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Testbericht

16. Januar 2016
Wen interessiert schon, was die Zukunft bringt, wenn uns die Gegenwart etwas so Schönes wie das neue Mercedes-Coupé beschert? Keine viertürige Limousine mit flachem Dach à la CLS oder gar einen Fließheck-SUV wie das GLE Coupé, sondern eine elegante Alternative zur Limousine mit langer Ahnenreihe begehrter Klassiker. In der Mittelklasse ist Mercedes nun sogar mit zwei ähnlich großen Modellen vertreten, denn parallel zum neuen C- bleibt auch das gut 5.000 Euro teurere E-Coupé auf Basis der früheren C-Klasse weiter im Programm.Abgesehen vom etwas kleineren Kofferraumvolumen (400 statt 450 Liter) und vom Verzicht auf voll versenkbare Seitenscheiben ohne Mittelpfosten ist das jüngere zugleich das attraktivere Auto, wirkt mit seiner gestreckten, fließenden Seitenlinie und dem rundlichen Heck viel dynamischer und schlüssiger. Und um den formvollendeten Auftritt geht es ja schließlich bei diesen Autos, um die Freude am Anschauen und am Genießen, um den Triumph der Ästhetik über den Nutzwert und um die Lust am Fahren mit allen Sinnen.

BMW 428i verspricht das besondere Fahrerlebnis
Da kommt fast zwangsläufig der BMW 4er als Coupé zum ins Spiel, der sein Versprechen auf ein besonderes Fahrerlebnis mit der höheren Baureihenziffer sowie einer modifizierten Vorderachse samt größerer Spurweite unterfüttert. Und wie beim Mercedes sinken mit der Dachhöhe auch der Schwerpunkt des Wagens und die Position des Fahrers. Man sitzt jeweils sportlich tief, was aber besonders beim Mercedes C-Coupé wegen der integrierten Kopfstützen und der kleinen Fondscheiben wenig Sicht nach hinten verheißt.Also blicken wir lieber nach vorn auf das hochwertige, fast unverändert aus der Limousine übernommene Cockpit, richten uns in den bequemen Komfortsitzen ein und warten auf den Gurt, der anders als im BMW jedoch nur gegen 262 Euro Aufpreis automatisch heransurrt. Immerhin fährt der Vordersitz beim Vorklappen der Lehne elektrisch nach vorn, um den beschwerlichen Einstieg nach hinten ein wenig zu erleichtern. Wirklich einladend sind die kurzen Einzelsitze allerdings nicht, weil die Lehnen zu steil stehen und es an Kopf- und Kniefreiheit mangelt.

Mercedes C 300 Coupé punktet mit feinem Fahrkomfort
Im geräumigeren 4er-Fond fühlen sich Erwachsene deutlich besser aufgehoben, auch vorne wirkt er luftiger, aber weder individueller noch hochwertiger als ein 3er. Vor allem die einfachen Kunststoffe und das knisternde Cockpit enttäuschen, während es an Funktionalität und Bedienung wenig auszusetzen gibt. Im C-Coupé sind eher die verschachtelten Menüs sowie das Nebeneinander von Controller, Touchpad und Lenkradtasten suboptimal, doch das Interieur fasst und fühlt sich wirklich wie ein Mercedes an.Das gilt erst recht für den Komfort, zumindest wenn die optionale Luftfederung Airmatic (1.416 Euro) an Bord ist. Sie absorbiert lange Wellen sehr gut und kurze nur etwas trockener, wo der trotz Adaptivfahrwerk (1.100 Euro) nicht ganz so geschmeidige BMW 428i auf größere Anregungen schon ziemlich stößig reagiert. Im Gegenzug fährt er sich handlicher und agiler, lässt sich mit seiner Sportlenkung (250 Euro) ungemein präzise und gefühlvoll auf Kurs halten.Der ruhiger einlenkende Mercedes bleibt zwar locker dran und selbst in kniffligen Passagen auf Tuchfühlung, dürfte jedoch mehr Rückmeldung geben. Andererseits erfordert seine konservativere Fahrwerks- und ESP-Abstimmung weniger Korrekturen als der BMW, der bei Lastwechseln in Kurven schon mal zum Übersteuern neigt. Sein quasi mitlenkendes Heck ist für Sportfahrer ein Traum und lässt sich gezielt zum Verkleinern des Kurvenradius einsetzen, sorgt aber bei Unbedarften kurzzeitig für Irritation.

Turbo statt Hubraum
Gleiches könnte bereits beim Start des Motors passieren, denn trotz des großvolumigen Hubraumversprechens steht die Typziffer 428i nur für einen Zweiliter-Vierzylinder. Dank Turboaufladung muss man weder auf Leistung und Durchzugskraft noch auf Drehfreude verzichten, aber die unvergleichliche Laufkultur und Geschmeidigkeit eines Reihensechszylinders kann er eben nicht bieten. Immerhin schafft es ein digitaler Soundgenerator, den Insassen über die HiFi-Anlage je nach Drehzahl und Last zwei zusätzliche Zylinder vorzugaukeln.So kommt dann doch noch Freude am engagierten Antrieb auf, zumal die optionale Achtgang-Sportautomatik (2.350 Euro) routiniert und trefflich die Übersetzung wechselt und der Benzinverbrauch stets leicht unter dem des konzeptionell ähnlichen Mercedes-Triebwerks liegt. Denn auch beim Mercedes C 300 Coupé steht die einst hoch noble Ziffer neuerdings für einen Vierzylinder-Turbo mit gleicher Leistung und etwas mehr Drehmoment als beim BMW 428i, was sich jedoch nicht spürbar auf Temperament und Durchzug auswirkt.

Mercedes C 300 Coupé bevorzugt die entspannte Gangart
Im direkten Vergleich wirkt der Zweiliter-Direkteinspritzer sogar etwas zaghafter, klingt stets eine Spur rauer und harmoniert nicht so perfekt mit der serienmäßigen Siebenstufenautomatik, die bei forcierter Gangart nach einer Gedenksekunde umso hektischer runterschaltet. Da lässt man es lieber entspannter angehen und genießt die Kraft als stille Reserve – so wie die enorm zupackenden Bremsen und die teils optionale, aber äußerst umfangreiche Sicherheitsvorsorge. In diesen Punkten erreicht der 4er nicht ganz das gleiche Niveau, zeigt speziell bei den Assistenzsystemen Lücken.Ansonsten schenken sich die beiden wenig, liegen in den getesteten Varianten nicht nur bezüglich Kosten und Ausstattung nahe beieinander. Denn so dicht, wie der Mercedes in puncto Fahrdynamik und Antrieb dem BMW auf den Fersen ist, so gilt dies umgekehrt für die Bereiche Karosserie und Komfort. Und anders als noch vor etwa 20 Jahren kosten die Coupés nicht mehr rund 10.000 Mark Aufpreis, sondern kaum mehr als die Limousinen. So sind auch die drei Punkte Unterschied am Ende eine Petitesse – und fast geschenkt.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-01-16

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