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Testbericht

17. Januar 2013

Liebe verschneite Supermarktparkplätze, weiß beflockte Pass-Sträßchen, festgefahrene Schneedecken: Ihr müsst Euch etwas gedulden. Mit der neuen Allrad-Version des BMW 335i und seinem Lieblingsrivalen Audi S4 geht’s erst mal nach Hockenheim - minus sechs Grad, Sonne, nahezu trockene Piste. Noch einmal befreit Gas geben, bevor die breiten Sommerwalzen endgültig eingemottet werden. In den x-Drive- und Quattro-Antriebssträngen stecken schließlich jede Menge Finessen für gehobene Unterhaltung auf Asphalt. Zum Beispiel in der Sachskurve. Der Audi S4 peilt sie mit den vollen 333 PS seines Kompressor-V6 an, klickt beim Anbremsen per Fingerschnipp vom Vierten in den Zweiten, um blitzartig einzulenken und aus dem Vielerlei an Quer- und Längskräften einen neutralen Kurvenradius zu zeichnen.

BMW 335i setzt auf elektronisch geregelten Allradantrieb Und das war erst eine Hälfte der Kurve. Wer im Scheitelpunkt aufs Gas steigt, weiß endgültig, warum er 950 Euro extra fürs Sportdifferenzial ausgegeben hat. Seine Lamellenkupplungen lotsen Teile der hinteren Antriebskräfte geschickt ans kurvenäußere Rad und unterdrücken träges Untersteuern im Ansatz. Der Audi S4 zieht stoisch seine Bahn, setzt auf Wunsch gar zu einem sanften Heckschwenk an, der selbst von wenig geübten Fahrern leicht zu kontrollieren ist. Bisher nur mit Lenkaufgaben betraut, darf die Vorderachse im BMW 335i jetzt auch antreiben und so dem Audi S4 das Leben schwerer machen. Die einstigen Heckantriebs-Prediger haben ihren x-Drive inzwischen auf 68 Modelle bis runter zum 1er ausgerollt. Warum? Weil’s einfach Laune macht. Anders als beim Audi mit seinem mechanisch sperrenden Torsen-C-Mittendifferenzial setzt BMW auf eine elektronisch geregelte Lamellenkupplung, die den Achsen je nach Fahrzustand völlig frei zwischen null und 100 Prozent der Kraft zuteilt. Mit 306 PS fällt der turbogeladene Reihensechszylinder etwas schwächer aus, was der BMW durch enorme Drehfreude bis 7.000/min und rund 100 Kilo weniger Gewicht wettmacht. Auf der Geraden bleibt er daher locker dran, im verwinkelten Motodrom muss er sich jedoch strecken.

Audi S4 längt zackiger ums Eck Wo der Audi S4 noch leichtfüßig Haken schlägt, schiebt der BMW 335i über die Vorderräder und neigt sich mehr zur Seite. Selbst durch vollen Leistungseinsatz lässt sich sein Heck kaum zum Mitlenken überreden. Im Gegensatz zum Vorgänger-Modell arbeitet die 3er-Lenkung inzwischen jedoch ebenso feinfühlig und präzise wie die der Hecktriebler. Trotz doppelflutiger Twinscroll-Ansteuerung spricht der BMW-Turbo nicht ganz so direkt an wie der Audi-Kompressor, lässt sich die geschmeidige Achtstufen-Automatik einen Tick länger Zeit mit der Zahnradlieferung als das Siebengang-DSG. Szenenwechsel, Schwäbische Alb. Je glatter die Straßen, desto geringer werden die Antriebs-Unterschiede. Auf schneebedeckten Nebenwegen ist der ruhige 335i ebenso leicht kontrollierbar wie der zackige S4. Zudem beeindruckt die unglaubliche Traktion. Gute Winterreifen vorausgesetzt, schaufeln sich beide noch aus Schneewehen frei, die ihnen bis knapp unters Nummernschild reichen. Das Alles-wird-gut-Gefühl stützen standfeste Bremsen, Assistenz- sowie Luxus-Optionen auf Oberklasse-Niveau und ein toller Federungskomfort. Der straffere Audi liegt bei langen Wellen stabiler, während die Adaptivdämpfer im BMW kurze Stöße besser verdauen.

Audi S4 setzt sich nur hauchdünn durch Gering auch die Unterschiede im Karosseriebereich. Trotz Sportwagen-Fahrleistungen transportieren die Allradler vier Erwachsene überaus kommod, erledigen mit bequemen Sitzen und großen Gepäckräumen anstandslos den Alltag – kaum zu glauben, dass die Hersteller jeweils noch zwei größere Limousinen-Baureihen im Programm haben. Während der Audi S4 mit besserer Materialqualität überzeugt, lässt sich der BMW intuitiver bedienen. Den knappen Sieg des Audi kann er jedoch weder über den geringeren Verbrauch noch mit seinem niedrigeren Grundpreis verhindern. Ausstattungsbereinigt kommt der Audi S4 sogar günstiger. Genug gerechnet und verglichen, die frische Schneedecke will schließlich genutzt werden. Sind wir nicht vorhin an diesem unberührten Parkplatz vorbeigekommen?

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-01-17

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