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Testbericht

26. Juli 2012

Sascha Hehn war leider zu früh dran für das VW Golf GTI Cabrio - er, der Sonnyboy des Schwarzwaldklinik-Glottertales. Markenzeichen: der elegante Sprung über die Türbrüstung seines weißen VW Golf Cabrios. Gänsehaut? Nun, so waren sie halt, die Achtziger. Als das Golf Cabrio einen Bügel und auch mal eine GLI-Version hatte, aber keinen GTI. Die Zeiten haben sich geändert: Sascha Hehn praktiziert nicht mehr, der offene VW verzichtet auf den Henkel, lockt dafür mit stimmiger GTI-Folklore und einem turbogeladenen Zweiliter-Vierzylinder, der 210 PS an die Vorderräder schickt. Zweiliter-Vierzylinder, Turbolader, Vorderradantrieb? Beim BMW 125i Cabrio der ersten Generation mag es ja allerhand geben, aber so etwas kommt ihm nicht unters Blech. Jedenfalls nicht mehr in diesem Modell, dem Gralshüter des Reihensechszylinder-Saugers, jenem Denkmal, das die Strategen bei neuen Modellen herzlos vom Sockel stoßen, auf dem Altar von CO2-Reduktion und NEFZ-Optimierung opfern.

VW Golf GTI Cabrio ist in neun Sekunden oben ohne Schluss mit Klagen, optimieren wir lieber unseren eigenen CO2-Konsum. Rein in die beiden Viersitzer und Verdecke auf. Spriegel-Geklemme ist passé, bei VW und BMW läuft es elektrohydraulisch wie von selbst. Das VW Golf GTI Cabrio ist in neun Sekunden oben ohne - schneller als manche Wörthersee-Nixe. Der BMW lässt sich mehr Zeit (22 Sekunden), dafür läuft die Nummer bis 40 km/h (beim VW bis 30 km/h). Praktisch für alle, die noch den letzten Augenblick vorm Schauer auskosten wollen. Wer möchte es ihnen verdenken? Schließlich rettet das BMW 1er Cabrio mit seiner nicht zu flachen Frontscheibe klassisches Cabrio-Gefühl in eine Zeit, in der ein Unterschied zwischen offen und geschlossen fahren bisweilen nur noch von außen zu erkennen ist. Das VW Golf Cabrio tendiert zwar in die Softie-Richtung, doch die flachere Frontscheibe steht ihm so gut, dass selbst Kenner auf tiefgreifendere Karosserie-Operationen tippen. Ecken und Kanten? Darauf versteht man sich anderswo besser als in Wolfsburg. Auch das VW Golf GTI Cabrio schmiegt sich wieder an wie eine Lieblingsjeans - nicht nur wegen der famosen Sportsitze mit Karomuster (Serie, ach was: Pflicht). Die Bedienung ist gelernt und bis auf das manchmal umständliche Infotainment mit Touchscreen vorbildlich, Ablagenangebot und Benehmen sind tadellos.

BMW 125i Cabrio mit intensivem Old-School-Aroma Nix mit wilder Hund, der GTI geht immer noch als Schwiegermuttis Liebling durch, nur dass er an seinem Punch gearbeitet hat. Der Sprint auf 100 ist nach 7,5 Sekunden abgehakt, in Kurven verbünden sich das Fahrwerk mit Multilenkerhinterachse, die elektromechnische Lenkung und je nach Fahrsituation auch die elektronische Differenzialsperren-Simulation zu einem flotten Ganzen. Vorbei die Duelle Frontscharrer gegen Heckschleuder. Heute untersteuert so ein BMW 1er erstmal, bevor er sich übers Neutrale mit viel Überredung per Gaspedal zur Heck-Aktivität überreden lässt. Das war zu Schwarzwaldklinikzeiten noch anders - damals, als wir uns die Nasen am BMW-Schaufenster plattdrückten im Angesicht eines 325i Cabrio, delphingrau, Leder schwarz, 170 PS. Ein Traum, der in Gestalt des ähnlich proportionierten BMW 125i Cabrio irgendwie weiterlebt. Klar ist: Seit dem Erscheinen der zweiten 1er-Generation entfaltet das quasi übriggebliebene Cabrio noch intensiveres Old-School-Aroma. Wer bei diesem Reihensechszylinder anfängt, ingenieursmäßig herumzuargumentieren (schlechterer Füllungsgrad als Turbo, höhere mechanische Reibung als Zweiliter etc.) oder die Elastizitätsmesswerte herzlos mit denen des VW Golf GTI vergleicht, hat dieses Triebwerk einfach nicht verdient. Dafür alle, denen ein Motor nicht längs genug montiert werden kann, die bremsende Öko-Modi bei einem starken Dreiliter für absurd und Turbolader für unnötige Atemspende halten. Sie preisen den sämigen Antritt des BMW 125i Cabrio, der mit seiner harmonischen Leistungsentfaltung und Sechszylinder-Melodie zum zügigen Luftschnappen einlädt - ohne Lenkungszerren.

VW Golf GTI Cabrio kommt in Kurven sofort zur Sache Dennoch: Respekt an die VW-Leute, denen es gelang, Antriebseinflüsse weitgehend mechanisch zu verringern und den Rest von der Elektronik erledigen zu lassen. Außerdem kommt das sportliche VW Golf GTI Cabrio ohne lähmendes Untersteuern in Kurven sofort zur Sache, bleibt neutral, erreicht stressarm Geschwindigkeiten, die Zarte eher zur Spucktüte als zum Seidenschal greifen lassen. Der Seidenschal ist überhaupt verzichtbar, bei heraufgefahrenen Seitenscheiben kann man sich sogar fast das Windschott sparen. Im BMW 125i Cabrio geht es einen Tick authentischer zu: vorn körpernah, im Fond eng. Dort erhalten Passagiere beim Öffnen und Schließen des Verdecks überdies eine Kopfnuss. Auch sein Fahrwerk stupst etwas trockener, die Karosserie ist zittriger und am Armaturenbrett knarziger als das steifere, relativ komfortable VW Golf GTI Cabrio mit seinen optionalen Adaptivdämpfern. Bis auf trockene Stöße beim Langsamfahren – etwa auf Kanaldeckeln – arbeitet dessen Federung für GTI-Maßstäbe fürsorglich. Passend zum eher soften Charakter mit leichtgängiger Lenkung und flüssig schaltbarem Getriebe, dem der BMW die strammere Lenkung und ein knorpeligeres Schaltgefühl entgegensetzt. Wer genau solchen Charakter verlangt und ausstattungsbereinigt fast 10.000 Euro mehr anlegen kann, darf getrost zum BMW 125i Cabrio greifen. Objektiv spricht aber mehr für den gut ausgestatteten, ausgewogen-dynamischen Freiluft-GTI.

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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-07-26

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