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Testbericht

7. Mai 2017
So ist das häufig mit besten Feinden: Sie kennen sich über die Jahre so gut, dass sie voreinander praktisch keine Geheimnisse mehr haben. Sie wissen über Stärken und Schwächen umfassend Bescheid. Und sie nähern sich einander an. Die Oberklasse-Limousinen BMW 5er und Mercedes E-Klasse sind solche besten Feinde.Was passiert also, wenn der Konkurrent des Ingenieurs liebstes Studienobjekt wird? Das Fahrverhalten gleicht sich an. Oder kehrt sich sogar um – die hier getesteten Allradversionen wechseln teilweise ihren Markencharakter: Der E 400 4Matic swingt in lastwechseligen Kurven leidenschaftlich mit dem Heck, während der 540i xDrive auf der Hinterhand etwas phlegmatisch wirkt – und über die Lenkung weniger rückmeldet. Bei Markentreuen muss sich diese Information erst einmal setzen. Wie so häufig raubt der angehängte Vorderradantrieb einem BMW Dynamik, schanzt ihm dafür Wintertauglichkeit zu.

BMW 540i xDrive mit E-Klasse-Tugenden
Ein Wenn mit Aber. Weil Handling und Komfort in Wechselwirkung stehen, folgt auf den harten Aufschlag ein satter Return: Der Münchner egalisiert kleine Unebenheiten besser, streunt damit als Revanche ungeniert durch den Stuttgarter Vorgarten. Und er bietet erstmals mehr Platz als der Erzkonkurrent sowie auf den Rücksitzen mehr Oberschenkelauflage. Sozusagen als Ausgleich für die Dynamik-Schmähung.Dass der Mercedes bei der Bepunktung des Federungskomforts knapp vorbeizieht, verdankt er nur seinem erstklassigen Luftfederungswiegen auf langen Bodenwellen. Dennoch reißt sich der BMW das Komfortkapitel unter den Nagel – weil er beim Musik-Entertainment mehr Auswahl bietet. Und weil seine Klimaanlage in vier statt drei Zonen regelbar ist.Doch das gehört sicherlich nicht zum identitätsstiftenden Charakter. Eher schon das typische Aroma des Innenraums. Es sind schließlich die vermeintlich kleinen Dinge, die ein Gefühl der Vertrautheit vermitteln. Der 5er duftet nach BMW und die E-Klasse nach Mercedes. So riecht jede erste Begegnung für Stammkunden nach Heimkommen. Teilweise gilt das auch für die Gestaltung des Innenraums: die Mittelkonsole im BMW etwa, die sich leicht Richtung Fahrer neigt. Und die unaufgeregt dahinfließenden Flächen im Mercedes, welche oberklassige Weite bis ins Armaturenbrettdesign hinein transportieren. Bei der Qualität zeigen übrigens beide, was sich für die obere Mittelklasse gehört.

Modernitätsveredelter Luxus im Mercedes
Erst in einem zweiten Schritt erkennt man, dass die E-Klasse einen cleveren Spagat ausführt: Sie gibt sich zeitgemäß bei der Bildschirmtechnik mit zwei je 12,3 Zoll messenden Breitwand-Displays sowie mit Blackberry-artigen Touchpads links und rechts im Lenkradkranz, bleibt jedoch traditionell in der Möblierung. Somit verschreckt man ehrwürdige Stammkunden nicht, streckt aber auch die Fühler nach der Generation Smartphone aus.Letztere darf durch das digitale Dickicht toben und tief in Menü-Höhlen vordringen – der 5er ist hier übrigens leichter zu erforschen. Über die Größe des Wohlfühlfaktors entscheidet das nicht alleine. Da wäre etwa noch das Bedürfnis nach Sicherheit zu befriedigen; hier wiederum zeigt die E-Klasse bei den Assistenzsystemen einen leichten Vorsprung, büßt ihn aber mit längeren Bremswegen mehr als ein.Mit ihren Biturbo-Sechszylindern bahnen sich beide mühelos ihren Weg durch den Wind. Ja, sechs Zylinder. Nicht drei, nicht vier, nein: sechs. So etwas feiert man heute wie früher einen V8. Erst sechs Zylinder, egal ob als V oder in Reihe angeordnet, machen aus einer Oberklasse-Limousine einen Genussraum. Und in diesem rauschen wir über eine lichte Fernstraße, lassen uns unterwegs von den Massagestempeln durchkneten – oder von 450 Nm (BMW) respektive 480 Nm (Mercedes) sanft in die Polster drücken.

Tiefgründiger Schub
Dabei beeindruckt erstens der gelassene Knurrbass des Mercedes E 400, der endlose Leistungsreserven suggeriert. Und zweitens der tiefgründig dargebotene Schub des rauchig trompetenden 540i – samt seinen beeindruckenden Beschleunigungswerten. Zahlt sich der drastische Gewichtsvorteil von 111 Kilogramm für den BMW bei der Fahrdynamik nicht aus, so sticht dieses Ass endlich im Antriebskapitel.Sein gehaltvollerer Antritt sichert dem 5er einen Pluspunkt bei der Leistungsentfaltung. Einen weiteren gibt es für den niedrigeren Testverbrauch. Und einen für die geringere Well-to-Wheel-Emission. Und noch zwei zusätzliche für den Minderausstoß nach NEFZ. Der BMW hat einen Lauf, erhält überdies einen Bonus, weil er bei den Stand- und Fahrgeräuschen leiser ist. Macht aufaddiert sechs von sieben Punkten, die dem Mercedes in der Eigenschaftswertung zum rechnerischen Gleichstand fehlen. Wobei die einzelnen Kapitel meist denkbar knapp enden: hier mal ein Punkt Unterschied, dort zwei. Am größten ist die Differenz im Umweltkapitel.Ohnehin liest sich die Auflistung der Siege in den einzelnen Etappen ungewöhnlich. BMW: Karosserie, Sicherheit, Komfort, Umwelt sowie Antrieb – bis auf Letzteres eigentlich traditionelle Mercedes-Domänen. Doch statt dieser holt sich der E 400 das Kapitel Fahrverhalten, darin unter anderem die Unterpunkte Fahrspaß sowie Lenkung. Verkehrte Welt?

Stern oder Niere?
Zumindest ein überraschendes Zwischenergebnis, das sich alles andere als vorhersagen ließ. Wie eingangs erwähnt: Beste Feinde studieren die Stärken und Schwächen ihrer Gegner so genau, dass sie sich mit der Zeit angleichen oder sogar Wesenszüge des anderen annehmen. Auf die automobile Welt bezogen bedeutet das: Die Oberklasse-Limousinen von BMW und Mercedes liegen in ihrer Güte so eng beieinander, dass sich die Entscheidung zwischen 540i und E 400 guten Gewissens aus emotionalen Vorlieben treffen lässt – man erhält auf jeden Fall ein ausgereiftes Stück sechszylindrigen Luxus. Dass Luxus teuer ist, versteht sich von selbst. Und es ist nicht davon auszugehen, dass die etwas niedrigere Steuer oder die günstigeren Versicherungsprämien den Ausschlag für Stern oder Niere geben. Wohl aber könnte letztendlich das ärgerliche Gefühl eine Rolle spielen, bei der E-Klasse für Extras zahlen zu müssen, die beim 5er Standard sind – LED-Scheinwerfer etwa (als Teil der Sport Line), ein kleines Navigationssystem, heizbare Ledersitze. So sichert sich der BMW über seine umfangreichere Ausstattung das Kostenkapitel und baut seinen Sieg am Ende noch aus.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2017-05-07

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