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Testbericht

2. Mai 2010

Mercedes-Sportchef Norbert Haug macht positive Stimmung: "Michael Schumacher wird den ersten Formel  1-Lauf des Jahres gewinnen." In etwa zur gleichen Zeit kommt im Zoo von Sydney ein Elefantenbaby in Rückenlage zur Welt. So stand’s jedenfalls im BMW 530d geschrieben. Denn die neue gehobene Mittelklasse aus München ist nicht nur eine frohe Botschaft an sich, sondern verbreitet dergleichen obendrein auch noch. Genauer gesagt, das in das 3.800 Euro teure Navigationssystem Professional integrierte Online-Paket Connected Drive.

Der BMW 5er als angenehmer Unterhalter Eingespielt wird der unterhaltsame wie informative Service auf ein blendfrei ablesbares 10,2-Zoll-Display. Sogar während der Fahrt flimmert der ausgewählte Infodienst über den Bildschirm, während das World Wide Web nur im Stillstand durchforstet werden darf. Jedenfalls lenkt der Umgang mit dem Menü des weitreichenden Infotainment-Angebots nicht wirklich vom Wesentlichen, nämlich vom Fahren ab. Denn auf der Drück-und-dreh-Klaviatur des aktuellsten i-Drive klimpert es sich so locker wie auf Töchterchens Bontempi-Orgel. Somit versteht sich die "Fahrfreude in Perfektion", wie die bajuwarische Limousine angepriesen wird, auch jenseits aller Fahrfreude als angenehmer Unterhalter - etwa durch das imposante Klangspektakel aus dem HiFi-System Professional. Bestzeugnis für Verarbeitung, Ergonomie und Materialanmutung Währenddessen findet sich der Genießer des Ganzen in einem Ambiente wieder, das mit hoher Qualität überzeugt. Selbst wenn man die beim Testwagen mannigfaltig vorhandenen Goodies ausblendet, die immerhin einen Gegenwert von über 30.000 Euro darstellen, ist dem BMW 5er ein Bestzeugnis für Verarbeitung, Ergonomie und Materialanmutung auszustellen. Kein Wunder bei der engen Verbundenheit mit dem Siebener. Immerhin teilt sich die sechste Generation 70 Prozent der Prozesse und Komponenten mit dem großen Bruder. Von einer frappierenden optischen Nähe ganz zu schweigen. Diese führt auch dazu, dass der Neue deutlich dynamischer wirkt als der Alte. Mehr Sicken und Konturen auf Haube, Heck und Flanken schenken ihm ein deutliches Charakter-Plus. Rund fünf Zentimeter mehr Außenlänge und acht Zentimeter mehr Radstand versprechen obendrein mehr Platz als bislang. BMW 530d im Test: Der BMW 7er lässt grüßen Tatsächlich sind es Nuancen, die dem nutzbaren Raum zugute kommen. Vorne durch ein paar Zentimeter mehr Breite, hinten mit mehr Platz für die Beine der Passagiere. Was in der Praxis bedeutet, dass sich auch stattliche 1,90-Meter-Typen gediegen und bequem chauffieren lassen können. Der großzügigen Kopffreiheit sei zusätzlich Dank, wenngleich die früh abknickende Dachlinie beim unvorsichtigen Ein- und Ausstieg leicht einen ungewollten Scheitel ziehen kann. Der wahre Platz an der Sonne ist auch beim neuen BMW 5er der hinterm Lenkrad: vor einem zwar nüchternen, aber ergonomisch einwandfreien und gefälligen Instrumententräger, der sich auf alte Tugenden besinnt. Sich also leicht dem Fahrer zuwendet - der BMW 7er lässt wiederholt grüßen. Auch in Form der optionalen Assistenzsysteme, dener sich der Fünfer bedient, und die ihn nun auf Augenhöhe mit der Konkurrenz agieren lassen. In der schier endlosen Liste der Sonderausstattungen kann man an kalten Abenden lustvoll schmökern. In der Lektüre finden sich unter anderem Spur- wechselwarnung, Spurverlassenswarnung oder Brake Assist. Mit dem 700 Euro teuren Surround View kann sich der Lenkradartist aus der Vogelperspektive selbst beim Einparken filmen. Oder er lässt parken - mit dem 550 Euro teuren Parkassistenten. BMW 530d: Grundpreis von 49.300 Euro Allerdings wirkt das selbsttätige Lenkrad erst mal ähnlich befremdlich wie ein Kölsch im Hofbräuhaus. Freude am Fahren heißt doch eigentlich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Auf Tuchfühlung gehen mit der Integral-Aktivlenkung und dem verstellbaren Fahrwerk Adaptive Drive, falls die Liquidität für die fälligen 4.750 Euro neben dem Grundpreis von 49.300 Euro noch ausreicht. Aber ein bisschen was geht schließlich immer. Vielleicht noch 2.260 Euro fürs perfekt bezogene Leder, um in den lauschigen, gut konturierten sowie großzügig justierbaren Komfortsitzen Platz zu nehmen. Derart gebettet steuert man den BMW 530d entspannt durch die Stadt. Von den harten Verbrennungsarien des drei Liter großen Selbstzünders kommt nur noch ein hauchzarter Rest am Ohr an. Störender scheint da schon, dass der Langsamfahrkomfort etwas hölzern wirkt. BMW 530d im ersten Test: Das Fahrwerk wächst mit seinen Aufgaben Wenn der 1,8-Tonner Fahrt aufnimmt, läuft er in vielen Belangen zu großer Stärke auf. Dieses Fahrtaufnehmen an sich darf schon als Bereicherung des automobilen Alltags gelten. Denn der aus Drehzahltiefen vorschnellende Sechszylinder liefert ein Paradebeispiel für eine druckvolle sowie gleichmäßige Leistungsentfaltung. An Souveränität herrscht beim Antrieb keinerlei Mangel. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der üppig ausgestattete Testwagen die Werksangabe für den Spurt auf Tempo 100 (6,3 Sekunden) knapp verfehlt. An den Fahrleistungen zu mäkeln wäre jedoch Frevel. Zumal sich der Selbstzünder trotz seiner Sportlichkeit auch zu kasteien versteht. Der BMW-Diesel erreicht die Abgasnorm Euro  6 Lediglich 6,2 Liter Diesel pro 100 Kilometer zerstäuben die Einspritzdüsen auf der verhalten gefahrenen Normrunde. Im Testmittel genügen dem Triebwerk mit Alu-Kurbelgehäuse 8,7 Liter - auch dank der tatkräftigen Unterstützung durch die aufpreispflichtige Achtgangautomatik. Mit der Steptronic gehen die 540 Nm Drehmoment respektive 245 PS eine erstklassige Partnerschaft ein. Das Ganze kann, selbstredend gegen Aufpreis, um einen NOx-Katalysator erweitert werden. Womit der BMW-Diesel dann als Blue Performance sogar die Abgasnorm Euro 6 erreicht. Raus aus der Theorie, rein in die Praxis. In eine überzeugende Arbeitsweise, die jede manuelle Schaltarbeit an den Lenkradwippen ad absurdum führt. Zwar schaufelt die Steptronic in Anbetracht des üppigen Angebots engagiert eine um die andere Fahrstufe nach. Dabei gleiten die Übersetzungen aber in einer Feinheit ineinander, als wäre die massive Getriebemechanik in Samt und Seide gebettet. Rüde Fahrwerksattacken bei BMW 5er sind endgültig passé Mit einem ähnlich hohen Reifegrad weiß nun auch die Integral-Aktivlenkung zu glänzen: leichtgängig und direkt bei niedriger Geschwindigkeit, ruhig und sachlich bei hohem Tempo. Die bislang bemängelte übertriebene Sensibilität auf der Autobahn ist Geschichte. Ruhig, stoisch und verreiß-sicher macht der BMW 530d Strecke. Nun ist auch das aufwendige, an Aluminiumlenkern geführte Fahrwerk in seinem Element. Bügelt Stöße und Wellen mit Gleichmut nieder, schenkt damit dem Aufbau selbst in Grenzbereichen eine verlässliche Stabilität. Egal ob Komfort, Normal oder Sport: Rüde Fahrwerksattacken teilt der flott bewegte Bayer in keiner der wählbaren Einstellungen aus. Auch die sechste Generation des 5er BMW zeigt fahrdynamische Klasse Dabei bleibt der BMW 530d trotz allem Komfortansinnen doch noch Traditionalist. Auch als sechster seiner Art vertritt er jene fahrdynamische Klasse, mit der seine Vorfahren schon die Konkurrenz düpierten. Obwohl sich die elektrische Servolenkung in ihrer neuesten Fassung einen Hauch mehr Zeit nimmt, um Lenkbefehle umzusetzen, absolviert der Hecktriebler dennoch lustvoll das Fahrdynamikprogramm. Wobei die mitlenkende Hinterachse die Kurvenwilligkeit dezent unterstützt. Dank Wankausgleich reduzieren sich die Bewegungen um die Längsachse auf ein Mindestmaß. Und auch das im schnellen ISO-Wedelkurs zu erwartende Gieren um die Hochachse ist Makulatur. Überzeugende Mischung aus BMW 3er und 7er Schnell und sicher ist der BMW 5er, subjektiv wähnt man sich fast schon am Volant eines 3er. Objektiv bleibt zwar noch eine gewisse Distanz, jedoch das erzeugte Gefühl zählt. Und das ist allemal stark genug, um sich beim gebotenen Fahrspaß klammheimlich ein Loch in den Bauch zu freuen. Dazu addiert sich die Gewissheit, dass sich auch die Fahrsicherheit um eine weitere Stufe nach oben entwickelt hat. Dass es so viel Gutes aus München nicht umsonst gibt - keine überraschende Botschaft. Trotzdem bestätigt sich der neue BMW 5er als Verbreiter froher Kunde - weil er in vielen Testdisziplinen Topresultate einheimst. Nur der Vollständigkeit halber: Michael Schumacher hat das erste Rennen doch nicht gewonnen. Aber das australische Elefantenbaby ist nach wie vor quietschfidel.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-05-02

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