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Testbericht

12. Februar 2012

Das mit dem Ehrgeiz kann manchmal ganz schön nach hinten losgehen. Als Dynamiker wollte Mercedes die B-Klasse etablieren und stattete sie für den Vergleichstest mit Ford C-Max, Nissan Qashqai sowie VW Golf mit einem Sportfahrwerk aus – was sie prompt entscheidende Punkte kostete. Ohne übertriebene Agilitäts-Fantasien, sprich Serienfederung und Serienlenkung, darf sie zu einer Art Revanche antreten: gegen den VW Golf Plus. Statt Fahrdynamik hat die Hochdach-Variante des Wolfsburger Bestsellers vor allem Platz im Kopf, überragt den Normal-Golf um 14 Zentimeter. Außerdem kann man im Fond Stühle rücken. Diesen Hauch von Variabilität bietet die Mercedes B-Klasse auch – gegen 672 Euro Aufpreis. Der Vorgänger gab sogar bereitwillig Rückbank und Beifahrersitz her. Doch Mercedes entschied, dass vanartiger Servilität offensichtlich zu viel Muff anhängt. Ihren höheren Preis rechtfertigt sie eher mit einer Materialanmutung, die dem Golf Plus zeigt, dass er in die Jahre gekommen ist. Schließlich baut der VW noch auf der Plattform der Vorgänger-Generation auf. Zweifelhafte Geschäftspraktik ist es aber, B-Klasse-Kunden, welche die Klimaautomatik bestellen wollen, zwangsweise das Chrom-Paket für 351 Euro aufs Auge zu drücken.

Mercedes B-Klasse bei Sicherheit- und Karosserie vorn Immerhin bietet das Gepäckabteil der Mercedes B-Klasse seine Dienste generös an, und auch der Innenraum beweist Großzügigkeit. Trotz der schlechteren Übersichtlichkeit sowie der kleineren Ablagen reicht es der B-Klasse, das Karosserie-Kapitel für sich zu entscheiden. Gleiches beim Thema Sicherheit: Die Mercedes B-Klasse verzögert einen Hauch nachdrücklicher und hält gegen Aufpreis die schützenden Hände der Spurhalte- und Totwinkel-Assistenten über den Passagieren. Aufmerksamkeits- und Notbrems- Helfer sind Serie. Zudem gibt es oberklassige Optionen wie aktives Kurven- und Fernlicht. Zu bemängeln wäre an dieser Stelle nur der zu komplex gestaltete Bordcomputer, beim VW Golf Plus dagegen der für die reine Bedienung zu hoch positionierte berührungsempfindliche Monitor. Immerhin erschließt sich die Logik des VW-Systems schnell. Weil der Golf Plus in der üppig bestückten Variante Highline antritt, punktet er bei der Ausstattung. Beheizbare Vordersitze, Einparkhilfe, Klimaautomatik, beledertes Lenkrad, Lordosenstütze, Multifunktionsanzeige und 17 Zoll große Räder müssen bei der Mercedes B-Klasse extra bezahlt werden. Dem kann sie wenig entgegensetzen – außer das alleine schon über den höheren Preis zu erwartende Mehr an Exklusivität. Über 30.000 Euro muss investieren, wer den 156 PS starken Mercedes B 200 samt Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe vom Hof fahren möchte.

VW Golf Plus rund 2.000 Euro günstiger Vom vier PS stärkeren, per Kompressor und Turbo doppelt aufgeladenen 1,4-Liter angetrieben, kostet der Golf Plus samt Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe immerhin rund 2.000 Euro weniger. Zudem ist er im Unterhalt etwas günstiger als die Mercedes B-Klasse – vor allem im Falle von Reparaturen. Lediglich bei den Kraftstoffkosten zeigt der Mercedes eine höhere Wirtschaftlichkeit. Sein Vierzylinder-Turbo mit 1,6 Liter Hubraum ist sparsamer, benötigt auf 100 Kilometer im Durchschnitt 0,4 Liter weniger Superbenzin. Anteil an der Genügsamkeit hat sicherlich das serienmäßige Start-Stopp-System, welches das Triebwerk etwa beim Warten an der Ampel abstellt. Bei VW hilft es ausschließlich in den Modellen mit Blue-Motion-Technologie, den innerstädtischen Verbrauch zu senken – beim Testwagen ist es nicht an Bord. Der 1,4-Liter-Motor im Golf Plus fällt dafür in einer anderen Disziplin positiv auf: durch seinen kultivierten Lauf. Anders als frühere Saugmotoren drehen die aufgeladenen Vierzylinder von VW mittlerweile vibrationsarm bis in hohe Drehzahlregionen – und verkneifen sich Dröhnen weitgehend. Rau ist der 1,6-Liter der Mercedes B-Klasse ebenfalls nicht, klingt aber kerniger. Störender als seine sonore Stimme ist allerdings etwas anderes: Beim Schalten in die nächsthöhere Stufe benötigt die Drehzahl häufig einen irritierend langen Moment, bis sie sinkt – das klingt fast so gummibandartig wie bei einem CVT-Getriebe. Die Gangwechsel selbst finden dagegen unauffällig verschliffen statt – von Rucken keine Spur. Wer im Mercedes B 200 untertourig beschleunigen will, erlebt aber nicht den fulminanten Antritt wie im Golf Plus. Dessen Kompressor schaufelt dann bereits fleißig Frischluft in die Brennräume, was sich nach mächtig Hubraum anfühlt. Auf Landstraßen geht es im Volkswagen aber noch lange nicht flotter vorwärts. Gerade wenn es kurvig wird, hinkt der hochbauende Golf hinterher. Er wankt in engen Biegungen stärker, lässt dem Fahrer über die Lenkung weniger Rückmeldung zukommen, fühlt sich nicht so präzise an – fast schon wie ein typischer Van, der er gar nicht ist.

Mercedes B-Klasse wirbelt um die Ecken Die Mercedes B-Klasse dagegen wirbelt so behände um die Ecken, wie man es von einem dynamischen Kompaktwagen erwartet. Von Behäbigkeit keine Spur, ebensowenig von störenden Bewegungen der Karosserie. Das Setup der serienmäßigen Feder-Dämpfer-Abstimmung trifft den stets gesuchten Kompromiss aus willigem Einlenken, hoher Neutralität in Kurven sowie einfacher Beherrschbarkeit nahezu perfekt und ist zu deutlich mehr in der Lage, als ihm die meisten Kunden abverlangen werden. Das Ganze klingt nach einer eher straffen Auslegung, doch weit gefehlt: Bereits auf der Autobahn steckt die kompakte Mercedes B-Klasse kurze wie lange Bodenwellen sauber weg. Richtig in seinem Element ist sie allerdings erst, wenn der Asphalt einer Kraterlandschaft gleicht – je schlechter die Straße wird, um so mehr scheint sich die Federung ins Zeug zu legen. Gefühlt agiert der Mercedes B 200 eine ganze Fahrzeugklasse über dem VW Golf Plus. Unterschiede machen sich auf der Rückbank eklatant bemerkbar: Im Golf erleben die Passagiere sowohl langhubige Aufbau-Bewegungen als auch seitliches Wanken, würden der eben noch in Mercedes B-Klasse absolvierten Strecke nun im VW einen deutlich schlechteren Zustand attestieren. Bei einem kurzen Quercheck zum Ende 2011 absolvierten Vergleich mit dem Golf zeigt sich, dass die B-Klasse mit dem komfortablen Serienfahrwerk realistische Chancen auf den Sieg gehabt hätte. Dieser ist ihr im aktuellen Aufeinandertreffen längst nicht mehr zu nehmen: Den deutlichen Vorsprung aus der Eigenschaftswertung gefährdet auch der klare Verlust des Kostenkapitels nicht. So ist dann auch die Mercedes B-Klasse 1A.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-02-12

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