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Testbericht

8. Juli 2012

Nach etlichen Jahren als Autotester bildet man sich ein, die Klangschattierungen eines Achtzylinders zu kennen. Es gibt die bollernde US- und die kreischende Italo-Fraktion, technisch begründet in der 90- oder 180-Grad-Kurbelwelle. Doch dann kommt das neue BMW M6 Cabrio und stiftet Verwirrung: Der Verstand weiß, dass unter der Fronthaube ein V8 rumort, doch die Ohren wollen hauptsächlich einen rennmäßigen Vierzylinder erkennen. Vielleicht wird sich diese dritte V8-Klangschattierung künftig als die deutsche durchsetzen. Jedenfalls spielt der aus dem M5 bekannte 4,4-Liter von BMW im M6 Cabrio dank neuer Klang-Abstimmung gleich mehrere Kolorite durch: Bei niedrigen Drehzahlen knurrt er wie ein Sechszylinder; unterschwellig und hubraumsatt. Gibt man Gas, taucht scheinbar eine tief-gurgelnde Armada von Alfa Romeo GTA auf und schmettert vierzylindrig durch die offene Ansauganlage, ehe bei hohen Drehzahlen ein Ferrari California mit seinem hämmernden Getöse übernimmt.

BMW M6 Cabrio mit mächtiger Durchschlagskraft Es ist der Zylinderbank-übergreifende Krümmer, der den Ton so ungewöhnlich koloriert. So strömt das Abgas auf gleichlangen Wegen zu den beiden Twinscroll-Ladern, die im 90-Grad-V sitzen - ein Effekt, den sich auch Fächerkrümmer zunutze machen und der im Falle des BMW M6 Cabrio die Turbos schneller ansprechen lässt. So sollen die bis zu 680 Nm respektive 560 PS besonders ungestüm zuschlagen. Wer jetzt allerdings das Turboloch zugeschüttet wähnt, wird enttäuscht: Dass der Achtzylinder aufgeladen ist, merkt man deutlich. Stets holt er erst tief Luft, um anschließend umso brutaler zuzuschlagen. So ist der gewaltige Leistungseinsatz abgesoftet und überrascht den Fahrer nicht hinterrücks; er ist nur schlicht überwältigt von der mächtigen Durchschlagskraft. Wer allerdings in den manuellen Modus des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes wechselt und unter testosteronfördernden Schaltschlägen unablässig durchlädt - etwa in 4,3 Sekunden von null auf 100 km/h -, der merkt nichts von den Turbos. Sie fördern vom ersten bis zum letzten Gang beharrlich und zeigen selbst bei hohen Drehzahlen keinerlei Müdigkeit. Der V8 des BMW M6 explodiert geradezu Richtung Begrenzer und hat zumindest hier viel von der Charakteristik eines schwungmassenarmen Saugmotors.

In 19 Sekunden zum Frischluft-Vergnügen Mindestens so beeindruckend ist allerdings, wie geschmeidig das BMW M6 Cabrio bewegt werden kann. Stoßdämpfer, Lenkunterstützung, Traktionskontrolle, Schaltstrategie und nicht zuletzt das Ansprechverhalten des Gaspedals sind über Tasten rund um den Getriebewählhebel konfigurier- und abspeicherbar. So lassen sich jetzt zwei Lieblings-Setups auf Lenkradtasten legen und abrufen. Es empfiehlt sich eine Voreinstellung fürs Dahingleiten, eine Disziplin, die das BMW M6 Cabrio kaum schlechter beherrscht als seine zivileren Brüder. Selbst Autobahn-Querfugen nimmt die Federung geflissentlich in sich auf, Bodenwellen sowieso. Im D-Modus schaltet das Getrag-Getriebe äußerst sanft - fast wie ein Wandler-Automat. So lassen sich weite Strecken dank lang übersetztem siebtem Gang stressarm überwinden. Demzufolge hat das M6 Cabrio uneingeschränkte Alltagstauglichkeit. Der Spaß beginnt allerdings erst wirklich, wenn sich auf Knopfdruck innerhalb von 19 Sekunden das dick gefütterte Stoffverdeck des BMW M6 Cabrio zusammenfaltet und in seine Kiste ablegt. Dies klappt bis zu einem Tempo von 40 km/h. Ist das Wetter dagegen instabil, lässt sich auch nur die Heckscheibe herunterfahren, was bis in hohe Geschwindigkeitsbereiche zugfrei Frischluft von hinten garantiert.

BMW M6 Cabrio rennt bis zu 305 km/h schnell Im Moment herrscht zum Glück Hochdruck, und wir fahren offen. Wer unbedingt will, beruhigt den Innenraum mit dem Windschott bis auf komplette Zugfreiheit; doch Cabrio-Jünger rümpfen darüber die Nase. Sie modulieren den Fahrtwind mittels Seitenscheiben. Lässt man sie herab, so wird das BMW M6 Cabrio erst dann zum stürmischen Gesellen, wenn es sich der abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h nähert (oder von 305 km/h, falls man das M Drivers Package samt Fahrertraining bestellt). Auf der Landstraße erfrischt das Lüftchen eher, als dass es Frisuren zerzaust - selbst wenn man alle Systeme strafft und das zwei Tonnen schwere BMW M6 Cabrio fliegen lässt. Genau die richtige Portion an Umwelteinflüssen dringt in den Innenraum. Beim Cruisen vornehm zurückhaltend, wie es sich für ein viersitziges Luxus-Cabrio gehört, flutet eine Welle von Auspuffschall das Cockpit, sobald der Gasfuß zuckt. Von vorn hält die HiFi-Anlage mit verstärktem Ansauggeräusch gegen. Der Fahrer sitzt dazwischen wie bei einem Open-Air-Konzert und analysiert die ungewohnten Resonanzen. Nicht schlecht, diese deutsche V8-Interpretation. Gewöhnungsbedürftig, aber sehr einprägsam. Selbst Achtzylinder halten also noch akustische Überraschungen parat.

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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-07-08

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