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Testbericht

22. Oktober 2016
Sagen Ihnen die Zahlen 2.807 und 4.662 etwas? Nein, es sind keine Postleitzahlen, und falls sie zu Ihren PIN-Nummern gehören: Wir sagen es nicht weiter. Die beiden vierstelligen Ziffern sind die Zulassungszahlen von BMW X1 und VW Tiguan im Juni dieses Jahres, damit liegen die beiden Kompakt-SUV auf Platz fünf und eins ihres Segments. Audi Q3, Opel Mokka und Ford Kuga liegen übrigens dazwischen.

Zwei Bestseller bei den Kompakt-SUV
BMW X1 und VW Tiguan zählten bereits vor den Modellwechseln im vergangenen Jahr zu den besonders gut verkauften Modellen in diesem Segment, und es sieht aus, als sollte sich das mit den aktuellen Versionen nicht groß ändern. Was ebenfalls auffällt: Die Klientel der beiden Bestseller scheint nicht unter akuter Geldnot zu leiden, immerhin bestellen rund 19 (X1) und 33 Prozent (Tiguan) die teuren Allradmodelle, die es ja meist nur mit kräftigerer Motorisierung gibt. Mindestens 34.900 (BMW) und 33.925 Euro (VW) kostet so ein Auto, wenn es ein Diesel sein soll.Da wundert es einen schon nicht mehr sehr, wenn beide Testwagen mit den stärksten lieferbaren Dieseln, Allradantrieb und automatisch schaltenden Getrieben sowie den umfangreichen Sonderausstattungen jeweils deutlich mehr als 50.000 Euro kosten. Mit den je 190 PS starken Selbstzündern ist man allerdings schon sehr weit vorn dabei, der Begriff Kompaktklasse ist da eher weniger angebracht. Den kultivierteren Antrieb hat übrigens der VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion, die etwas fixeren Fahrleistungen und den niedrigeren Verbrauch der BMW X1 xDrive 20d.

BMW X1 ist dynamischer und straffer
50.000 Euro sind ja nicht wenig Geld für Autos, die auf Mini- oder Golf-Plattform basieren, dafür sollten sie sonst noch einiges bieten. Und jetzt – Achtung – verraten wir Ihnen, wer diesen Vergleichstest gewinnt: der VW Tiguan mit ein paar Punkten Vorsprung. Der Unterschied ist so gering. Gäbe es das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis des Volkswagen nicht, schmölze er zur Bedeutungslosigkeit dahin. Was nicht heißt, dass sich die beiden SUV so ähnlich sind. Sie setzen nur andere Schwerpunkte – etwa beim Fahrkomfort.Dass der bei der Entwicklung der sogenannten UKL-Plattform für alle Fronttriebler von BMW und Mini nicht die allerhöchste Priorität besaß, ist ja nichts wirklich Neues. Wie groß der Unterschied zum in dieser Hinsicht mustergültigen VW Tiguan ausfällt, ist bei jeder Vergleichsfahrt erneut erstaunlich. Wo der BMW X1 etwas unbeholfen über den Asphalt poltert, gleitet der Tiguan scheinbar mühelos dahin, sendet ab und zu einen Hauch Feedback durch Federung und Dämpfung nach oben. So als wolle er die Insassen über den Straßenzustand nicht völlig im Unklaren lassen.Besonders gut funktioniert das mit dem Adaptivfahrwerk DCC, doch auch mit konventioneller Dämpfung ist der VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion das komfortablere Auto. Zudem verträgt er die Zuladung besser, lässt sich dann zu etwas amplitudebetonteren Karosseriebewegungen hinreißen, das wird allerdings nie lästig. Auch nicht mit Sandsäcken auf der Hinterachse und auf den Schlechtwegstrecken vier und fünf des Bosch-Testzentrums Boxberg.

VW Tiguan mit bequemeren Sitzen
Da langt der BMW X1 xDrive 20d ganz anders hin, wie viele seiner Konzernbrüder. Im Extremfall geht die Hinterachse geräuschvoll auf Block und katapultiert Insassen und Ladung in Richtung Dachhimmel. Okay, das liest sich jetzt viel heftiger, als es ist, der Unterschied im Federungskomfort ist dennoch recht beträchtlich.Im Übrigen auch, weil der VW das bequemere Mobiliar vorhält. Die Sitze vorn wie hinten sind angenehmer gepolstert, ohne dass dabei die Seitenführung zu kurz käme. Die sogenannten Top-Komfortsitze sind in der teuren Highline-Ausstattung des Testwagens enthalten, auch das soll hier nicht verschwiegen werden. Der BMW dagegen kommt in der Sport-Line-Ausstattung, dazu gehören die Sportsitze. Sie sind hübsch und haltungsstark, doch auch ziemlich klein, sodass sie kräftiger gebauten Insassen gern mal in die Seiten kneifen.Die ausgeprägte Sportlichkeit des Sport-Line-X1 hat natürlich ebenso ihre angenehmen Seiten, etwa die hohe Agilität, die tolle Lenkpräzision und das sehr neutrale Fahrverhalten. Der Paradigmenwechsel von Hinterrad- zu Frontantrieb ist beim BMW X1 xDrive 20d jedenfalls nicht zu bemerken, nur die bei vollem Gaseinsatz etwas an den Vorderrädern zerrende Lenkung erinnert daran, dass dieser BMW mehr zieht als schiebt.

VW Tiguan das bessere Familienauto
Viel ruhiger geht es dagegen im VW Tiguan zu, er lenkt weniger beherzt ein, erfordert dabei größere Lenkwinkel und wankt dabei etwas nachhaltiger mit dem Aufbau. Schlimm ist das alles nicht, es fühlt sich nur weniger dynamisch und fahraktiv an als im BMW X1. Eine ausgesprochen hohe Fahrsicherheit ist beiden Kompakt-SUV eigen, die etwas umfangreichere passive und aktive Sicherheitsausstattung kann der VW auffahren.Als Familienauto taugt der VW Tiguan ohnehin etwas besser. Sein Laderaum ist größer, der Kofferraum ausgedehnter und einfacher zu beladen und das Raumangebot insgesamt etwas luftiger. Vor allem die deutlich größere Innenbreite macht sich in besserem Raumgefühl bemerkbar. Dabei ist er gerade mal 47 Millimeter länger und 18 Millimeter breiter als der BMW X1. Nur in puncto Innenhöhe ist der BMW großzügiger, vorn um genau einen, hinten um 3,5 Zentimeter.Wer häufiger mit Anhänger unterwegs ist, und davon soll es unter SUV-Kunden ja einige geben, darf ebenso dem VW Tiguan den Vorzug geben. Er hat gegen Aufpreis den Anhänger-Rangierassistenten Trailer Assist an Bord (935 Euro), der das Fahrzeug samt Anhänger ähnlich wie ein konventioneller Parkassistent selbstlenkend nach hinten rangieren kann. Etwas Vergleichbares gibt es für den BMW X1 nicht. Der kann dagegen die umfangreichere Multimedia-Ausstattung und die bessere Bedienung für sich in Anspruch nehmen, wenngleich auch der VW in diesen Disziplinen wenig Wünsche offen lässt.Den Trend bei VW, immer mehr Bedienelemente in den Touchscreen zu verlagern, darf man ruhig kritisch sehen. Einfacher und intuitiver ist immer noch die iDrive-Struktur des BMW, da gehen selbst komplexere Aufgaben ohne ständiges Fingerzielen und -stupsen vonstatten. Durch die Spracherkennung lassen sich freilich viele Eingaben mittels gezielter Ansage erledigen. Die Postleitzahleneingabe „4662“ führte übrigens, wenn die Systeme fremdsprachenkundig wären, unter anderem nach Kristiansand in Norwegen, 1.308 km und eine Fährverbindung entfernt.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-10-22

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