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Testbericht

19. November 2016
Fiel Ihnen auch schon auf, dass alle Welt unheilbar in SUV vernarrt ist? Schütteln Sie darüber verständnislos den Kopf – weil doch eigentlich der Kombi die klügere Wahl für Transportaufgaben ist? Jaja, wir haben verstanden. Sie und ich, wir sind eben Auto-Gourmets. Und diesen Vergleichstest hier, den schreibe ich einfach für uns. Er handelt vom Audi S4 Avant und vom BMW 340i xDrive Touring.Beide bieten ähnlich viel Laderaum. Der BMW ist einen Hauch funktionaler, denn seine Heckscheibe lässt sich getrennt öffnen. Doch das ist nicht der Punkt – beide gehören zu den schnellsten Transportern auf deutschen Straßen. Sie sind wahre Auto-Feinkost und exklusiv bis in die Stückzahlen; denn die Masse hat sich längst vom Kombi abgewendet, verschmäht ihn.Wir aber halten zu ihm, weil wir seine Qualitäten schätzen, sein dezentes Auftreten, sein Allzweckkönnen. Die Langform für „Kombi“, „Kombinationskraftwagen“, lässt sich hier wörtlich nehmen: Beide Wagen kombinieren diverse Nutzungsmöglichkeiten mit der schieren Kraft ihres Antriebs. S4 Avant und 340i xDrive Touring im Speziellen haben dicke Turbo-Sechszylinder unter der Haube, und diese leiten ihre enorme Kraft an alle vier Räder weiter.

Wölfe im Schafspelz
In diesen Auto-Delikatessen ist man weitgehend inkognito unterwegs. Einfach ohne Typenschild ordern, und die Mehrheit der Bevölkerung sieht vor allem im 340i xDrive Touring schlicht einen Mittelklasse-Kombi. Nur Kenner werden hellhörig und den BMW an seinem Klang erkennen. 340i? Ja, so hoch hat es der 3er mittlerweile geschafft.Mit dem Facelift kam ein neuer Sechszylinder für das Topmodell unterhalb des M3 mit 2.998 statt 2.979 Kubikzentimetern, 326 PS statt 306 sowie 450 Newtonmetern statt 400. Also von allem ein wenig mehr; das rechtfertigt offensichtlich in den Augen von BMW dieses Hochstapeln beim Namen, der natürlich einen Vierliter erwarten lässt.Doch solange die Entwickler so herrliche, drehfreudige Seidentriebwerke konstruieren dürfen, ist es uns schnurzegal, unter welchem Namen diese dem Kunden schmackhaft gemacht werden. Das ginge übrigens am besten mit einer Sounddatei, als Werbung verschickt. Einmal abgespielt, schon hängt der Gourmet zappelnd am Haken. Denn dieser Klang geht unter die Haut – wohltemperierte Reihensechser-Musik.Sie werden es mittlerweile bei Audi gewohnt sein, dass ihre V6-Fanfaren nicht ganz so enthusiastisch beschrieben werden. Der Motor läuft eben weniger kultiviert, dreht weniger frenetisch, trompetet aber durchaus musikalisch. Und zwar dann, wenn der Fahrer Kick-down gibt und sich daraufhin die Auspuffklappen öffnen. Oder aber, auch das ist schließlich reizvoll, man säuselt mit dezentem Sechszylinder-Bass über lange Strecken dahin. Hier zeigt sich wieder, wie ambivalent ein sportlicher Kombi unterwegs sein kann.Der Audi-Dreiliter wird ebenso von einem Turbo aufgeblasen, er gibt seine Kraft an eine Wandlerautomatik weiter, und diese schickt sie an alle vier Räder. Auf Wunsch über das sogenannte Sportdifferenzial (1.350 Euro) an die Hinterachse. Elektronisch gesteuert, lässt es sich über den Drive-Select-Taster in der Wirkung beeinflussen. Und zwar gehörig: Diese Option macht den S4 auf Wunsch heckagil.Links und rechts vom Differenzial laufen zwei um zehn Prozent höher übersetzt drehende Sonnenräder samt Hohlrad, welche über eine Lamellenkupplung beaufschlagt werden können. Schließt die Kupplung, dreht sich das Rad um zehn Prozent schneller – und es drückt den S4 in die Kurve. Das Ganze funktioniert am eindrucksvollsten, wenn man im Scheitelpunkt kräftig aufs Gas geht. Vergessen sind die Zeiten, als Quattro-Audi im Grenzbereich hilflos über die Vorderräder schoben. Im Dynamik-Modus fühlt sich der S4 verdächtig nach reinem Hinterradantrieb an.Der BMW hat eigentlich Hinterradantrieb, selbst als xDrive. Dann allerdings transferiert eine Nebenwelle seitlich am Getriebe entlang Antriebsmoment zu den Vorderrädern, falls die elektronisch geregelte Lamellenkupplung das befiehlt. Also falls im Heck Traktionsmangel herrscht. Tendenzen zum Untersteuern soll begegnet werden, indem bis zu 100 Prozent an der Hinterachse bleiben.Doch so fühlt sich das nicht an. Leider. xDrive steht bei BMW für ein vorbildlich neutrales Kurvenverhalten mit Tendenz zum Untersteuern, was auf Schnee oder Nässe besten Vortrieb beschert, auf Trockenheit aber nicht die erhoffte Agilität. Das kostet Punkte beim Fahrspaß. Wer seinen Dreier über das Gaspedal positionieren will, muss die reine Hinterradantriebs-Version bestellen.

Audi mit viel Sicherheitsausstattung
An den Fahrdynamikwerten des 340i xDrive gibt es nichts auszusetzen; was er beim Slalom langsamer als der S4 ist, holt er beim doppelten Spurwechsel wieder auf – gerade hier, beim simulierten schnellen Ausweichen, liegt der BMW vorbildlich ruhig. Der Audi dagegen drängt mit dem Heck, muss mit Gegenlenken korrigiert werden, erhält deshalb Punktabzug bei der Fahrsicherheit. Anders ausgedrückt: Was auf der Landstraße mit engen Kurven richtig Laune macht, kann in Notsituationen bei deutlich höherem Tempo zu Schreckmomenten führen.Glücklicherweise lässt die Lenkung den Fahrer dabei nicht im Ungewissen, bietet mehr Rückmeldung als bei früheren A4-Modellen, wirkt auf der Autobahn aber etwas nervöser und erreicht immer noch nicht die Präzision eines Dreier. Bei diesem stört alleine das etwas wulstige Lenkrad, das vor allem im Sportmodus nach kräftig zupackenden Händen verlangt.Davon abgesehen geht der BMW seinem Fahrer subtil zur Hand, verlangt nicht nach langer Einarbeitung. Die unterschwellig gesendete Botschaft: Ich richte mich an Fahrer und nicht an Infotainment-Nerds – wenngleich der Dreier beim Thema Multimedia keinen Deut hinter dem S4 zurücksteht, sich sogar einfacher bedienen lässt. Er kokettiert nur weniger mit der digitalen Welt als der Audi. Der hat die Nase wieder einmal bei der Verarbeitung vorn – vor allem bei der wahrgenommenen Qualität.Einen vermeidbaren Lapsus erlaubt sich Audi allerdings bei den Sportsitzen. Die Lehnen sind für Sitzriesen viel zu kurz, deren Kopf ragt weit über die integrierte Stütze hinaus. Davon abgesehen pumpt der Hersteller aus Ingolstadt sein sportliches Modell mit Sicherheitsausrüstung voll. Seitliche Airbags hinten und Spurhalteassistent mit Lenkeingriff bietet BMW beispielsweise gar nicht für den Dreier an. Das kostet viele Punkte und damit die Eigenschaftswertung. Hier merkt man deutlich, dass der S4 die neuere Entwicklung ist – auch übrigens beim Federungskomfort, der besser ist als beim Vorgängermodell.

Fast gleicher Verbrauch
Aus dem Rennen wäre der BMW deshalb noch nicht; die Punktedifferenz ließe sich im Kostenkapitel aufholen – zumal hier auch der Verbrauch eine Rolle spielt. Doch bei ähnlich schweren und ähnlich starken Modellen unterscheidet sich die Sprit-Effizienz nicht wesentlich. Obwohl der Audi-Sechszylinder 50 Nm mehr liefert und 39 Kilogramm mehr Gewicht stemmen muss, benötigt er sogar ein Zehntel weniger auf 100 Kilometer. Und obwohl der BMW selbst in der M-Sport-Ausstattung günstiger als der Audi ist, hier entsprechend Punkte sammelt, bleibt er mit leichtem Abstand Zweiter.Ein Fall für Gourmets ist der starke 3er dennoch: alleine wegen seines Motors. Allerdings dämpft der Allradantrieb den Fahrspaß mehr, als ihn anzufachen. Beim Audi zeigt sich das Phänomen interessanterweise umgekehrt.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-11-19

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