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Testbericht

11. Mai 2018
Sie zählen zu den härtesten Kämpfen des Lebens, ausgetragen von Angesicht zu Angesicht, Mann gegen Mann. Nun ja, eher Männchen gegen Männchen. Der Ort: das Klassenzimmer. Oder der Pausenhof. Sechs Zylinder? Sticht. Mist. Zwei Turbolader? Sticht. Jetzt aber: 450 PS. Ha. Der Audi RS 4 geht in Führung, der BMW Alpina B3 kommt in der neuen S-Variante auf 440 PS. Ja, sie existieren noch. Ja, auch die Kraftkombis mit Allrad, aber vor allem Autoquartette. In erstaunlicher Vielfalt sogar (siehe www.ravensburger.com). Und sie drehen sich noch nicht um die Anzahl verbauter Steuergeräte, das Level des autonomen Fahrens oder die Fülle der Assistenzsysteme. Wobei der Audi in letzter Disziplin ziemlich lässig am BMW Alpina vorbeizöge. Doch auch in den quartett- und test-relevanten Eigenschaften zieht der RS 4 ein Ass nach dem anderen aus dem Ärmel seiner Lodenjacke (heißt Sonomagrün, kostet 900 Euro).

Rein in den Kombi-Janker
Der 2,9-Liter-V6 des RS 4 wirft sich am Start den 1.820 Kilogramm schweren Kombi-Janker über und schießt dann launchkontrolliert in 3,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Zwei Gangwechsel benötigt die im Vergleich zum B3 S kürzer übersetzte Achtstufenautomatik dafür, jedesmal blafft der V6 dabei kurz aus den mächtigen ovalen Endrohren. Dass sich der Alpina diese kleine Showeinlage verkneift, kostet ihn bestimmt nicht jene drei Zehntelsekunden Rückstand. Vielmehr inszeniert er Leistung völlig anders, feiert Kraft auf eigene Art und Weise.Während das Audi-Aggregat seinem Verbrennungsprinzip die Ehre erweist und bereits bei 1.900 Umdrehungen sein maximales Drehmoment von 600 Newtonmetern auf den Antriebsstrang plumpsen lässt, streicht der auf dem BMW-N55-Triebwerk basierende Alpina-Sechszylinder gleichmäßig eine dicke Schicht Drehmoment-Butter aufs Brot. Okay, 660 Nm bei 3.000/min klingen auch nicht nach Hochdrehzahlkonzept, doch der Dreilitermotor hält dieses Niveau bis 4.500/min, bevor er bis kurz vor 7.000 Umdrehungen weiterfeiert. Das fühlt sich schon eher nach druckvollem Saugmotor an, zumal der Heiße-Seite-innen-RS-4-Motor jenseits von 5.000 Umdrehungen nicht mehr ganz so leidenschaftlich dreht.Tja, überhaupt, die Leidenschaft, sie sieht nur wenig Sonne gegen die Effizienz, mit der das Audi-Triebwerk Leistung produziert. Klang? Ja, auch, irgendwie, irgendeinen. Er irrlichtert zwischen V8, V6 und R5 umher. Grollend, tief, obenheraus hämmernd, aber nie so konstant heiser und rau bassend bis trompetend wie der Alpina, der übrigens weniger vibrationsarm läuft als erwartet. Ja, er sieht den Audi zusehends entschwinden, bis 200 km/h brummt der ihm sieben Zehntelsekunden auf (14,4 zu 15,1 s).In den Fahrdynamik-Disziplinen sieht es zunächst nicht viel besser aus, doch bald stellt sich heraus, dass den BMW sein unnötig grobes ESP einbremst. Mit deaktivierter Regelelektronik hält ihn auch 34 Kilogramm Mehrgewicht nicht davon ab, mit dem RS 4 gleichzuziehen – sowohl beim Slalom als auch beim doppelten Spurwechsel. Sticht.Speziell die nahezu ausgelichene Gewichtsverteilung hilft ihm hier, beschert ihm zusammen mit den serienmäßigen 20-Zoll-Rädern ein neutrales, sicheres Fahrverhalten. Beim Audi lasten hingegen über 56 Prozent der Gesamtmasse auf der Vorderachse, doch sein spurverbreitertes und wankstabilisiertes DRC-Fahrwerk (optional) vermittelt ein Gefühl, als spreize sich der gesamte Kombi über alle vier Räder in jede Kurve wie eine Spinne. Mit sehr dicken Beinen. Übrigens: Der RS 4 rollt hier ebenfalls auf 20-Zoll-Rädern (Serie: 19 Zoll).

Eine Frage der Kehre
Im Dynamic-Modus jedenfalls kannst du ihn geradezu unverschämt in Kurven werfen, mit ihm sogar per Lastwechsel ein bisschen tänzeln. Und jetzt: rauf aufs Gas. Ohne zu zucken, ohne zu schwänzeln, geht’s gen Horizont, der Asphalt schleudert in Fetzen nach hinten weg, klatscht verdattert am Wegesrand auf. Ein Allradantrieb (mechanisches Mittendifferenzial mit einer Kraftverteilung von 40 zu 60 Prozent plus optionalem aktiven Hinterachsdifferenzial), der Traktion als Frage der Ehre versteht.Der des BMW Alpina etwa nicht? Nein. Gut so. Der Touring, bei dem schon der Motor etwas anderes vorgibt, stellt sich die Kurve an sich lieber als hinterradgetriebenes Fahrzeug vor. Eines mit ganz viel Grip, auch dank des optionalen Sperrdifferenzials. Ein Oldschool-Assistenzsystem sozusagen. Wie sich der Alpina überhaupt einigen schönen Traditionen verpflichtet fühlt.Der, den Fahrer tief auf ergonomisch perfekten Sportsitzen zu integrieren, beispielsweise. Und jener, ihm eine Lenkung zu reichen, die eine erhebliche Anzahl an Informationen über Fahrbahnbeschaffenheit und Lenkwinkel mitteilt. Und dazu eben jenes ausbalancierte Fahrverhalten, das beim Anklopfen an die Haftgrenze der Reifen ins Übersteuern – Achtung, Kalauer – abdriftet. Inakzeptabel dagegen: der erschreckend lange Bremspedalweg bis zum Druckpunkt.Bei aller Agilität bewahrt sich der B3 S dafür noch genug Federungskomfort, spricht straff, aber verlässlich auf Bodenunebenheiten an, lässt erst bei kurzen Wellen und Querfugen den harten Burschen raushängen. Die Varianz zwischen Komfort- und Sport-Modus bleibt indes überschaubar.Im Audi fällt der Unterschied größer aus. Aber besser? Nun – nein. Dazu stören die ausgeprägten Kicks, mit der die Hinterachse auf langen Wellen die Insassen zu unterhalten gedenkt. Im Dynamic-Modus fehlen sie, aber auch der Federungskomfort an sich. Doch das passt zur Optik: dicke Backen, dicke Endrohre, dicke Räder, echte Härte. Was nicht passt: die zu hohe Sitzposition sowie die immer noch zu diffuse Lenkung. Sie arbeitet jetzt zwar angenehm linear, aber zu leichtgängig und nicht transparent genug. Die anderen Modi verdienen keine Erwähnung.Da schaust du dir lieber die grünen Ziernähte im perfekt verarbeiteten, klasse gemachten Interieur an. Der Alpina hält Haptik dagegen wohl für ein indisches Gewürz, knarzt zudem aus dem Armaturenbrett. Seine Stärke: das ehrliche Fahrerlebnis, vom Fahrwerk bis zum Motor. Im teuflisch schnellen Audi gibt es das erst dann, wenn du ihn scharf stellst. Dann holt sich der RS 4 aber auch die meisten Stiche. Und wem das alles zu hart sein sollte: Es gibt auch ein Pferdequartett. Und eines mit Katzen.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2018-05-11

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