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Testbericht

14. Februar 2012

Die Diskussion darüber, was nun Fortschritt bedeutet und was nicht, soll an dieser Stelle nicht vom Zaun gebrochen werden. Tatsache ist jedoch: Bereits in der Heckklappe des BMW 528i Touring steckt mehr Technik als noch in manchem Kleinwagen früherer Jahre. Seinem Besitzer stellt der Kombi daher stets aufs Neue die Frage: Wie darf ich mich dir öffnen? Reicht es, wenn nur das Heckfenster nach oben schwingt? Oder soll es doch die gesamte Klappe sein? Falls ja – wie? Per Fernbedienung, kurzem Zug am Griff oder gar mit einer mehr oder weniger eleganten Fußbewegung? Welche Option auch immer den Zuschlag erhält, sie funktionieren alle völlig problemlos. Einzig beim serienmäßig separat öffnenden Heckfenster des BMW 528i Touring kommt der Nutzer nicht um dreckige Finger herum, da ein motorisierter Schließmechanismus wohl doch etwas zu viel Fortschritt wäre.

BMW 528i Touring mit knappem Raumangebot Bereits ohne wiegt der üppig ausgestattete Testwagen knapp 1,9 Tonnen, trotz des vermeintlich leichten Vierzylinder-Triebwerks. Da jetzt die Heckklappe ohnehin offen steht, kann der BMW 528i Touring gleich zeigen, wie viel Lasterhaftes in ihm steckt. Bis zu 1.670 Liter schluckt das Ladeabteil; wird es von Rückbank und Fensterkante begrenzt, bleiben noch 560 Liter. Falls die Kombikarosserie nicht ausschließlich aus ästhetischen Gründen gekauft wird, bitteschön: Niveauregulierung, dreigeteilte Rücksitzlehne sowie Laderaumrollo und Trennnetz zählen zur Serienausstattung – perfekt. Das Rollo öffnet und schließt übrigens automatisch, und ebenso automatisch verhindert eine Edelstahlleiste auf der niedrigen Ladekante Kratzer durch Gepäckstücke. So weit, so praktisch – diente etwa Kombi-Altmeister Mercedes als Vorbild? Vielleicht. Manches kann der BMW 528i Touring sogar besser (Stichwort: dreigeteilte Rückbank), anderes nicht ganz so gut. Die Dachreling kostet Aufpreis, größeres Stückgut bleibt an den voluminösen Klappenscharnieren hängen, Ladevolumen und Zuladung fallen geringer aus. Ebenfalls knapp: das Raumangebot auf der bequemen Rückbank, was angesichts von 4,91 Meter Länge doch einigermaßen verwundert. Von luftigen Platzverhältnissen zu sprechen ist spätestens dann vermessen, wenn sie sich vier über 1,85 Meter gewachsene Personen aufteilen. Sicherlich kosten auch die ausladenden Komfortsitze einige Millimeter Knieraum – und stattliche 4.270 Euro extra, da sie BMW nur mit Leder bezieht.

528i nur noch mit vier Zylindern Dennoch: Falls der BMW 528i Touring viele Kilometer fressen soll, gehört diese Option fast schon zur Pflicht. Warum? Durch die unzähligen Einstellmöglichkeiten stützen sie nahezu jeden Rücken perfekt. Derart entspannt fällt es dem Fahrer leicht, sich auf alle anderen Funktionen zu konzentrieren. Beispielsweise, welches Assistenzsystem Wache halten soll, welche Funktionen das Head-up-Display in die Scheibe projizieren, welches Medium welche Musik abspielen und in welchem Modus der BMW 5er Touring rollen soll. Per in bestem Marketingdeutsch Fahrerlebnisschalter betitelter Wippe erstreckt sich dabei die Auswahl auf Eco Pro, Comfort, Comfort Plus, Sport und Sport Plus. Dabei beeinflusst der Modus Gaspedal-, Dämpfer-, Lenkungs-, Getriebe- und ESP-Kennlinie. Ungeachtet allen Fortschritts bleibt es dagegen bei zwei Modi für den Motor: aus und an. Zumindest im Stand lässt sich akustisch kaum ein Unterschied ausmachen, denn BMW packt das Zweiliter-Aggregat offenbar gut in ein paar Pfund Dämmmaterial ein. Und dieser kleinvolumige Emporkömmling schickt also den tollen Reihensechszylinder in Rente? Zumindest bekommt der von 350 Newtonmeter maximalem Drehmoment, das bereits bei 1.250 Umdrehungen abrufbereit ist, einen schamroten Zylinderkopf. Entsprechend wuchtig schiebt der Direkteinspritzer den schweren BMW 528i Touring an und lässt sich dabei mit bis zu 1,3 bar den Turbo-Marsch blasen. Und während sich die Saugmotor-Fraktion freuen will, dass ihm gleich die Puste ausgeht, dreht der BMW 528i Touring völlig unbeeindruckt über die 5.000/min-Marke hinweg und stellt erst jenseits von 6.000 Umdrehungen sein Engagement ein. Das Resultat: sieben Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h. Nicht schlecht? Schon, nur vier Zehntel langsamer als die Werksangabe. Außerdem klingt das Turbo-Triebwerk beinahe, als ob es Magerquark statt Superbenzin eingespritzt bekommt. Dass der Vierzylinder bei hohen Drehzahlen angenehmer und fülliger bassen kann, beweist er im Z4.

Der Vierzylinder nippt üppig am Kraftstoff Die sanft schaltende Achtstufenautomatik des BMW 528i Touring lässt sich dagegen nichts vorwerfen, außer vielleicht, dass sie bei kaltem Öl etwas ruppig arbeitet. Wenn er wollte, könnte der Fahrer die Gänge mittels der optionalen, hübsch gestalteten Schaltpaddel selbst wählen. Doch das Getriebe kommt prima alleine klar. Hilft es denn auch beim Sparen? BMW gibt einen Normverbrauch von 6,8 L/100 km an, drei Zehntel weniger als mit manuellem Getriebe. Tatsächlich erzielte der BMW 528i Touring auf der sparsam gefahrenen auto motor und sport-Normrunde beachtliche 6,9 Liter/100 km. Der Testverbrauch pendelt sich allerdings bei 11,3 L/100 km ein, was daran liegt, dass sich das Triebwerk bei flotter Fahrweise den Kraftstoff gleich krugweise auf ex zuführt. Oberhalb von 130 km/h bleibt auch der an sich clevere Eco-Pro-Modus wirkungslos, darunter weckte er bei den meisten Fahrern den Ehrgeiz, Reichweiten-Kilometer zu sammeln. So beschränkt sich der Fortschritt beim Antrieb im Alltag auf besseren Durchzug. Aufgerüstetes Fahrwerk überzeugt Anders sieht es beim Fahrwerk des BMW 5er aus. Natürlich zog der Testwagen sämtliche optionalen Register, von adaptiven Dämpfern bis hin zur aktiven Allradlenkung. Letztere suggeriert mit spitzem Ansprechen sensationelle Agilität, doch hauptverantwortlich für das dynamische Handling dürfte das hervorragend abgestimmte Adaptiv-Fahrwerk sein. Zudem ermöglicht es einen angenehmen Federungskomfort, wenngleich der BMW 528i Touring auf bescheidenen 17-Zoll-Rädern zum Test antrat. In dieser Konfiguration erweist sich der Comfort-Modus als beste Wahl, selbst wenn der Fahrer spontan beschließt, Kurvenkombinationen flott zu durchwedeln, statt schnöde zu durchfahren. Somit folgt auch der BMW 5er Touring dem Trend, es allen recht machen zu wollen – was ihm auch gelingt. Das hohe Gewicht: Hier hätte der Fortschritt noch ein bisschen was zu tun.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-02-14

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