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Testbericht

18. Februar 2010

An den Flanken und am Heck chromglänzt der Schriftzug "V12". Dass so etwas in der heutigen Zeit keine Auszeichnung darstellt, bekommt der Autor an der Tankstelle zu spüren. "Sie sollten sich schämen mit Ihrem Klimakiller", schnauzt der Besitzer eines Uralt-Volvo, dessen Auspuff den Begriff der aromatischen Kohlenwasserstoffe verdeutlicht. Dem Klima wird eine Handvoll der teuren V12-Modelle gleichgültig sein. Zumal das sechs Liter große Triebwerk dieses Audi sparsamer ist als jeder andere Motor, der seiner Leistungsklasse auch nur nahe kommt. Im Testdurchschnitt zieht sich der große SUV 14,8 Liter pro 100 Kilometer rein, denn als einziger automobiler Zwölfzylinder der Welt funktioniert er nach dem Pinzip des Rudolf Diesel. Wer das schwellende Leistungskonto des Vielzylinders als stille Reserve betrachtet und gemütlich dahinrollt, kann mit knapp elf Litern auskommen. Aber dafür kauft man sich keinen V12.

500 PS und 5,5 Sekunden im Saurier Der Zwölfzylinder-Diesel stellt eine technische Extravaganz dar und ist schon deshalb der Betrachtung wert. Obschon man sich zu Recht fragen darf, ob Audi nicht besser gleich einen Sportwagen mit der in der Le Mans-Tradition stehenden Maschine gebaut hätte. Das hätte einen 320-km/h- Boliden mit Elf-Liter-Verbrauch ergeben und wohl mehr Beifall produziert als ein allradgetriebenes Riesen-Spielzeug, das schon ohne Passagiere die Testwaage auf den rekordverdächtigen Wert von 2.677 Kilogramm ausschlagen lässt. Aber die angepeilte Kundschaft vor allem im arabischen Raum liebt, weil sie ihre Zelte auf den ergiebigsten Ölvorräten dieser Welt aufgeschlagen hat, immer noch Geländewagen in Übergröße. Der gewaltige, von zwei Turboladern aufgeblasene Dieselmotor stellt praktisch eine Verdoppelung des bekannten 3.0 TDI-V6 dar, weshalb er auch statt des bei einem V12 üblichen Zylinderwinkels von 60 Grad einen von 90 aufweist. Bohrung und Hub sind wie beim Sechszylinder. Die Verdoppelung von Zylinderzahl und Hubraum liefert surreal anmutende Daten: Schon bei 3.750 Umdrehungen schüttelt der Motor 500 PS von der Kurbelwelle. 2.000/min vorher gipfelt das Drehmoment in seinem Maximalwert: 1.000 Newtonmeter. In Worten: tausend. Kein Wunder, dass einer so immensen Kraft das Q7 -Gewicht gleichgültig ist. Wenn man das Gaspedal niedertritt, muss sich trotz des Quattro-Antriebs und der fast 30 Zentimeter breiten Reifen die Antriebsschlupfregelung emsig um die Dosierung des Drehmoments kümmern. Die Fahrleistungswerte bewegen sich im Bereich der wirklich ernsthaften Sportwagen: 5,5 Sekunden auf 100 km/h, 21,5 bis 200 km/h. Selbst danach hält der rückenverbiegende Schub weiter an, aber bei 250 km/h ist Schluss. Die Elektronik verhindert im Interesse der Reifen, was die Motorleistung möglich machen würde.

Dominante Akustik Und was vom Standpunkt der Fahrsicherheit kein Problem wäre, denn der Q7 schnürt bei Höchstgeschwindigkeit mit großer Gelassenheit geradeaus und verfügt über Bremsen, deren 42 und 37 Zentimeter große Keramikscheiben kaum an die Grenze der Belastbarkeit zu bringen sind. Bei der zehnten Bremsung mit voller Zuladung kommt der Q7 sogar einen Meter früher zu stehen als bei der ersten. Der unter allen Bedingungen vorhandene Leistungsüberschuss ist purer Luxus, weshalb man sich getrost die Frage nach dem Sinn sparen kann. Hier wird gezeigt, was technisch möglich ist. Und was nicht. Wer beim Stichwort V12 an seidenweichen, nahezu unhörbaren Motorlauf denkt, erlebt beim Diesel-Spross der Zwölfzylinder-Familie eine Überraschung. Schon im Leerlauf brabbelt das Triebwerk sehr vernehmlich vor sich wie ein stolzes Motorboot. Unter Volllast entwickelt sich gar ein von dröhniger Frequenz untermaltes Brummen, dessen Lautstärke die Konversation im Passagierabteil rasch verstummen lässt. Die Messwerte unterstreichen die dominante Akustik: Während ein bürgerlicher Q7 mit Dreiliter-Sechszylinder- Diesel bei Kickdown einen Schalldruck von 73 dB(A) produziert, registriert das Messgerät beim zwölfzylindrigen Topmodell 78 dB(A).

Begeistert besonders auf schneeglatter Fahrbahn Mit 1.000 Newtonmeter verfügbarem Drehmoment, so eine weitere Erwartung, müsste Schalten ziemlich überflüssig werden. Aber dem steht, weil Audi bei diesem Q7 den sportlichen Charakter betonen möchte, die Abstimmung der Sechsgang-Automatik entgegen. Schon ein leichter Druck aufs Gas bewirkt sofortiges Zurückschalten und bringt den Fahrer um das Vergnügen, praktisch alles im höchsten Gang erledigen zu können. Eine weitere Komfortbeeinträchtigung stellt das unnötige Hin- und Herschalten im unteren Geschwindigkeitsbereich dar, das oft von einem unschönen Ruck begleitet wird. Das als Versuchswagen zugelassene Testmodell zeigt also, dass weitere Entwicklungsarbeit nicht schaden kann. Eines wird allerdings auch die nicht ändern können. Der V12-Diesel ist ein mächtiger Brocken Metall, der die Vorderachse, verglichen mit einem 3.0 TDI, mit 207 zusätzlichen Kilogramm belastet. Die Leichtfüßigkeit des Handlings, die den Q7 im Kreis der Vollformat-SUV auszeichnet, hat beim V12 gelitten. Er reagiert träger auf die Lenkung und erfordert größere Lenkkräfte - all das geht auf Kosten der gefühlten Dynamik. Immerhin wird die Sicherheit des Fahrverhaltens dadurch nicht beeinträchtigt. Der V12 flößt in schnellen Kurven viel Vertrauen ein, er bleibt nahezu neutral und beeindruckt vor allem auf schneeglatter Fahrbahn dadurch, wie problemlos er mit der überschäumenden Kraft umzugehen vermag. Auch Tyrannosaurus Rex soll ja ein recht flinker Geselle gewesen sein.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-02-18

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