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Testbericht

12. Juli 2014
Als der BMW 3er vor knapp 40 Jahren seine Karriere startet, ist die Welt noch übersichtlich: Von Exoten wie dem Baur Cabriolet abgesehen genügt eine Karosserieform, um in acht Jahren 1,4 Millionen Exemplare abzusetzen. Das Rezept, viel Motor auf wenig Auto loszulassen, trifft den Nerv der PS-Gemeinde sofort. Bei der Karosserieform handelt es sich um die inzwischen fast ausgestorbene zweitürige Stufenheck-Limousine, die 1975 niemand Coupé nennt oder für unpraktisch hält. Über einen umgeklappten Vordersitz auf die Fondbank zu klettern, steckt seit dem Käfer im Blut.

Sechste 3er-VarianteInzwischen gibt es den BMW 3er in sechsfacher Ausfertigung, wobei diejenigen Varianten 4er heißen, die mehr fürs Auge denn fürs Maßband gedacht sind. Wie das neue BMW 428i Gran Coupé. Mit vier Türen und einer großen Heckklappe steht es sachlich betrachtet zwischen der Langversion GT, von der es die Heckklappe geerbt hat, und der klassischen BMW 328i Limousine, mit der es sich den Radstand teilt. Allerdings möchte es keinesfalls nur sachlich betrachtet werden. Mit flacherem Dach, breiterer Spur und rahmenlosen Seitenscheiben soll es Herzen und Geldbeutel der BMW-Fans erobern. Schließlich verlangt BMW für den 428i mit Achtgangautomatik rund 3.000 Euro mehr als für eine identisch motorisierte BMW 328i Limousine. Immerhin bringt das 428i Gran Coupé serienmäßig Xenon-Scheinwerfer, eine umklappbare Rückbank und die elektrisch betätigte Heckklappe mit. Unter der befindet sich ein Laderaum, der mit seinen 480 Litern genauso viel Gepäck schluckt wie das Stufenheck, sich durch Umklappen der Rückbank jedoch auf 1.300 Liter erweitern lässt.Gegen Aufpreis klappt die Rückbank der BMW 328i Limousine ebenfalls vor, sperriges Transportgut passt jedoch nicht durch die niedrige Durchlade. Wie sehr BMW inzwischen jeden Cent umdreht, verrät der Stufen-3er mit seiner einfachen Kofferraumauskleidung aus Filz statt Teppich, eingespartem Edelstahlschutz auf der Ladekante und der sparsam kolorierten Innenseite der Kofferraumklappe, die offensichtlich nur kurz Besuch vom Lackierroboter bekommt. Hier gibt sich das Gran Coupé keine Blöße.Dafür geht es im 4er-Fond enger zu: Vor allem die um 45 Millimeter geringere Kopffreiheit zwingt Erwachsene, auf der ohnehin schon kurzen Sitzfläche vorzurutschen, um nicht oben anzustoßen. Mit dem unbequemeren Einstieg und den fehlenden Haltegriffen im Dach wird der BMW 428i seinem Coupé-Zusatz jedenfalls gerecht.

BMW 428i Gran Coupé lenkt leichtfüßigerWomit wir beim Fond-König BMW 328i Gran Turismo wären. Elf Zentimeter mehr Radstand sorgen für oberklassige Beinfreiheit, die höheren Türen für einen bequemen Einstieg. Zudem lässt sich die Rückbank 15-stufig in der Neigung justieren und zum Maximieren des Kofferraumvolumens senkrecht stellen. Schon ohne diesen Kniff schluckt der BMW 328i GT das meiste Gepäck, lässt sich über seine breite Öffnung einfach beladen, macht das Zusatzfach unter dem Kofferraumboden per Gasdruck-Lift zugänglich, während sich Gepäckstücke an verschiebbaren Halterungen festzurren lassen. Obwohl das Armaturenbrett fast unverändert übernommen wurde, sorgt der fünf Zentimeter höher montierte Fahrersitz für eine bessere Übersicht, was vor allem gegenüber dem nach hinten verbauten BMW 428i Gran Coupé auffällt.Größer als gedacht fallen die Unterschiede der drei beim Fahren aus, wobei die reinen Fahrleistungen und Verbrauchswerte kaum Entscheidungshilfen liefern: Der Sprint auf Landstraßentempo bewegt sich im Bereich von drei Zehnteln (6,2 bis 6,5 Sekunden), ebenso der Testkonsum (9,5 bis 9,8 l/100 km). Mit seiner geschmeidigen Abstimmung und langem Radstand federt der BMW 328i Gran Turismo jedoch am komfortabelsten. Auf derben Unebenheiten bietet er selbst beladen noch Reserven, wo die beiden Kurzen auf Block gehen. Der Hochparterre-3er wankt dafür in Kurven stärker und wird bei schnellen Richtungswechseln rigoros vom ESP zurückgepfiffen. Hinzu kommen höhere Windgeräusche auf der Autobahn und die längeren Bremswege.Das BMW 428i Gran Coupé lenkt leichtfüßiger ein, schiebt im Grenzbereich weniger über die Vorderräder und lässt sich dabei problemlos beherrschen. Schlechte Asphaltoberflächen bringen den BMW 4er jedoch aus dem Konzept, mit seinem unruhigen Geradeauslauf fordert er die volle Konzentration des Fahrers. Und die Limousine? Beim ISO-Wedeltest ledert der BMW 328i mit M-Sportpaket seine 72 bzw. 141 Kilo fülligeren Geschwister locker ab, entert Kurven entschlossener, drängt auf Gaspedalbefehle leicht mit dem Heck. Keiner animiert so sehr wie er dazu, die Drehfreude des wuchtigen Zweiliter-Turbos mit 245PS auszukosten und die zackige Achtgang-Wandlerautomatik auf manuell zu stellen. Das Ideal des 3ers verkörpert die Limousine nach wie vor am besten, weshalb sie neben dem BMW 428i Gran Turismo und dem 328i Gran Coupé ebenfalls ein Gran im Namen verdient hätte. Wie wär’s mit Gran Fun?

Guldes Connectivity-CheckDas Infotainment-System im BMW 3er haben wir schon mehrfach getestet, nicht jedoch die clevere Handy-App, "My BMW", mit der sich Fahrzeugfunktionen per Smartphone fernsteuern lassen. Wer nicht mehr weiß, wo er geparkt oder ob er das Auto abgeschlossen hat, kann sich dessen Standort auf Google Maps anzeigen lassen sowie die Türen zu- bzw. aufschließen. Auf großen Parkplätzen hilft die Fernsteuerung von Licht und Hupe beim Wiederfinden. Zudem lassen sich Lüftung und Standheizung (falls vorhanden) aktivieren. Für My BMW sind die Sonderausstattung Connected Drive Services, das Radio Professional oder eine Navi nötig. Die eigentliche App wird kostenlos in den Software-Stores von Apple oder Google heruntergeladen und anschließend von BMW freigeschaltet, was einige Tage dauern kann. Beim Test lief die App sowohl auf dem iPhone 5s als auch einem Samsung Galaxy S5 problemlos, wobei die Übertragung von Hup- oder Lichtbefehlen mit rund 90 Sekunden recht lange dauerte. Zudem ist auch das Auto auf Handy-Empfang angewiesen. Steht es in einer Tiefgarage, lässt es sich prinzipbedingt weder fernsteuern noch orten. Generell bleibt die App unter ihren Möglichkeiten, da viele im Auto abrufbare Informationen (Tankinhalt, Ölund Kilometerstand, Schiebedach offen oder geschlossen) nicht übertragen werden.Wer in einer fremden Stadt schon mal Straße um Straße abgelaufen ist, um sein geparktes Auto wiederzufinden, wird die leicht bedienbare Remote- App lieben. Um den Nutzen zu steigern, darf BMW in Zukunft jedoch gern noch weitere Funktionen integrieren.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-07-12

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