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Testbericht

13. September 2015
So Sie vielleicht bereits etwas älter sind, und schon länger Automobilzeitschriften lesen, fällt es Ihnen womöglich schwer, das Folgende zu glauben: Das erste BMW-M3-Cabrio erschien vor 27 Jahren, der damalige Tester Eckhard Eybl fuhr den Neuen für automotorundsport, ein Cabrio mit 200PS war damals eine Sensation. "Der Motor", schrieb er, "streut Drehmoment in den Wind."Die Begeisterung ist verständlich, Ähnliches hatten damals allenfalls Porsche und Ferrari im Programm. Und bei Audi dachte schon gar keiner daran, dem ebenfalls 200PS starken Quattro das Dach abzusägen und ihn in ein Sport-Cabriolet zu verwandeln. Und bevor Sie jetzt laut Treser rufen, ja, ich weiß, das war ein Roadster mit Quattro-Technik. Heute haben Audi RS 5 und BMW M4 weit über 400PS, und superstarke, sportliche Offenfahrautos gehören bei jedem der großen Premium-Anbieter zum Portfolio.

Der Audi ist das teurere Auto
Der M3 der Generation E30 ohne Dach kostete damals übrigens genau 88.500 Mark, womit er etwas billiger war als ein offener Elfer. Die Relation gilt auch heute noch, BMW M4 und Audi RS 5 kosten jeweils weniger als ein aktuelles 911-Cabrio, mit deutlichen Vorteilen für den BMW M4: Er ist ab 78.200 Euro zu haben, der Testwagenpreis liegt allerdings einiges höher: 112.170 Euro, wovon ein Teil (3.900 Euro) dem Doppelkupplungsgetriebe zuzuschreiben ist, das beim Audi RS 5serienmäßig kommt. Den BMW M4 gibt es für Nostalgiker und Schalt-Erotiker auch noch mit manueller Sechserbox.Der Audi RS 5 kostet ab Werk 89.900 Euro, mit den Extras des Testwagens sind es am Ende der Liste 113.485 Euro, womit beide dann doch dicht beisammen sind. Am Geld wird's also nicht liegen, schön wär's, wenn die Entscheidung, ob es eher der BMW M4 oder doch der Audi RS 5 sein soll, so leicht fiele. Vergessen wir also erst mal die vielen PS, schließlich sind die beiden ja Cabrios – und bereits in dieser Disziplin von völlig unterschiedlichem Naturell.

Welches Dach gewinnt?
BMW baut auch bei dieser Generation aufs feste Klappdach, bei Audi darf es das klassische und – nach Meinung mancher – feinere Stoffdach sein. Nun werden die wenigsten Audi RS 5- oder BMW M4-Interessenten notorische Laternenparker sein, womit ein Nachteil des Audi- Verdecks obsolet wird. Weitere Nachteile? Gibt es kaum. Ja doch, die breite C-Säule (heißt die bei Cabrios noch so?), die schränkt beim RS 5 die Sicht nach hinten doch ein.Übersichtlicher ist mit geschlossenem Dach der BMW M4, doch damit hätten wir gleichzeitig den wesentlichen Vorzug der BMW-Dachkonstruktion abgehakt. Denn um den kleinen Kofferraum bei offenem Dach zu beladen, muss das ganze Verdeck-Sandwich angehoben werden. Und beim Öffnen vollführt es eine komplexe Choreografie. Dass es jedes Mal wieder unbeschädigt aus den Tiefen des Kofferraums auftaucht, ist fast schon ein Wunder. Beim Audi RS 5 geht die Prozedur nicht nur etwas fixer, sie funktioniert sogar bis 50km/h und sieht nicht so aus, als käme gleich ein Transformer-Roboter aus dem Kofferraum.Das alles ist wenig überraschend, erstaunlicher ist dagegen, dass das Audi-Softtop auch akustisch angenehmer ist. Die Pfeiftöne, die das BMW-Dach bei höheren Geschwindigkeiten produziert, schenkt es sich, flattert dafür etwas im Wind, doch störend ist das kaum.Der Audi RS 5 ist also das bessere Cabrio? Da ist was dran, im RS 5 sitzen die Insassen wie in einer kleinen Burg, gut vor Wind und niedrigen Temperaturen geschützt und insgesamt etwas heimeliger als im BMW M4. In dem wirbelt der Fahrtwind etwas heftiger, die widrigen Elemente bleiben nicht so betont draußen. Das kann man ja mögen, allen anderen sei das Ankreuzen der Position "Nackenwärmer, 400 Euro" im Bestellformular empfohlen.

Der RS 5 ist komfortabler
Bevor wir es vergessen: Der Audi RS 5 ist zudem das besser federnde Auto. Komfortsänften sind beide nicht, doch insgesamt gibt sich der RS 5 eine Spur geschmeidiger, poltert nicht ganz so unverschämt über die Straßen wie der BMW M4. Beide kommen auf 19-Zöllern zum Test, der BMW M4 auf Michelin Pilot Super Sport, der Audi RS 5 auf Toyo Proxes T1. Adaptivfahrwerke haben ebenfalls beide, RS-Sportfahrwerk mit Dynamic Ride plus (1.950 Euro) im Audi RS 5 und das M-Fahrwerk für 1.900 Euro im BMW M4.Wenn es jedoch nur ums Offenfahren ginge, hätte es in beiden Fällen das gleiche Auto zur Hälfte des Preises mit Zweiliter-Diesel gegeben, hier geht es um mehr, und bei beiden reicht dafür schon ein kurzer Druck auf den Startknopf. Bei Audi rasselt der V8 los, etwas verhaltener als der BMW, der bereits beim Kaltstart etwas großspurig auftönt. Einem BMW mit großen M verzeiht man das, und es klingt ja nicht schlecht, was da aus dem Auspufftrakt trompetet. Grund zur Unbescheidenheit hat der BMW M4 ohnehin: Mit 431PS aus einem Biturbo-Reihensechser kann man mal auftrumpfen. Im Audi RS 5 dient noch der bewährte Hochdrehzahl-V8, hier mit 450PS bei 8.500 Umdrehungen. Sauger gegen Turbo also, ein Blick auf die Drehmomentwerte deutet an, warum auch hier der Sauger auf dem Rückzug ist: 430Nm stemmt der RS 5-Achtzylinder, 550Nm sind es beim BMW-Turbo.

Der BMW hat mehr Dampf
Das ist im normalen Fahrbetrieb bei so starken Motoren eigentlich nebensächlich, doch wenn es wirklich mal flotter vorangehen soll, zeigt der M4-Antrieb seine Vorzüge. Er hat bereits Kraft aus dem Drehzahlkeller, wenn der Audi-V8 noch Luft holt und sich aus dem Tief hochwirbelt. Jaja, das ist schon eine Freude mit dem V8, so gierig, ansatzlos und, tja, vauachtig wie er eben loslegt. Aber der BMW M4 kann objektiv gesehen alles mindestens ebenso gut. Die Fahrleistungen sind zwar nur jenen Hauch besser, der fast noch als Messtoleranz durchginge, doch es fühlt sich einfach schneller an.Ohnehin ist der BMW M4 eher das Auto für uns Spielkinder. Sein Doppelkupplungsgetriebe führt sich im Sportmodus gern etwas ungezo gen auf, knallt die Gänge ziemlich vehement rein, beim Zurückschalten zwischengast und bollert er hinten raus und macht überhaupt keinen Hehl daraus, dass er gern ein wenig unvernünftig ist.Das fällt dem Audi RS 5 etwas schwerer, er tritt braver auf. Das muss kein Nachteil sein, es ist auch hier eine Frage des Naturells. Wie unterschiedlich die beiden wirklich sind, zeigt sich erst recht beim schnelleren Fahren auf und abseits der Rennstrecke. Da ist der BMW M4 fast immer vorn.

Der BMW M4 ist der Schnellere
Das zeigt sich nicht nur in den fixeren Rundenzeiten auf dem kleinen Kurs in Hockenheim, sondern vor allem darin, dass die fast spielerisch zustande kommen. Neutral und zielgenau lenkt er ein, kein Hauch von Untersteuern, man muss es schon sehr übertreiben, damit der BMW M4 seinen Kurs verlässt, auch weil er den Piloten hinterm Lenkrad nie über die Reaktionen im Unklaren lässt.Da tut man sich im Audi RS 5 schon etwas schwerer, er wirkt kopflastiger, zeigt beim Einlenken spürbares Untersteuern, trotz der meist hecklastigen Momentverteilung seines Allradantriebs. Anders als die meisten seiner allradgetriebenen Audi-Brüder hat der RS 5 ja kein Torsen-, sondern ein Kronenraddifferenzial in der Mitte, welches das Antriebsmoment schneller zwischen Vorder- und Hinterachse variieren kann. Dass sich der Audi dennoch etwas behäbiger anfühlt, liegt auch an den ausgeprägteren Karosseriebewegungen und der weniger mitteilsamen Lenkung, die nicht so exakt und feinfühlig agiert wie die im BMW M4.

Der BMW bremst den Audi aus
Beide kamen übrigens mit optionalen Keramikbremsen zum Test, wobei wieder einmal der BMW M4 den besseren Eindruck hinterlässt. Er weist die kürzeren Bremswege auf und zeigt sich insgesamt standfester. Wobei sich hier mal wieder physikalische Grenzen auftun: Selbst Keramikbremsen müssen sich mit fast zwei Tonnen schweren Autos im Renntempo eben doch erstaunlich anstrengen, beim Audi RS 5 ist das deutlicher, auch weil er rund 130 kg schwerer ist als der BMW M4. Das immerhin war vor 27 Jahren besser: Der M3 von 1988 wog immerhin 1.388 kg. Allerdings benötigte er über 40 Meter, um aus 100km/h zum Stehen zu kommen. Noch Fragen?
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-09-13

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