 231PS stark – und ein Gaudibursch, wie man ihn von dieser Marke erwartet. In Verbindung mit der serienmäßigen Achtstufenautomatik (sie schaltet überragend sanft und fix) packt der BMW X1 sofort zu, schaufelt bereits bei 1.250 Touren sein maximales Drehmoment von 350 Newtonmetern auf die Kurbelwelle und will sofort höher drehen.Selbst über 5.000/min lässt der BMW X1 nicht locker, dreht weiter, ziemlich lässig sogar, kultiviert obendrein. Kaum Vibrationen, kein Zögern. Sogar ein bisschen verwegen-kernigen vierzylindrigen Sportmotor-Sound gönnt er den Insassen. Na ja, ein bisschen, wirklich. Aber immerhin. Der Audi-Direkteinspritzer klingt dagegen so nach überhaupt nichts. Wie bitte? Ja wirklich, weder emotional noch nervig arbeitet der 220-PS-Vierzylinder, zudem nicht besonders kultiviert.

BMW M-Fahrwerk kostet Komfortpunkte ohne Dynamikplus
Spürbare Vibrationen kriechen bis in die Pedale und ins Lenkrad, weshalb sich das Triebwerk zusammen mit dem teils ruckelig schaltenden Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe entschuldigend um bessere Fahrleistungen bemüht – erfolgreich übrigens. Liegt's am Gewicht? Wohl kaum, der Audi Q3 2.0 TFSI Quattro wiegt gerade einmal elf Kilogramm weniger als der BMW X1. Und mit über 1,6 Tonnen fallen beide doch arg moppelig aus. Kommt die Masse wenigstens dem Federungskomfort zugute? Im Fall des Audi Q3 2.0 TFSI Quattro dürften es wohl die sorgfältig abgestimmten optionalen Adaptivdämpfer sein, die ihm hier zusätzliche Punkte bringen. Sie sprechen auf nahezu alle Unebenheiten sensibel an, einzig in kurzen Frequenzen aufeinanderfolgende Wellen sorgen für etwas Aufregung in der Kabine.Der BMW X1 xDrive 25i federt dagegen, tja, eigentlich fast gar nicht. Unverständlicherweise tritt er mit dem M-Sportfahrwerk und nicht mit den alternativ lieferbaren Dämpfern mit zwei per Knopfdruck wählbaren Kennlinien an. So rollt er hölzern ab, rumpelt wüst über jegliche Bodenwellen, die teils herben Schläge werden zudem von den sehr straff gepolsterten Sitzen bis zu den (hoffentlich) adaptiven Bandscheiben der Insassen weitergereicht. Jaaa, aber dafür punktet der BMW X1 beim Handling, oder? Im Fahrspaßkapitel schon. Tiefe Sitzposition, toller Seitenhalt, die direkte, fast schon gierige Lenkung – das fängt gut an.Jede Kurve arbeitet der BMW X1 xDrive 25i nahezu neutral ab, erlaubt nur geringe Karosseriebewegungen. Auf der großen Bühne des Fahrdynamik-Theaters erweist er sich allerdings als talentierter Schauspieler, denn die Messwerte zeigen: Der Audi Q3 fährt genauso schnell. Er fühlt sich dabei jedoch viel träger an. Das liegt an der höheren Sitzposition und der früheren Flucht ins Untersteuern.

Spaßige Weiterentwicklung
Bei den Messungen lässt sich das durch bewusst früheres Einlenken kompensieren, auf der Landstraße bleibt es aber dabei: Dem Audi Q3 2.0 TFSI Quattro fehlt's an Fahrspaß. Er fährt allerdings ein bisschen sparsamer, kostet ausstattungsbereinigt minimal weniger. Abgesehen vom unglücklich gewählten Fahrwerk etabliert sich der neue BMW X1 xDrive 25i so als konsequente, voll familientaugliche, sichere und spaßige Weiterentwicklung.Kein Wunder also, dass wir das Ende des SUV-Booms noch nicht sehen.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-11-01

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