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Testbericht

21. Juni 2016
Nur mal so zur richtigen Einordnung: Ein Mulsanne kostet mindestens 297.191 Euro, wiegt in der schlichtesten Version 2.685 kg und erstreckt sich mit normalem Radstand (3.266 mm) auf 5.575 mm. Für seine Fertigung nehmen sich die Spezialisten im britischen Crewe 400 Stunden Zeit – doppelt so viel wie für den kleineren Continental und das Hundertfache von einem modernen Fließband-Auto. Allein 150 davon gehen für das handgefertigte Lederinterieur drauf und – falls gewünscht – weitere 37 für die kontrastierenden Stichnähte, dazu 12 Stunden für das Polieren des Lacks mit Lammwolle. Wenn dem Kunden der Sinn nach ausgefallenen Hölzern mit Intarsien, einem gestickten Familienwappen oder einer versenkbaren Trennscheibe zum Chauffeur steht, kommen eben noch ein paar Tage und schnell mal 100.000 Euro hinzu. Aber Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude, und nicht wenige überbrücken die lange Wartezeit mit regelmäßigen Werksbesuchen, um die Entstehung ihres Unikats vor Ort zu verfolgen. Ja, so ein Auto ist dieser Bentley.

Bentley Mulsanne EWB: Luxus für 1.000
Rund 1.000 Menschen weltweit leisten sich jedes Jahr diesen Luxus, und obwohl es sich ja eigentlich um ein Kunstwerk handelt, nutzen ihn viele Besitzer tagtäglich für lange Reisen und Geschäftsfahrten. Optimalen Komfort erwarten sie deshalb ebenso selbstverständlich wie modernste Technik, und da hat der auch optisch renovierte Mulsanne des Jahrgangs 2017 wieder einiges mehr zu bieten. Vom topaktuellen Infotainment mit 8-Zoll-Touchscreen und zusätzlichem Navi-Display zwischen den beiden Hauptinstrumenten über das optionale Naim-Soundsystem mit 2.000 Watt und 20 Lautsprechern bis hin zu weiteren Fahrerassistenzen reichen die Maßnahmen, nur auf ein Head-up-Display, Spurhaltung und Rundumkamera muss man weiter verzichten. Im Gegenzug machen neugestaltete Sitze sowie unendlich viel Feintuning an Karosserie, Fahrwerk und Reifen (mit Schaumdämmung) das Fahrerlebnis noch entspannter und leiser. Das lauteste Geräusch auf unserer Testfahrt – abgesehen vom fantastischen Klang der Audioanlage – war deshalb weder das Abrollen der gewaltigen 21-Zoll-Reifen noch das Ticken der Uhr, sondern das Schmatzen der Scheibenwischer bei Regen.

Bentley Mulsanne Speed: Mit erhobenem Bug über die 300 km/h-Marke
Allerdings verrichtet auch der großvolumige Biturbo-V8 unter der majestätischen Fronthaube keinesfalls unhörbar seinen Dienst, bildet mit seinem dunklen Grollen einen Klangteppich, der Macht und Autorität verheißt. Und schon beim zartesten Streicheln des Gaspedals liefert. Maximal 512 PS und sagenhafte 1.020 Newtonmeter Drehmoment schickt das Großkolben-Triebwerk über die Achtstufen-Automatik an die Hinterräder und beschleunigt den 2,7-Tonner mit unglaublicher Leichtigkeit in gerade mal 5,2 Sekunden auf 100 km/h. Noch mehr PS (537), Nm (1.100) und Spurtfreude (4,9 s) hat die 323.918 Euro teure Speed-Variante zu bieten, die mit erhobenem Bug sogar die 300 km/h-Marke knackt. Doch trotz dezent sportlicher Attribute wie dunklem Chrom sowie spezieller Alufelgen, Schürzen und Endrohre ist die Limousine über jeden Dynamik-Verdacht erhaben, widersetzt sich ungebührlichen Wedelattacken mit frühzeitigem Untersteuern und ihrer schieren Masse. Dabei lässt sie sich von der leicht erhöhten Warte des Fahrersitzes mit der gefühlvollen Servolenkung erstaunlich handlich und präzise dirigieren, und die neuen Carbon-Keramikbremsen (15.470 Euro) stauchen das Tempo mit brutaler Verzögerung zusammen. Bei der neuen Langversion Extended Wheelbase (ab 351.526 Euro) mit dem Standard-V8 geht es dagegen nicht um Speed, sondern um schieren Luxus. Schon der Zuwachs um 25 Zentimeter kommt voll den Passagieren im Fond zugute, schafft eine natürliche Distanz zum Chauffeur, eine geradezu verschwenderische Beinfreiheit und Raum für zwei First-Class-Liegesitze mit ausfahrbarer Beinauflage. Wenn die elektrischen Vorhänge an Fond- und Heckscheiben das Abteil verdunkeln und sich das Haupt auf der extraweichen Alcantara-Kopfstütze bettet, kann man hier selig schlummern oder den Sternenhimmel durch das große Glasschiebedach vorbeiziehen lassen. Bei Bedarf fahren 10,2-Zoll-Tablets mit je 32 GB Speicherkapazität aus den vorderen Sitzlehnen heraus und vermitteln via WiFi und Bluetooth umfassenden Zugang zur digitalen Welt. Dazu lassen sich aus der durchgehenden Mittelkonsole mit separater Klimabedienung und diversen Staufächern zwei individuell einstellbare Arbeitstische ausklappen und zwischen den Rückenlehnen ein Kühlfach für zwei Champagnerflaschen mit Gläsern installieren.

Unfassbare Detailverliebtheit und Leder bis ins Handschuhfach
Schlanke 9794 Euro extra werden dafür in Rechnung gestellt, weitere 12.423 Euro für die Zweifarb-Lackierung oder 17.719 Euro für das Naim-Soundsystem samt Tablets, und über die normale Optionsliste hinaus erfüllt die Mulliner-Spezialabteilung sogar ausgefallene Sonderwünsche. Doch schon ohne solche Goodies betört das Interieur mit unfassbarer Detailverliebtheit, authentischen Materialien von erlesener Qualität und Verarbeitung sowie der Aura eines handgefertigten Einzelstücks. Schnöder Kunststoff ist nirgends zu entdecken, selbst das Handschuhfach ist mit Echtleder ausgekleidet, aber mit DVD-Spieler und –Wechsler bereits zur Hälfte ausgefüllt. Auch der Kofferraum präsentiert sich eher als etwas größere Schmuckschatulle, fasst mit seinen 443 Litern weniger als der eines Audi A4. Doch das unvergleichliche Flair eines britischen Clubs, liebenswerte Schrullen wie die rechts oben beginnenden Instrumentenskalen und die raumgreifende Fronthaube mit dem geflügelten B voraus können all die normalen, nützlichen Alltagsautos nicht bieten – schon gar nicht den Stoff für Träume. Schön, dass sie sich wenigstens manchmal vor unseren Augen materialisieren und uns neue Nahrung geben.
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Testwertung
5.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-06-21

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