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Testbericht

11. Juli 2011

Erwarten konnte man das Comeback des VW Golf Cabrio nicht gerade. Schließlich hat der Blechdach-Eos dessen Platz proper ausgefüllt - scheinbar. Um so größer ist die Überraschung, dass VW nun doch eine Lücke für ein Golf Cabrio aufgespürt hat; eines mit Stoffverdeck, so wie früher. Oder fast. Denn anders als in den beiden Vorfahren des VW Golf Cabrio genießt man heute Bügelfreiheit samt Oben-ohne-Sinnesreiz. Der erfreut Passanten am Straßenrand ästhetisch, und auf der Rückbank Sitzende haben kein Brett vor dem Kopf. Ein Konkurrent mehr. Das lässt die Spaß-Cabrios Mini Cooper S und BMW 1er nicht gerade jubeln, zumal ihnen der Golf im Cabrio-Pelz derzeit die Show stiehlt. Frisch auf dem Markt, wird das VW Golf Cabrio von der Straße neugierig empfangen und sein Fahrer ausgefragt.

Testkandidat VW Golf Cabrio1.4 TSI mit 160 PS Hier der Fakten-Rap: drei Motoren zur Wahl, ab 23.625 Euro, als 1.4 TSI mit 160 PS und Direktschaltgetriebe, mindestens 27.875 Euro teuer. Die Golf-Dimensionen liegen eher auf 1er- als auf Mini-Niveau, das Gewicht ebenso; etwa zehn Zentimeter misst der VW Golf weniger als der BMW und wiegt ähnlich viel. Das BMW 1er Cabrio ist fünf Zentner schwerer und 63 Zentimeter länger als der Mini Cooper S, überragt beide Konkurrenten als 120i Cabrio außerdem preislich deutlich (BMW 1er Cabrio: 33.200, Mini Cooper S Cabrio: 27.750 Euro). Als Alleinstellungsmerkmal bietet der BMW 1er Hinterradantrieb, den BMW beim Nachfolger aus Kostengründen auf die Streichliste setzt. Noch aber reiben sich sensorische Feingeister angesichts der von Antriebseinflüssen unbeschwerten Lenkung erwartungsfroh die Fingerkuppen. Beim gemütlichen Dahinrollen fällt zunächst aber auf, dass das BMW 1er Cabrio seit der letzten Überarbeitung jegliche Härte verloren hat und einen ausgeglichenen Federungskomfort bar jeder Pseudo-Sportlichkeit bietet. Das BMW 1er Cabrio positioniert sich als gestandenes Mannsbild, liegt satt auf der Straße, wirkt unerschütterlich massiv. Angesichts der klassischen Proportionen scheint es geradezu, als sei der offene Zustand die wesensgemäße Bestimmung der 1er-Baureihe. Mini Cooper S Cabrio - Sonnendeck auf Rädern Das Schicksal des Mini Cooper S Cabrio: Der Mini gilt als Frauenversteher. Dabei ist er tatsächlich ein rollendes Sonnendeck, was vor allem an seiner traditionell steil stehenden Frontscheibe liegt. Turbulenzen sind Teil des Reizes, und die Erlebnisintensität im Mini Cooper S Cabrio ist hoch – positiv wie negativ. Wer es schafft, sich in den Fond des Mini Cooper S Cabrio zu winden, kommt sich vor wie auf der Folterbank – die Beine werden von den Vordersitzen in die Mangel genommen und die Haare jenseits des Stadt-Tempos vom Orkan. De facto ist das Mini Cooper S Cabrio ein Zweisitzer, hinter dessen Vordersitzen sich ein Frischluft-Abteil mit Gurten zum Festzurren von Gepäck befindet, das nicht in den absurd kleinen Kofferraum des Mini Cooper S Cabrio passt. Eine Mitfahrgelegenheit im VW Golf Cabrio muss man dagegen nicht ausschlagen, selbst wenn sie den Fond betrifft. Zwar zieht es auch hier beim Offenfahren, doch das Platzangebot im VW Golf Cabrio ist ordentlich. Per Seitenscheiben lässt sich der Luftstrom vorne feinfühlig dosieren, das aufpreispflichtige Windschott wird höchstens bei schnellen Autobahn-Reisen zum Einsatz kommen.

Verdeck des Mini ist gleichzeitig Schiebedach VW Golf, Mini Cooper S und BMW 1er rauschen in eleganten Gewebekapuzen durch den Sommerregen, lassen sie bei Sonnenschein von elektrohydraulischer Zauberhand im Verdeckkasten verschwinden. Das Mini Cooper S Cabrio braucht dafür am längsten, kennt aber einen Trick: Es kann sein Verdeck auch wie ein Schiebedach zurückschieben. Zwar falten die Motoren die Stofflagen sauber, finden aber keine Truhe, um das Paket zu verstauen – es türmt sich auf dem Heck des Mini Cooper S Cabrio auf und verstellt beim Blick zurück die Sicht. Erstaunlich gut lässt sich dagegen das VW Golf Cabrio überblicken, offen wie geschlossen. Zudem zieht er sich am schnellsten die Kappe vom Kopf, braucht hierfür rekordverdächtige neun Sekunden. Das BMW 1er Cabrio schafft diese Übung sogar bei Stadt-Tempo, wohingegen Fahrer des Mini Cooper S Cabrio und VW Golf Cabrio den Dach-Modus nur in der 30 km/h-Zone ändern dürfen. Im VW Golf Cabrio ist stilles Frohsein angesagt. Man sitzt am bequemsten im geräumigsten, komfortabelsten sowie leisesten Umfeld und weiß, dass man sich unter allen Situationen auf die Abgeklärtheit von Fahrwerk und Bremsen verlassen kann. Auch offen verliert das VW Golf Cabrio kaum etwas von seiner Praktikabilität, bietet unaufgeregtes Frischluft-Vergnügen, ruht mit Gelassenheit in sich, wirkt nach einem stressigen Arbeitstag wie Wellness. Golf Cabrio gemütlicher unterwegs als Mini und BMW 1er Darüber, dass das VW Golf Cabrio etwas gemütlicher als die Konkurrenten einlenkt, sieht man gerne hinweg – immer wenn die Straßen schlechter werden, was man im äußerst schluckfreudigen VW Golf Cabrio zur Kenntnis nimmt, im BMW 1er Cabrio benennt und im Mini Cooper S Cabrio entrüstet kommentiert. Dort fällt auch auf, dass der Mini Cooper S als Cabrio nicht ganz so steif wie die geschlossene Version ist und Antriebseinflüsse in der Lenkung landen. Positiv ausgedrückt: Wo Golf und Einser gleichgültig dahinströmen, ist im Mini Cooper S Cabrio immer was los – und meist für gute Laune gesorgt. Das liegt weniger am albernen Riesen-Tacho samt Bedien-Komplikationen, als vielmehr am präzisen, anmachenden Handling. Kurve anvisieren, einlenken, herausbeschleunigen, das Ganze untermalt mit einem harzigen Auspuff-Knurren – das alles macht die Nachteile des Mini Cooper S Cabrio schnell vergessen und erklärt den Erfolg.

Unzuverlässiges Start-Stopp-System im Mini Cooper S Wie bei keinem anderen Kleinwagen sehen Sympathisanten beim Mini Cooper S Cabrio über Unzulänglichkeiten hinweg. Etwa das Start-Stopp-System. Zwar spart es an Ampeln und im Stop-and-go-Verkehr Kraftstoff, agiert aber so unbeholfen, dass zuweilen der Motor beim gleichzeitigen Wiederanlaufen und Losfahren abstirbt. Gelegentlich verweigert das Mini Cooper S Cabrio sogar komplett den Dienst, so dass der Fahrer den Motor neu starten muss. Dennoch zeigt es Wirkung. Das Mini Cooper S Cabrio fällt mit dem geringsten Durchschnittsverbrauch auf – trotz bester Fahrleistungen. Erstaunlicherweise ist das deutlich schwerere VW Golf Cabrio ähnlich sparsam, darüber hinaus läuft sein aufgeladener 1.4-Liter ausgesprochen ruhig. Angesichts von 160 PS muss er sich beim Beschleunigen aber ungewöhnlich bemühen. Auf Zack ist nur das optionale Doppelkupplungsgetriebe des VW Golf Cabrio, welches die sieben Gänge mit ungewöhnlicher Treffsicherheit und Geschwindigkeit sortiert. Knorpeliges Schaltgetriebe im BMW 1er Cabrio Bei den Schaltgetrieben der Konkurrenten fällt die Exaktheit des Mini Cooper S Cabrio positiv und die Knorpeligkeit des BMW 1er Cabrio negativ auf. Letzteres braucht übrigens über einen halben Liter mehr auf 100 Kilometer als der Volkswagen – trotz Start-Stopp mit Bremsenergie-Rückgewinnung. Überhaupt bietet der Zweiliter im BMW 1er Cabrio keinen Grund für Überschwang; 170 PS wecken eine Erwartungshaltung, die der Saugmotor nicht erfüllen kann. Er wirkt schlapp und kommt nur verhalten auf Touren. Von der Euphorie des Mini-Vierzylinders ist das BMW 1er Cabrio viele Kurbelwellen-Umdrehungen entfernt. Den Griff zu einer stärkeren Motorisierung wird man sich aber angesichts der sehr hohen 1er-Preise gut überlegen, zumal BMW eine Klimaanlage im BMW 1er Cabrio nur optional liefert. Der Premium-Fangemeinde wird hier große Loyalität abverlangt. Um einiges billiger ist das Mini Cabrio, als Cooper S auch ungleich besser ausgestattet. Doch selbst der deutliche Gewinn im Kostenkapitel verbessert am Ende die Platzierung nicht. Das Mini Cooper S Cabrio ist zwar die beste Wahl für Windgesichter, wird aber trotzdem Letzter – zu wenig geräumig, zu unkomfortabel. Wie man Vergleichstests gewinnt, zeigt das VW Golf Cabrio. Es ist vielseitig wie ein Leatherman, taugt sogar als Alltagsauto für vierköpfige Familien, bietet unkomplizierten Offenfahrspaß. Ein Comeback nach Maß.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-07-11

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