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Testbericht

19. Februar 2017
Sparsamkeit sei, soll der englische Philosoph und Politiker Francis Bacon bereits im 16. Jahrhundert bemerkt haben, einer der besten Wege, sich zu bereichern. Die Plug-in-Versionen von BMW 7er und Mercedes S-Klasse hat er damit wohl nicht gemeint, doch reich sollte man bei ihnen idealerweise bereits sein, bevor das Sparen beginnt.Um die 100.000 Euro kostet es mindestens, mit einer dieser beiden Luxuslimousinen Plug-in-hybridisch zu knausern. Das passt beispielsweise zu einem schwäbischen Ministerpräsidenten: Winfried Kretschmann fährt dienstlich S 500 e und findet, sein Wagen setze Maßstäbe bei Effizienz und Klimaschutz. Ein CO2-Ausstoß von 65 g/km ist für einen Luxusliner mit 442 PS Systemleistung und 2,2 Tonnen Leergewicht ja dann auch eine mutige Ansage. Gar nur 49 Gramm sind es beim Konkurrenten BMW 740Le, Systemleistung dort: moderatere 326 PS. Wie viel an den Werksangaben im Alltag dran ist, wollen wir hier ausprobieren.

Rein elektrisch fährt der 7er weiter
33 Kilometer soll der Mercedes rein elektrisch fahren, bevor er den Sechszylinder dazu bemüht, keinesfalls also ausreichend, um vom privaten Wohnort des Ministerpräsidenten bei Sigmaringen zum Amtssitz in der Stuttgarter Innenstadt zu fahren (ca. 100 km). Genug jedoch, um auch in diesem Fall den Stadtbereich flüsternd und emissionsarm zu verlassen. Nach 22 Kilometern ist beim S 500 e Schluss, acht Kilometer mehr sind es beim 740Le. Nicht so prall, könnte man meinen, dafür lohnt sich der Aufwand kaum, den Wagen abends an die Steckdose zu hängen. Die rund acht Kilowattstunden, welche BMW und Mercedes dabei aus der Batterie zapfen, kosten etwa 2,50 Euro, kein großer Kostenvorteil gegenüber dem Hybridbetrieb. Bei dem sich im Übrigen der BMW als die etwas sparsamere Limousine erweist, sie verbraucht auf der Eco-Runde 6,7 Liter Superbenzin. Das entspricht beim heutigen Benzinpreis etwa 9,40 Euro.

Laufruhiger Sechszylinder im S 500 e
Teurer ist Mercedes-Fahren, bei ihm laufen im Hybridbetrieb 7,9 Liter durch. Das ist freilich nur ein Teil der Wahrheit, er bietet dafür einen überlegenen Antriebskomfort auch bei mitlaufendem Benziner. Denn anders als beim BMW sitzt hier ein V6 im Bug, der sogar ohne elektrische Hilfe als Antrieb für eine Zweitonnen-Limousine taugt. So uneingeschränkt lässt sich das über den 740Le nicht sagen, der hat als fossilen Verbrenner einen Zweiliter-Vierzylinder vom Typ B48, den Standardmotor, in ähnlicher Form in vielen anderen Produkten des Hauses vertreten. Man kann ihm kaum etwas wirklich Ernsthaftes vorwerfen, außer dem ausgeprägt vierzylindrigen Timbre, das im luxuriösen 7er-Ambiente deutlich mehr auffällt als etwa in einem 3er Touring oder X1. Der Benziner hat 258 PS und 400 Nm Drehmoment, tritt aus dem Drehzahlkeller wuchtig an, doch ein spezifischer Antriebsreiz geht von dem Motor eher nicht aus.Zu seinen Vorzügen zählt allerdings, wie bereits erwähnt, der Treibstoffkonsum. Nach ams-Profil für Plug-in-Hybride macht der Unterschied 1,7 Liter Benzin pro 100 km aus, wobei der Strombedarf des BMW leicht höher ist (15,0 zu 13,4 kWh/100 km). Umgerechnet in CO2-Ausstoß heißt das, der 740Le emittiert mit durchschnittlich 156 g/km genau 30 Gramm weniger als der S 500 e. Wobei die elektrische Energie gemäß dem deutschen Strommix in die Kohlenstoffdioxid-Rechnung einfließt. Das ist beim NEFZ-Verbrauch nicht der Fall, da wird der Strom als CO2-neutral angenommen.

1.500 Euro Preisdifferenz zum 740 Li
Finanziell lohnend wird die Anschaffung einer Plug-in-Limousine unter Umständen dagegen schon, vor allem für Vielfahrer, die oft in der Nähe von Steckdosen parken. Der BMW 740Le ist genau 3.500 Euro teurer als ein gleich starker 740Li mit Sechszylinder-Benziner, ausstattungsbereinigt schrumpft die Differenz um 2.000 Euro. Rund 1.000 Liter Sprit muss der Hybridfahrer also sparen, um den Mehrpreis reinzuholen.Etwas anders sieht es beim Mercedes aus, der ist genauso teuer wie ein vergleichbarer S 500 mit 455-PS-Achtzylinder und langem Radstand. Zudem ist der V6 des S 500 e im Alltag deutlich umgänglicher als der raue Vierzylinder im BMW. Wobei wir nicht wissen, ob dieser Gesichtspunkt bei einem schwäbischen Ministerpräsidenten eine Rolle spielt.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2017-02-19

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