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Testbericht

29. Dezember 2015
Bevor das hier richtig losgeht mit dem ich-weiß-nicht-wievielten Kampf um die Kompaktklassen-Krone, müssen wir noch zwei Sachen klären, aufklären vielleicht sogar, aber zumindest erklären. Stein des Anstoßes ist das letzte Duell zwischen Audi RS 3 Sportback und einem 45er von AMG - ein CLA war es damals -, aufgrund dessen es gleich von allen Seiten auf uns eingeprasselt ist. Die eine Seite, also die Mercedes-Fraktion, giftete damals - merklich angefressen ob der Niederlage -, warum wir die 360-PS-Version in den Test genommen hätten. Parteiisch seien wir, nicht sportauto, sondern sport audi, und ja sowieso alle gekauft. Antwort: Nö. Der einzige Grund, weshalb die modellgepflegte Fassung seinerzeit noch nicht ran durfte, ist ein - wie ich meine - ziemlich einleuchtender: Es gab sie noch nicht. Das heißt: Natürlich existierten schon welche, die mussten aber auf irgendwelchen Galas rumstehen, für Werbeaufnahmen posieren, diese Dinge - testen jedenfalls darf man sie erst jetzt. Okay? Fein.Das war die eine Sache. Die andere: die mauen Bremswerte des Audi RS 3 Sportback, derentwegen wiederum die Audianer Sturm liefen: 37,3 Meter aus 100, das könne nicht sein, hieß es damals aus Neckarsulm, überall sonst erreiche er Werte um 34 Meter, "nur bei Euch …" Na ja, also haben wir alles noch mal auseinanderklamüsert, haben telefonkonferiert intern, mit Audi, mit dem Hersteller der Messtechnik. Woran es letztlich gelegen hat? Keiner weiß es. Fest steht nur: dass der CLA 45 dieselben Bedingungen hatte - und klaglos klarkam damit.

Minimale Gewichtsvorteile für den AMG im Rückspiel
Doch das war gestern. Heute steigt nun das Rückspiel: die Möglichkeit zur Revanche für AMG oder die zweite Chance für den Audi - je nachdem, aus welcher Perspektive Sie es sehen. Die Vorzeichen sind grundsätzlich dieselben wie beim letzten Mal: Beide treiben über Hang-on-Allradsysteme an, beide arrangieren sieben Gänge per Doppelkupplung - nur startet der Mercedes nun von der besseren Ausgangsposition. Das liegt zum einen am jüngsten Leistungs-Push für den Zweiliter-Vierzylinder, zum anderen daran, dass er jetzt im klassischen Kompaktformat anstatt als Quasi-Kombi antritt. Ob das nun besser zur Sportback-Karosserie des Audi passt? Kann man so und so sehen.Fest steht nur: Es verhilft dem Mercedes AMG A 45 nun zu einem zarten Gewichtsvorteil von 12 Kilogramm, der bei rund 1,6 Tonnen insgesamt aber auch nicht die große Rolle spielt. Zumal deren Verteilung immer noch eine äußerst ungünstige ist. Eine verblüffend ungünstige. Denn obwohl Audi dem RS 3 einen vergleichsweise üppigen Fünfzylinder in die Schnauze zwängt, belastet die zierlicher motorisierte A-Klasse ihre Vorderachse deutlich stärker - um 2,6 Prozent oder 34 Kilo, um genau zu sein. Und daran vermochten ganz offensichtlich auch die Modellpfleger auf die Schnelle nichts zu ändern.

A 45 auf Performance gedrillt
Ansonsten haben sie ihren Job aber richtig gut gemacht. Vor allem weil sie endlich diesen rappelkistigen Gesamteindruck rausbekommen haben. Bisher fühlte sich der Mercedes AMG A 45 immer dünnwandig an, spröde, knisterte im Mobiliar, rüpelte über Querfugen - jetzt wirkt er solide, wie aus einem Guss, auch wenn er dieses Audi-Paradoxon aus Härte und Samtigkeit noch immer nicht ganz hinbekommt. Verweichlichung wird ihm dennoch keiner vorwerfen. Schon weil bis auf die neue zweistufige Adaptivdämpfung alles, aber wirklich alles ausschließlich in Richtung Performance geht: die nun optional angebotenen Semislicks ebenso wie die mechanische Vorderachssperre für mehr Biss am Kurvenausgang. Bravo! Das Problem: Beide Komponenten sind beim Testwagen nicht verbaut. Ersteres fehlt aus Gründen der Fairness, Letzteres aus nicht nachvollziehbaren.Die ganz großen Unterschiede zum Vorgänger sind dementsprechend nicht herauszufühlen - weder fahrdynamisch noch emotional. Am Anfang dreht man vielleicht noch ein bisschen an den neuen Fahrprogrammen herum, dann stellt sich das gewohnte A-45-Feeling ein: der leicht blecherne Unterton im Hochdrehen, das Auspuffrotzeln beim Hoch-, das Knallgefröschel beim Runterschalten und die extrem definierte Rückmeldung im Fahrwerk. Kurzum: Alles bleibt unrasiert, rabaukiger als in jedem anderen Benz derzeit, aber eben wie gehabt.Immerhin schafft die Messtechnik Abgrenzung: Kürzere Getriebeübersetzung, 21PS und 25Nm mehr - eine 4,2 im Standardsprint soll damit drin sein. Und auch wenn das am Ende nicht ganz rauskommt, knöpft der Mercedes AMG A 45 seinem Vorgänger bis hundert 0,4, bis zwohundert sogar 1,3 Sekunden ab. Noch wichtiger: Diesmal macht der Allradantrieb die Launch-Control-Starts klaglos mit. Zweimal, dreimal - keine Fehlermeldung, kein Schutzmechanismus. Die Ursache? Liegt wohl im Hinterachsgetriebe. Es wurde für das gestiegene Drehmoment verstärkt und reagiert dadurch nicht mehr ganz so zimperlich auf die anstrengende Startprozedur.

Bayrisches Sprinter außer Konkurrenz
Durchhaltevermögen hin oder her, gegen diesen Audi RS 3 Sportback ist im Sprint aktuell einfach kein Kraut gewachsen. Er startet nicht, er schnalzt vom Fleck - so, als hätte man ihn mit einer Zwille am Horizont verspannt. Los und weg. Nominell liegt er zwar zurück: um 14PS, 10Nm und zwei Zehntel im Leistungsgewicht, trotzdem häuft er bis 200 eine glatte Sekunde Vorsprung an. Sein 2,5-Liter-Turbo drückt zuerst spontaner, dann gehaltvoller als der AMG Vierzylinder, wirkt zudem inbrünstiger und organischer. Das charakteristische Prusten, der zornige Bass im Hintergrund und der Kick oberhalb von 3.000/min, wenn die Auspuffklappen auf "Rohr frei" schalten - holladrio! Wenn man ihn rannimmt, brilliert selbst der Doppelkuppler: Wie gewetzt senst er dann durch die Drehzahlbänder, lädt die Gänge pfeilschnell nach oder reißt die nächstkleineren rein. Doch wie gesagt: wenn man ihn rannimmt. Im Alltag verlässt ihn diese Souveränität: Beim Rangieren braucht er ewig, bis er die gewählte Fahrtrichtung einsortiert, beim Anfahren verzehrt er den Kraftfluss, und manchmal ruckt es beim Schalten recht unsanft im Gebälk. Nicht falsch verstehen, das ist alles kein Drama, aber es stört die Beziehung zu einem an sich so agilen Motor. Bloß: Wehe, du kommst mit der Frage nach der Handschaltung ums Eck, dann fragen sie dich, in welchem Jahrhundert du lebst, und erzählen dir die alte Leier vom stockenden Verkehr, wo es ja so angenehm sei, wenn man nicht eigenfüßig kuppeln muss. Ein für alle Mal: Nichts, gar nichts ist angenehm in stockendem Verkehr.

Mercedes AMG A 45 im Alltag die bessere Wahl
Auch der Mercedes nicht, obwohl sein Getriebe nicht so widerborstig auf Alltägliches reagiert. Nicht mehr. Ich weiß noch, damals, die ersten Sport-Versionen der A-Klasse, der 250er vor allem, oje, oje. Nur zögerlich reagierte der Doppelkuppler damals auf Paddeleingriffe - wenn überhaupt, dazu ratterte und knarrte es in den Eingeweiden. Gruselig war das. Aber das haben sie aussortiert: Jetzt kann man sich mit den Paddeln richtig schön durch die Gänge klatschen, wobei mit Last und Drehzahl auch die Stimmung ins Frenetische steigt.Überhaupt kommt der Mercedes AMG A 45 erst am Limit so richtig zu sich. Der Motor sowieso, weil er seine Lader-Lethargie dann überwunden hat, aber auch die ganze Kinematik offenbart erst dort, was in ihr steckt. Zuvor ist der A 45 engagiert; sobald die Querkraft jedoch an ihm zerrt, mehr und immer mehr, verzweifelt versucht, ihm Seitenneigung abzuringen, beißt er fester zu - beim Einlenken ebenso wie beim Herausbeschleunigen.

Knapper Sieg für den Audi RS 3 Sportback
Doch diesen Biss zeigt der Audi ebenso. Sein Fahrwerk lässt zwar mehr Karosseriebewegung zu, knickt - im Gegensatz zu seinen S-Kollegen – aber nicht mit der Vorderachse ein. Dabei hilft die Mischbereifung, 255er vorn zu 235ern hinten. Und es hilft die Momentenverteilung, die über Bremseingriffe an der Hinterachse ein bisschen Leben ins Heck bringt. Ein bisschen, aber genug, um mit ihm spielen zu können, während sich der Mercedes lieber aufs ideale Linieren versteift. Dennoch liegen die zwei am Zielstrich in Hockenheim praktisch gleichauf. Für den Mercedes AMG A 45 bedeutet das zwei Zehntel Vorsprung auf seinen Vorgänger - aber es bedeutet auch Platz zwei. In allen Disziplinen rennt er mit dem Audi Kopf an Kopf, im Sprint schnappt sich der RS 3 Sportback dann aber den Sieg.Dass er überhaupt in Schlagdistanz ist, verdankt er seiner Bremse, die diesmal tadellos funktioniert. Auf der Strecke, und auch bei den Standardmessungen: 34,4 Meter sind zwar nicht ganz das Level des AMG, aber zumindest genug, um die Audi-Fraktion zu besänftigen. Die Benzler werden vielleicht wieder schimpfen, aber - lasst euch trösten - es war bestimmt nicht die letzte Chance. Spätestens wenn der M2 auf der Matte steht, kommt wieder eine. Aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei - und es liegt ganz bei Ihnen, wie Sie das jetzt interpretieren wollen.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-12-29

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