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Testbericht

2. Dezember 2008

So viel vorweg: Bei den Lesern von auto motor und sport hat er einen Stein im Brett. Schon bei der Leserwahl 2005 schaffte es der damals brandneue BMW 3er auf Anhieb aufs Siegerpodest in der Kategorie Mittelklasse. Und dass dieser Erfolg keine Einjahresfliege war, bestätigte sich dann 2006, als die Titelverteidigung mühelos und mit einem noch gesteigerten Stimmenanteil gelang. Auch die Kombi-Variante Touring, die der Limousine ein halbes Jahr später folgte, erfreute sich unter den Kunden in Deutschland schnell eines großen Zuspruchs, so dass sie sich inzwischen mit einem Verkaufsanteil von rund 40 Prozent zum gefragtesten Modell der 3er-Baureihe entwickelt hat.

Auch beim Dauertestwagen, der am 6. September 2006 zum 100.000-Kilometer-Marathon bei auto motor und sport antrat, entschied sich die Redaktion für den Touring. Und für den Allradantrieb x-Drive, den BMW als Option für die leistungsstärkeren Modelle gegen 2.500 Euro Aufpreis bereithält. Der Grundpreis von 38.500 Euro zu Testbeginn erklomm damit bereits die 41.000er-Marke. Für den, der es sich leisten will, ist das aber erst der Start zur verführerischen Reise durch die Aufpreisliste: Extras wie zum Beispiel Navigationssystem, elektrisch verstellbare Ledersitze mit Sitzheizung, Panoramadach, Standheizung, adaptives Xenon-Kurvenlicht sowie Tempomat plus Radar-Abstandsregelung hieven den Testwagenpreis mühelos auf 59.100 Euro.

Und zum Dauertest-Abschluss wäre er sogar 3.270 Euro höher gewesen. Ein günstiges Auto ist der 330xi Touring also beileibe nicht. Entsprechend sind auch die Erwartungen an eine Premium- Qualität. Und da ist der optische Eindruck ein wichtiges Kriterium. Bei der Materialanmutung im Innenraum machte sich zunächst einmal Ernüchterung breit, wie die ersten Einträge im Dauertest-Protokoll zeigen - zumindest beim Vergleich mit dem Vorgängermodell.

Bonanza-Effekt beim Anfahren

Das deckt sich dann auch mit der Meinung etlicher enttäuschter Leser, die darüber klagen, dass schon bald Klapper- und Knistergeräusche das reine Fahrvergnügen stören. Ein besonders neuralgischer Punkt ist hier offenbar das Panoramadach. Kritische Anmerkungen der Tester kommen bald auch aus einer Richtung, aus der man dies zunächst nicht vermutet hätte: Der Dreiliter-Benziner erweist sich zwar als drehfreudig und akustisch ausgesprochen kultiviert, doch die Kritik an seiner Durchzugsschwäche zieht sich wie ein roter Faden durch die Eintragungen. Vor allem im unteren Drehzahlbereich erfüllt er nicht die Erwartungen an einen 258 PS starken Dreiliter-Motor.

Zudem macht sich ein unangenehmer Bonanza-Effekt beim Anfahren bemerkbar, wie Redakteur Christian Bangemann konstatiert. Die Gesamtbilanz bleibt unterm Strich aber dennoch positiv, zumal sich Fahrleistungen und Elastizität des Benziners im Verlauf des Dauertests sogar verbesserten. Anders sieht es bei der Schaltung des Sechsganggetriebes aus. Von Anfang an wird sie als zu schwergängig und hakelig kritisiert, ein Manko, das auch in Leserberichten immer wieder aufscheint. "Ein Ärgernis ist das knorpelige Sechsganggetriebe, bei dem sich mitunter der erste Gang nur unter Protest einlegen lässt", schreibt zum Beispiel Sven Große-Ausber aus Oelde.

In der Werkstatt erntete er nur Achselzucken, und auch beim auto motor und sport-Dauertestwagen konnte die Werkstatt nicht für entscheidende Verbesserung sorgen. Ein metallisches Reiben, das sich beim Schalten allmählich verstärkte, wurde im Zuge der Inspektion bei Kilometer 70.386 allerdings durch Einfetten der Schaltwelle wirksam eingedämmt.

Nur kleinere Malaisen

Abgesehen vom vorgesehenen Ölwechsel, durchgeführt bei Kilometerstand 24.145, blieben dem 330xi im ersten Testjahr zusätzliche Werkstattaufenthalte erspart. Gut 47.000 Kilometer absolvierte er ohne außergewöhnliche Vorkommnisse - bis auf eine Ausnahme: Bereits Wochen zuvor hatte das Zentraldisplay zeitweilig auf eine Störung im Notrufsystem hingewiesen - nicht nur eine Laune der Elektronik, sondern ein Defekt der Telematik-Einheit, wie sich schließlich erweisen sollte.

Als Garantiefall im Rahmen der Inspektion wurde sie dann ausgetauscht. Ein permanenter Kritikpunkt blieb auch die Lenkung, die niemanden wirklich überzeugen konnte. Vor allem im Stand und bei niedrigem Fahrtempo erwies sie sich als zu schwergängig und gefühllos. Und mit abnehmender Profiltiefe der Reifen verstärkte sich dieser Eindruck. Selbst der Austausch der Lenksäule änderte daran nichts, eine Maßnahme, die allerdings einen anderen Grund hatte und bei Kilometerstand 54.870 den einzigen außerplanmäßigen Werkstattbesuch verursachte.

Denn kurz zuvor hatte sich das Lenkradschloss mehrmals als ausgesprochen widerspenstig gezeigt und dem elektronischen Schlüssel eine vermeintliche Blockade signalisiert, worauf dieser dann ab und an den Start verweigerte. Im verbleibenden Testzeitraum verschonte der BMW seine Chauffeure vor unliebsamen Streiks, wenngleich bis zur zweiten großen Inspektion kleinere Malaisen nicht ausblieben, die jeweils als Gewährleistungsfälle behoben wurden. So meldete sich etwa ab Kilometer 80.000 der Motor durch unrunden Leerlauf und verstärktes Ruckeln zu Wort. Erst mit einer Erneuerung der Verstelleinheit für die variable Nockenwellensteuerung konnte diese Unart eingedämmt, jedoch nicht völlig beseitigt werden.

Bronzemedaille für den 3er Touring

Dass noch vor Dauertestende Bremsscheiben und Bremsbeläge zuerst vorn und bald danach auch hinten zu erneuern waren, darf als normaler Verschleiß gewertet werden. Dass nur wenig später Bremsbacken und Federn der Parkbremse nach Überhitzung erneut ersetzt werden mussten, ist eher ungewöhnlich. Angekündigt hatte sich das Malheur zuvor durch verminderte Bremswirkung und einen ungewöhnlich langen Hebelweg. Die genaue Ursache blieb indes im Dunkeln.

Ganz nach oben in der Mängelindex-Hitliste schafft es der BMW mit dieser Bilanz nicht. Dort liegt der Audi A4 weiter in Führung. Immerhin bleibt dem 3er Touring knapp hinter dem Ford Mondeo die Bronzemedaille. Kein schlechtes Ergebnis, doch sollte BMW die Messlatte nach eigenem Selbstverständnis ganz oben anlegen. Denn zu Premium- Preisen erwarten die Kunden auf Dauer auch absolute Qualität und Zuverlässigkeit - natürlich neben der "Freude am Fahren".

Die ließ sich vor allem auf eiligen Dienstreisen, vorwiegend auf Autobahnen absolviert, von den Redakteuren durchaus nachvollziehen. Dabei sorgte der im Testwagen installierte Abstandsregeltempomat (ACC) - Aufpreis 1.180 Euro - für erhöhten Wohlfühlfaktor. Wer sich darauf einstellen kann, das Regulieren von Tempo und Abstand zum Vordermann weitgehend der Elektronik zu überlassen, findet hier einen hilfreichen und vor allem erstaunlich zuverlässigen Assistenten. Lediglich auf zweispurigen Straßen kann es in Kurven ab und an zu Fehlinterpretationen und damit zu unbegründetem Abbremsen kommen, wie Tester Rainer Schubert vermerkt. Dennoch kann der 330xi in der originären BMW-Disziplin nicht wie gewohnt punkten.

Unharmonischer in Kombination mit dem Allradantrieb

In Kombination mit dem Allradantrieb wirkte das Auto weit unharmonischer als ein konventioneller Hecktriebler und zeigte in seinen Fahreigenschaften nicht die gewohnte Ausgewogenheit eines BMW. Auf nassem und rutschigem Untergrund, besonders auf kurvenreichen Passfahrten, bietet der Allradantrieb durch das variable Verteilen der Antriebskraft zwischen den Achsen natürlich ein Plus an Sicherheit. Andererseits schlägt sich x-Drive zweifellos auch im Verbrauch nieder, der sich am Ende auf nicht eben bescheidene 11,7 Liter/100 km im Schnitt einpendelte.

Im Licht der aktuellen Verbrauchsdiskussion ist diese 3er-Variante im Prinzip also nur demjenigen zu empfehlen, der häufig in bergigem Gelände und auf schwierigem Untergrund unterwegs ist, zumal dieser BMW auch in Sachen Abrollkomfort kaum überzeugt. Die Einträge der Testfahrer bewegen sich zwischen "schlechter Federungskomfort", "zu hartes Fahrwerk" und "poltrige Gangart". Zu einem Gutteil geht der ruppige Charakter jedoch auf das Konto der serienmäßigen Bridgestone- Runflat-Reifen.

Wie eine Konstante spiegelt sich die Kritik an diesen Pneus im Übrigen auch in vielen Leserurteilen wider. Das relativ knappe Raumangebot und der beengte Fußraum im Fond wurden hingegen viel seltener kritisiert. Das zeigt: Auch als ladefreundliche Touring-Variante ist der 3er-BMW in erster Linie ein Auto für den Fahrer und für freizeitaktive Paare. Deren Freude am Fahren, so zeigt der Dauertest trotz insgesamt zufriedenstellender Bilanz, lässt sich durchaus noch steigern. Denn auch bei einer Premium-Marke wachsen die Bäume in Sachen Qualität nicht in den Himmel.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2008-12-02

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