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Testbericht

18. Oktober 2016
Der Cayenne Diesel selbstzündet zwar auch mit Audi-Power, weil der 4,2-Liter-V8 mit „S“ und 385 PS von der Konzernschwester aus Ingolstadt kommt. Doch im SQ7 hat Audi nachgelegt: Mit einem neuen Achtzylinder-Diesel, der mehr Dampf (435 PS) aus weniger Hubraum holt und dazu mit einer technischen Neuheit aufwartet: dem elektrisch angetriebenen Verdichter, im Audi-Jargon EAV genannt. Der plustert, hinterm Ladeluftkühler angebracht, dann Luft in die Ansaugkanäle der acht Zylinder, wenn den konventionellen Ladern wegen fehlenden Abgasdrucks die Puste ausgeht.

Mit 48-Volt-Netz an Bord
Bis zu sieben kW kann der EAV dabei verschlingen, die kommen vom 48-Volt-Bord-Teilnetz, einer weiteren technischen Neuerung des SQ7. Die aktive Wankstabilisierung ist wegen ihres Strombedarfs ebenfalls auf das 48-V-Netz angewiesen. Doch genug der Erklärungen, schließlich wollen wir den SQ7 mit seinem Konzernbruder Porsche Cayenne S Diesel vergleichen. Beginnen wir also bei den Preisen: Es wird keinen sonderlich überraschen, dass Luxus-SUV dieser Leistungsklasse kaum als Sonderangebote durchgehen. Bei rund 90.000 Euro beginnen die Preislisten der beiden, beim Cayenne immerhin etwa 2Laut Tabelle und dem folgenden Absatz sind es 2.500 – das wären dann rund 2,8 Prozent statt 1,5 (siehe nächste Zeile). Es sei denn, es werden an den verschiedenen Stellen unterschiedliche Ausgangspreise zugrunde gelegt (scheint aber nicht der Fall zu sein).500 Euro tiefer. Nicht dass rund drei Prozent Unterschied da eine große Rolle spielten.Falls Sie sich übrigens wundern, warum der Porsche dann in der Punktetabelle für den günstigeren Preis keine Punkte gutgeschrieben bekommt: Bewertet wird in Vergleichstests der Grundpreis plus den punkterelevanten Sonderausstattungen, die an den jeweiligen Testwagen vorhanden sind, etwa größere Räder, Adaptivfahrwerke, Komfortsitze und dergleichen mehr. Bei diesem Vergleich summieren sich die Aufpreise für Fahrwerke, Bremsen und Räder so, dass sie die rund 2.500 Euro Preisunterschied zwischen SQ7 und Cayenne S Diesel ausgleichen.

Wuchtiger Audi-V8
Das wird die meisten Kunden wenig stören, die ohnehin teuren Power-Diesel werden gern üppig ausgestattet. So verfügt der SQ7-Testwagen auf diesen Seiten über Sonderausstattungen im Wert von rund 50.000 Euro, das nur nebenbei.Wie fahren sie nun also, die beiden preisgleichen Konzernbrüder? Oder anders gefragt: Kann man einen Achtzylinder-Diesel mit 850 Nm Drehmoment noch toppen? Oh ja, und wie! Das Triebwerk des SQ7 ist, sehr zurückhaltend gesagt, eine Wucht, ein Hammer! Wie der Hightech-Selbstzünder den samt Insassen über zweieinhalb Tonnen schweren Audi nach vorn wummert, das hat man so in einem Diesel-SUV noch nicht erlebt. Punkt. Auch nicht im Porsche Cayenne S, der aus größerem Hubraum 50 PS und 50 Nm weniger schöpft. Bis 100 km/h beschleunigt er vier Zehntel langsamer als der Audi, bis 140 km/h ist es bereits eine volle Sekunde. Vier Zehntel schneller ist der SQ7 ebenso, wenn er von 80 auf 120 km/h per Kick-down durchbeschleunigt wird.Das sind nur die Zahlen auf dem Messcomputer, im wahren Leben fühlt es sich eher so an, als wäre man beim Fahrzeugwechsel vom SQ7 in den Cayenne aus Versehen in einen Zweiliter-Diesel-SUV eingestiegen. Okay, das mag übertrieben sein, aber die ansatzlose, zupackende Kraftentfaltung des Audi-Triebwerks ist schwer zu beschreiben, will man sich nicht in alberne Superlative stürzen.Dass sich der Cayenne da keineswegs viel schlechter anstellt, liegt auch daran, dass er über PASM samt Luftfederung und Niveauregulierung verfügt (3.499 Euro). Damit ist er ebenfalls recht komfortabel, feine Wellen und Autobahnfugen bügelt er jedoch bei voller Beladung etwas unsouveräner weg. Was er besser kann als der SQ7, ist bremsen, vor allem aus sehr hohen Geschwindigkeiten.Und die feinfühligere Lenkung sowie das fahrspaßintensivere Fahrwerk hat er zudem an Bord. Der Porsche lässt sich per Lastwechsel zu munteren Heckschwenks animieren, die bei ausgeschalteten Fahrhilfen auch in wilde Drift-Orgien ausarten können. Da ist der Audi viel braver, langweiliger. Was freilich nichts daran ändert, dass es für den Cayenne S Diesel bei diesem Konzernvergleich nur für Platz zwei reicht – mit deutlichem Abstand zum Audi SQ7.

Audi SQ7 und Porsche Cayenne Diesel S mit ähnlichem Verbrauch
Auf den Verbrauch hat das Leistungsvermögen des Audi im Übrigen keine allzu negativen Auswirkungen, beide konsumieren um die zehn Liter – etwas mehr, wenn’s pressiert, weniger, wenn’s gemütlicher zugeht. Die Unterschiede sind vernachlässigbar, meist sind es beim Porsche ein paar Zehntel mehr, trotz seines geringeren Gewichts.Der Porsche ist deutlich zierlicher, beim Fahren ist das jedoch kaum zu merken. Nicht etwa weil er so schwerfällig ist, im Gegenteil, sondern weil der Audi so leichtfüßig auftritt. Sein nicht unerhebliches Mehrgewicht (157 kg) wird durch das große Fahrwerkspaket namens Advanced (5950 Euro) mit Wankstabilisierung, Sportdifferenzial und Allradlenkung beinahe wegkaschiert.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-10-18

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