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Testbericht

7. Juni 2017
Fangen wir in der Mitte an. Nein, es geht nicht darum, die Dramaturgie dieses Vergleichstests durch das Aufbrechen der Zeitebene aufzupeppen. Wir fangen wirklich in der Mitte an. In der Mitte des noch frischen BMW X1 und des noch frischeren Mini Countryman, der sich erstmals der hauseigenen Konkurrenz stellt. In die Mitte der beiden gelangt man – natürlich – durch die hinteren Türen, völlig problemlos. Der Zugang zum Fond sowohl des 4,44 Meter langen X1 als auch des 4,30 Meter langen Countryman gelingt leicht, ohne zu sehr den Kopf einziehen zu müssen.Und Sie fragen sich immer noch, weshalb wir nun in der Mitte angefangen haben? Also gut: Es liegt nicht am Raumangebot des BMW. Das profitiert von der Umstellung auf die Frontantriebsarchitektur UKL2 2015, ermöglicht auch groß gewachsenen Mitreisenden, sozusagen bequem hinter sich selbst Platz zu nehmen und längere Strecken zu absolvieren – also wenn vor Ihnen ebenfalls ein Lackel sitzt, wie der Bayer wohl sagen würde.

BMW X1 mit weniger geräumigen Interieur
Klar, die Knie freunden sich schon mal ein wenig mit der Lehne des Vordersitzes an, doch im Prinzip passt alles wunderbar. Der Sitzkomfort ebenfalls, die Bank mit dreiteilig umklappbarer Lehne ist gut ausgeformt und angenehm straff gepolstert. Gegen Aufpreis (350 Euro) lässt sie sich sogar verschieben, doch beim Testwagen verzichtete BMW auf dieses Extra. Beim Mini indes nicht. Also noch ein Grund für den Beginn in der Mitte? Nein, nicht allein, vielmehr der geräumige Fond des Countryman generell. Denn alles das, was sich aus der Mitte heraus über den X1 sagen lässt, trifft im Prinzip auch auf den Mini zu.Ja, das Datenblatt weist für ihn weniger Innenhöhe und -breite aus. Trotzdem zwickt er nicht, zumindest solange nur vier Personen zu einer lustigen Landpartie aufbrechen. Oder zu einer ebenso lustigen Langstrecke. Okay, ja, die Sitzbank bietet etwas weniger Seitenhalt. Sonstige Einschränkungen? Nein. Beide verfügen über den identischen Radstand von 2,67 Meter, der Mini nutzt die Architektur sogar noch effizienter, bietet im Verhältnis zu den Außenabmessungen ein etwas geräumigeres Interieur als der BMW.Dabei ist der doch schon in der aktuellen Generation einer der ganz Vernünftigen. Jetzt also auch der Countryman? Der brave Familienvater im Hipster-Look? Bärtig, tätowiert, aber engagierter Vorsitzender im Elternbeirat des Kindergartens? Na, dann schmeißen wir die beiden Kompakt-SUV mal an. Unter ihren Hauben arbeitet der Zweiliter-Dieselmotor B47 aus dem Konzernbaukasten, aus dem sich Drei-, Vier- und Sechszylinder-Triebwerke basteln lassen, selbst- sowie fremdgezündet.Jeweils 150 PS stark und bereit, ein maximales Drehmoment von 330 Newtonmetern zu entwickeln, walken die G-Kräfte beim Beschleunigen nun nicht unbedingt die Wangen des Fahrers durch. Lächeln wird er aber schon, denn die Vierzylinder-Triebwerke entwickeln tapferen Schub. Im BMW fühlt der sich subjektiv etwas ansatzloser an, weil die 2.100 Euro teure Achtstufenautomatik die Anfahrschwäche lässig wandlerüberschlupft. Der Mini dagegen wünscht von Hand geschaltet zu werden. Aber gerne doch, denkst du da, aber nur kurz. Zunächst klafft hier ganz deutlich ein Turboloch, das erst bei knapp über 2.000 Umdrehungen gestopft ist.

Gewichtsvorteil: Mini Countryman
Dann sprintet der mit 1.514 zu 1.566 Kilogramm etwas leichtere Mini ebenfalls beherzt los, wandelt seinen Gewichtsvorteil in 9,3 Sekunden in einen mit dem X1 identischen Null-hundert-Wert um, nimmt ihm darüber dann noch das eine oder andere Zehntel ab, wirkt eine Idee lebendiger. Aber auch etwas bockiger, da sich der Schalthebel eher knochig durch die sechs Gassen führen lässt. Auf kurzen Wegen zwar, ja, und auch die Übersetzungen passen, nur klickediklackt es eben nicht.Vielleicht doch lieber die Automatik? Im BMW macht sie jedenfalls einen exzellenten Job, schaltet sanft und fix, bei Bedarf weniger sanft, dafür etwas fixer, lässt sich per Lenkradpaddel die gewünschten Gänge diktieren. Sich selbst überlassen, hält sie das langhubige Triebwerk in seinem lebendigsten Drehzahlbereich, der allerdings schon bei 4.000/min endet. Dennoch spielt der Vierzylinder hier wie dort den guten Kumpel für jeden Tag, jede Lebenslage, läuft vibrationsarm und leise, dreht engagiert, nur eben nicht besonders exzessiv. Im Countryman zerrt er ein wenig vehementer in der Lenkung, die Vorderachse wirkt hier zuweilen überfordert.Und im BMW? Ja nun, ein BMW mit Vorderradantrieb eben. Auf kurvigen Landstraßen will er es schon wissen, lenkt direkt ein, zeigt nur wenig Seitenneigung, beginnt dann aber bald zu untersteuern. Die Fahrsicherheit sortiert der X1 jedoch auf einem hohen Niveau ein, ganz gleich bei welchem Tempo. Sein Fahrwerk bietet viele Reserven, die oft im Verborgenen bleiben, da die elektronische Stabilitätskontrolle zuvor mit sensiblen Regelimpulsen eingreift.Im Countryman dagegen schwappt schon deutlich mehr Frohsinn durch das Cockpit, er wetzt aufgekratzter durch Kurven, drängt bei hoher Geschwindigkeit aber auch schon mal kräftig mit dem Heck – Punktabzug bei der Fahrsicherheit. Die Lenkung vermittelt bei beiden die nötige Dosis an Rückmeldung, spricht direkt an, wird aber nicht hibbelig. Dennoch: Auch hier wirkt das Handling eher künstlich aromatisiert als natürlich, ein bisschen so wie Erdbeerjoghurt aus dem Supermarkt, nicht wie selbst gemacht.Er muss scheinbar alles können, der Countryman, sogar federn. Das macht er erstaunlich engagiert, registriert zuverlässig die meisten Unpässlichkeiten der Fahrbahnoberfläche, verarbeitet sie mit einer leichten Grundstraffheit, stolpert aber noch nicht einmal über Querfugen. Dabei fehlen dem Testwagen sogar die 500 Euro teuren Verstelldämpfer, die eine komfortable und eine sportliche Kennlinie (nicht adaptiv) aufweisen. Offenbar aus gutem Grund, denn dieses Extra hilft dem X1 nichts.

Verstelldämpfer? Nützen nichts
Im Gegenteil. Im Sport-Modus agiert er mit übertriebener Härte, tölpelt steif über Bodenwellen. Na dann: Komfort-Modus. Macht die Sache aber nicht besser, sondern nur anders mäßig. Jetzt schwingt der SUV unterdämpft nach, um nach wie vor polterig anzufedern, speziell bei gröberen Flicken auf der Fahrbahn.Also bietet der Mini nicht nur ein ordentliches Platzangebot, sondern auch den besseren Federungskomfort. Selbst in seinem Kofferraum lässt sich einiges versenken, im BMW natürlich noch etwas mehr. Übrigens: Erst hier, ganz am Ende, zeigt der X1 eine offensichtlich höherwertige Materialauswahl gegenüber dem filzigen Countryman, der ansonsten sehr erwachsen verarbeitet auftritt. Sparsamer fährt er obendrein, kostet weniger. Damit bügelt er den durch etwas mäßigere Verzögerungswerte, knappere Innenmaße und weniger Assistenzsysteme bedingten Rückstand aus, gewinnt vor dem X1. Bei dem wiederum bekommen sicher einige Fans der Marke das Gefühl, dass hier BMW noch mal ganz von vorne anfangen müsste.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2017-06-07

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