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Testbericht

13. März 2012

Das Frappierende am Fortschritt ist die Art und Weise, in der er lange gepflegte Überzeugungen unter die Erde bringt. Jüngstes Beispiel ist der vom Doppelzentner des Allradantriebs befreite BMW X1 s-Drive 20d, der immerhin 163 PS und kräftige 380 Newtonmeter Drehmoment an die Hinterachse liefert. Ist er noch ein BMW von altem Schrot und Korn, der sich erst so richtig wohlfühlt, wenn seine Fahrer alle Gänge bis in jubilierende Höhen ausdrehen, um dann später großzügig nachzutanken? Oder zählt er zu den verbrauchsoptimierten, aber lahmen Leisetretern, die ihren Insassen als einziges Fahrvergnügen die moderate Rechnung auf dem Tresen der Tankstelle präsentieren?

BMW X1 20d wirkt alles andere als lahm Die Sache mit dem Ausdrehen bis an den roten Bereich des Drehzahlmessers ist in dem kompakten SUV bestenfalls eine Angelegenheit für die unteren der sechs handgeschalteten Gänge. 5.000/min bedeuten im 1:1 übersetzten vierten Gang etwa 200 km/h, und dann kommen noch zwei weitere Fahrstufen bis zur Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h. Das Glück des Fahrers liegt mithin am anderen Ende der Drehzahlskala. Beschleunigen: Schon bei rund 2.000/min im fünften Gang zwinkert die Schaltanzeige dem Fahrer kumpelhaft zu und empfiehlt die sechste Welle. Die ist mit 0,659:1 extrem lang übersetzt und erinnert zumindest von der Papierform her an die verbrauchsoptimierten BMW der achtziger Jahre, die unter der Bezeichnung "eta" Mäßigung an allen Fronten boten - beim Verbrauch ebenso wie beim Fahrspaß. Lahm jedoch wirkt der BMW X1 20d beileibe nicht, nur 8,5 Sekunden nach dem Start liegt bereits Tempo 100 an.

Testverbrauch überschreitet den Erwartungshorizont Doch der von BMW genannte Durchschnittsverbrauch für den BMW X1 20d von 4,5 Liter auf 100 Kilometer war selbst auf der mit samtweichem Gasfuß absolvierten auto motor und sport-Normrunde nicht zu reproduzieren: Weniger als 4,9 Liter/100 km druckte der Taschenrechner nicht aus. Der Testverbrauch überschreitet mit 7,1 Litern ebenfalls den Erwartungshorizont der Hardcore-Sparer, liegt im Vergleich mit anderen, ähnlichen BMW-Modellen ohne spezielles Verbrauchssenkungs-Paket jedoch auf sehr achtbarem Niveau. Die von der verbrauchsreduzierenden Technik empfohlene Fahrweise liegt daher in einem beschwingten Cruisen, einem stromlinienförmigen Gleiten durch die Landschaft mit einer Tendenz zum superfrühen Hochschalten. Hat sich der Chauffeur erst mal an diese nicht zwangsläufig in der BMW-Welt erwartete Gangart gewöhnt, entdeckt er plötzlich Reize auch in der längsten Übersetzung: Völlig unaufgeregt und lässig ermöglicht der BMW X1 20d überraschend hohe Reiseschnitte, die mit einem dafür erfreulich niedrigen Kraftstoff-Konsum zu verrechnen sind. Niedertourig gefahrene Dieselmotoren neigen zur Brummigkeit; ihre Torsionsschwingungen verursachen in der Karosserie Resonanzen. BMW begegnet dieser Eigenart im Spar-X1 mit einem Zweimassen-Schwungrad als Schwingungsdämpfer. Ziemlich erfolgreich: Nur bei 1.800/min rutscht dem Innen-Rückspiegel ganz kurz das Bild aus dem Rahmen.

BMW X1 20d mit guten Bremsen Zum reinen Schmusetier in der Kuschelkiste des Komforts hat BMW den heckgetriebenen BMW X1 20d allerdings nicht entwickelt. Federung und Dämpfung vermitteln eine zum Sportler-Image der Marke passende Straffheit, die Unebenheiten der Fahrbahn nicht spurlos egalisiert, sondern kurze Wellen, Belagdefekte und Querfugen über die gut führenden Sportsitze als das an die Insassen durchstellt, was sie sind: kurze Wellen, Belagdefekte und Querfugen. Die elektrisch unterstützte Servolenkung könnte eine Prise mehr Rückmeldung vermitteln, trägt aber zum präzisen Handling des BMW X1 20d bei. Ein Lob verdienen die warmgefahrenen Bremsen: Auch die zehnte Verzögerung von 100 auf null km/h zwang den X1 nach 36,4 Metern zum Stillstand. Mit 2,76 Meter Radstand bietet sich der BMW X1 20d als angenehmer Reisewagen an. Zwar besitzt er auch - seinem Drehmoment sei Dank - ein Talent zum Zwischenspurt. Aber lässiges Cruisen liegt ihm eindeutig mehr.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-03-13

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