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Testbericht

3. November 2017
Das Schlendern über Parkplätze ist sicher nicht der größte Freizeitspaß seit Erfindung der Poolnudel. Aber es macht klüger – zumindest wenn man die Augen offen hält. Denn seit einigen Jahren mischen sich unter die Vans, SUV und Kombis zunehmend Autos, die eigentlich zu elegant für Limousinen sind, aber andererseits zu viertürig, um lupenreine Coupés zu sein.Und diese flachen Viertürer à la BMW 4er Gran Coupé werden immer mehr. Denn sie sind so dosiert coupéhaft gemacht, dass sie familienkompatible Vernunft und unlimousinige Eleganz charmant vereinen.Begonnen hat diese Bewegung 2004 mit dem Mercedes CLS, dem 2008 dann als erster Nachahmer der VW Passat CC folgte. Der ist mittlerweile Geschichte, bleibt aber nicht ohne Modellnachfolger.

„Arteon“ oder: Die Eleganz des VW CC ist zurück
Mit dem Arteon kehrt die Eleganz des CC zurück auf die Straße, in allen Dimensionen gestreckt und mit einem autoritär gezeichneten Bug, der Ambitionen spüren lässt. Ja, dieser VW möchte erobern und womöglich auch noch den einen oder anderen Käufer abholen, der dem bis zum leisen Ende weit unter Wert gehandelten Phaeton eine Träne nachweint.So kommt es, dass der Arteon, der gegenüber dem früheren CC in der Länge nur um sechs, im Radstand aber um 13 Zentimeter zulegte, seinen Münchener Konkurrenten fast zierlich aussehen lässt: Der Neue aus Wolfsburg überragt das Gran Coupé der 4er-Reihe um gut 20 Zentimeter und wirkt selbst dann erheblich mächtiger und massiger, wenn er nicht auf großen 20-Zöllern für 1.130 Euro steht wie unser Testwagen. Diese Größe hat natürlich auch Folgen im Innenraum. Kurz gesagt: Der Arteon beeindruckt vorn und speziell hinten mit einer Raumfülle, die der BMW nicht bieten, sondern allenfalls mit einer coupétypischen Intimität kontern kann. Hinzu kommt im Fond des Bayern der eindeutig schlechtere Sitzkomfort auf harten, wenig körpergerecht gepolsterten Sitzen. Anders sieht es vorn aus: Die Sportsitze des BMW (550 Euro) integrieren perfekt und positionieren den Fahrer stimmig hinter Lenkrad und Pedalerie, während der VW ins Hochparterre bittet: Auf seinen belüftbaren Komfortsitzen mit Massagefunktion für den Fahrer (1.570 Euro) thront man hoch und wenig eingebunden wie in einem VW Passat.Das kann Coupé-Freunde ebenso abtörnen wie die Cockpitgestaltung, die Ambiente-Bemühungen wie den durchgehenden Lüftungsausströmern zum Trotz betont nüchtern und limousinig ausfällt. Als trauriger Tiefpunkt des Arteon muss wohl das Head-up-Display für 565 Euro gelten. Es besteht aus einer ausklappbaren Plexiglasscheibe, die man in einem Kompaktwagen akzeptieren mag, nicht aber in einem auf Luxus getrimmten Coupé, dessen Grundpreis mit dem getesteten Topdieselmotor immerhin bei 51.600 Euro liegt.

Großer Fahrspaß im BMW 430d xDrive Gran Coupé
Aber gemach. Der BMW, angetreten in der Luxury Line, die zum Beispiel serienmäßig Leder enthält und manche Extras vergünstigt, kostet ja mit 59.800 Euro noch erheblich mehr. In Sachen Verarbeitung oder Materialqualität auffällig besser ist der BMW deswegen allerdings nicht.Aber da war doch was! Richtig: Sechs Zylinder und drei Liter Hubraum finden sich zwischen den Vorderrädern, während der VW mit vier Zylindern und zwei Litern auskommen muss. Da leuchten die Augen der Inline-Six-Freunde, und was die Leistungsentfaltung angeht, leuchten sie zu Recht: Wie der große Motor anpackt, wie er hochdreht und wie er den 4er beschleunigt, ist schlicht eine feine Sache. Da kommt der 18 PS schwächere und um 60 Newtonmeter weniger drehmomentgewaltige Arteon einfach nicht mit. Obwohl beide dank Allradantrieb ohne Antriebsschlupf starten, nimmt der BMW dem VW bis 100 km/h schon eine glatte Sekunde ab, und von 100 bis 200 km/h distanziert er ihn um exakt fünf Sekunden.Mehr Hubraum, verteilt auf mehr Zylinder, ist also durchaus noch spür- und messbar. Vor allem, wenn der Motor mit einer so souverän agierenden Automatik zusammenspielt wie im BMW. Die acht Gänge flauschen einfach weicher und auch passgenauer rein als die sieben doppelgekuppelten Gänge des VW, die bei dynamischer Fahrt schon mal etwas länger brauchen, um sich nach Kurven zu sortieren.Ähnlich ungewohnt ist, dass der per Wählhebel-Sidestep annoncierte Sport-Modus des VW ein schnöder manueller Modus ist (den wahren Sport-Modus muss man etwas umständlicher wählen oder individuell konfigurieren). Im BMW führt das Umlegen des Wählhebels auch zu Sport: weiteres Ausdrehen, willigeres Zurückschalten, längeres Ganghalten – schlicht mehr Freude am Fahren.Und was kostet der BMW-Spaß an der Zapfsäule? Downsizing-Verfechter müssen nun stark sein: Maximal 0,4 Liter mehr auf 100 Kilometer – so unsere Verbrauchsmessungen – genehmigt sich der BMW. Wer darin auch eine Kulturabgabe für seidigen Sechszylinderlauf sieht, macht sich aber etwas vor. Nur deutlich jenseits von 4.000 Umdrehungen leistet sich der VW stärkere Schwingungen und klingt etwas trötiger. Bis dahin läuft er ebenso geschmeidig wie der Reihensechser-Diesel aus München, der sein feines Timbre gegen ein raues Knurren getauscht hat. Bei schneller Fahrt produziert der 430d zudem höhere Windgeräusche.

Der Spaß kommt nicht zu kurz
Umso erfreulicher ist, dass der BMW nach wie vor Freude an Kurven hat. Einfach so gefahren, lässt er den Fahrer in Ruhe und macht schlicht, was der möchte. Kommen Ambitionen ins Spiel und die Lust an Querbeschleunigung, exakt getroffenen Bremspunkten und idealen Linien, spielt der 4er sehr willig mit, obgleich er sich schon nach schwerem Auto anfühlt und seine variable Sportlenkung (250 Euro) schlechter rückmeldet als die Arteon-Lenkung.Der wankt zwar stärker und lässt sich etwas früher ins Untersteuern treiben, aber kaum abschütteln. VW hat hier ein betont fahraktives, für diese Größe unerwartet agiles Auto auf die Räder gestellt, das trotz der etwas schlechteren Zeiten bei Slalom- und Ausweichtests großen Fahrspaß vermitteln kann. Bei den Bremswegmessungen zeigt der Arteon allerdings erhebliche Defizite bei Ausgangsgeschwindigkeiten von 130 km/h und mehr.Bestenfalls Mittelmaß sind die zwei Coupés beim Federungskomfort. Auf gepflegten Straßen zeigen sich beide zwar ausgewogen, ja sogar geschmeidig und langstreckentauglich. Doch trotz adaptiver Dämpfer (Serie beim Arteon, 710 Euro Aufpreis beim 4er) schwächeln sie beim Langsamfahrkomfort mit – vor allem beim VW – schroffem Anfedern und stolprigem Abrollen und hörbarem Achspoltern. Der Arteon zeigt zudem auch noch heftiges Karosseriewippen wegen einer im Comfort-Modus unterdämpften Vorderachs-Zugstufe.Etwas geschmeidiger dürfte sich mancher Käufer sein familientaugliches Coupé daher wohl wünschen – und mit Verstelldämpfern sollte das auch technisch realisierbar sein. Unabhängig davon ist VW der Arteon-Coup gut geglückt. Nicht zuletzt wegen erheblich mehr Assistenz und des niedrigeren Preises setzt der sich vor das 4er Gran Coupé.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2017-11-03

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