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Testbericht

5. August 2012

Beim Blättern in der Audi A8-Preisliste stellt sich Verwunderung ein: Die neue Hybrid-Variante liefert Audi serienmäßig mit einem maßgeschneiderten Kofferset. Serienmäßig? Von Audi? So verdächtig wie ein Blumenstrauß ohne Hochzeitstag. Als Erklärung genügt jedoch ein Blick in den Kofferraum. Da die Lithium-Ionen-Batterie crashgeschützt zwischen den Radkästen sitzt, schrumpft das ursprüngliche Maxi-Abteil auf Kompaktklasse-Niveau und lässt sich wegen der stattlichen Stufe schlecht beladen. Immerhin füllen die vier Audi-Trolleys nebst Schuhtasche das verbleibende Volumen nahezu perfekt aus.

Audi A8 Hybrid kann auch rein elektrisch, aber nicht sonderlich dynamisch Wäre ja auch schade, wenn der 1,3 kWh große Saftspender die Verkaufschancen schmälern würde, obwohl er den Audi A8 zur effizientesten Hybridlimousine der Luxusklasse machen soll. Im Gegensatz zu den Edelstromern BMW 7er und Mercedes S-Klasse beherrscht der Audi A8 rein elektrisches Fahren und ist damit ein Vollhybrid. So schafft der an Stelle des Drehmomentwandlers im Getriebegehäuse untergebrachte 40-kW-Motor bei Tempo 60 maximal drei Kilometer aus eigener Kraft, bis der Akku erschöpft ist. Damit sich der Verbrenner nicht zuschaltet, darf der Fahrer das Gaspedal jedoch selbst im arretierten E-Modus nur sanft streicheln. Ebenfalls anders als die V6- und V8-Konkurrenz setzt Audi verbrennerseitig auf einen aufgeladenen Zweiliter-Vierzylinder mit 211 PS, der es mit seinem Strom-Gehilfen auf eine Systemleistung von 245 PS bringt. Dank dem hohen Anfahrdrehmoment der E-Maschine und einem Spurtvermögen von 7,9 Sekunden auf Landstraßentempo fühlt sich der Luxusliner zwar nicht unbedingt sportlich, aber ausreichend kräftig motorisiert an. Erst jenseits der Autobahn-Richtgeschwindigkeit fehlt es an Souveränität. Mal eben den Familien-Diesel im Rückspiegel abschütteln? Fehlanzeige. Ist der Verbrenner auf sich gestellt, hat er mit dem mächtigen A8 ordentlich zu tun.

Fahrkomfort ist hoch, der Antriebskomfort eher nicht Dank wirkungsvoller Geräuschdämmung ist dafür bei gemäßigter Gangart fast nichts vom kleinen Turbo zu hören. Zudem kommt die erstmals bei den V8-Versionen mit Zylinderabschaltung eingesetzte Technik "Anti Noise Control" zum Einsatz. Im oberen Drehzahlbereich stört allerdings hochfrequentes Vierzylinder-Heulen das erhabene Schwebe-Gefühl des luftgefederten 5,14-Meter-Gleiters, der seine Insassen vom Massagesitz bis zum W-Lan-Hotspot mit nahezu allem umsorgt, was derzeit technisch machbar ist. An das Komfort-Niveau des restlichen Autos kommt der Antriebsstrang nicht heran, da das Zusammenspiel von E-Motor und Verbrenner nicht immer ganz ruckfrei klappt. Beispiel Segeln: Geht der Fahrer vom Gas, wird der Verbrenner bis Tempo 160 ausgeknipst und per automatisierter Kupplung getrennt, um keine Schleppverluste zu produzieren. Wird das Gaspedal anschließend wieder gedrückt, dauert es einen kurzen Augenblick, bis sich die beiden Motoren einig werden. Vom geschliffenen Antriebskomfort leistungsverzweigter Hybride wie dem Lexus LS 600h ist der A8 ein ganzes Stück entfernt. Auch das synthetische Bremsgefühl im Audi A8 Hybrid erfordert Gewöhnung. Da der E-Motor beim Ausrollen und leichten Bremsen zum Generator mutiert und die Batterien lädt, greifen die mechanischen Stopper erst ab einer gewissen Verzögerungsschwelle ein. Daher erfordert es mehr Konzentration als sonst, den Alu-Riesen sanft und punktgenau zum Stehen zu bringen.

Audi A8 Hybrid ist kein Verbrauchswunder Ihn punktgenau durch Kurven zu scheuchen, fällt hingegen nicht schwer. Im Gegensatz zu den Verbrenner-Kollegen mit hydraulischer Lenkung kommt beim Audi A8 Hybrid eine elektromechanische Variante zum Einsatz, die nicht nur leicht und präzise arbeitet, sondern bis zu 0,3 Liter Sprit pro 100 Kilometer sparen soll, da sie bei Geradeausfahrt keine Energie abzweigt. Selbst die Lichter müssen beim Sparen mithelfen. Da LED-Scheinwerfer mit einem sehr hohen Wirkungsgrad glänzen, sind sie hier serienmäßig an Bord. Doch die Verbrauchs-Wahrheit findet sich an der Zapfsäule und lautet im Falle des Audi A8 Hybrid 9,6 Liter/100 km – für 1,9 Tonnen rollenden Luxus auf den ersten Blick ein guter Wert. Damit lässt der A8 die Oberklasse-Hybride von BMW, Mercedes und Lexus immerhin um 1,3 bis 3,1 Liter hinter sich, fährt aber in puncto Leistung teils deutlich hinterher. Im Vergleich mit seinen Diesel-Brüdern fällt die Bilanz schon nicht mehr so rosig aus. Selbst eine Wuchtbrumme wie der achtzylindrige 4.2 TDI fuhr beim letzten Test aufs Zehntel gleich sparsam – und das mit Allradantrieb und 800 Nm Drehmoment. Darüber hinaus genehmigte sich der A8 Hybrid auf der sparsam gefahrenen auto motor und sport-Verbrauchsrunde 7,2 Liter/100 km und damit 1,1 Liter mehr als der antriebsseitig nahezu identische A6 Hybrid. Die Zweifel am Sinn der aufwendigen Technik werden beim Blick in die Preisliste noch größer. Mit 77.700 Euro liegt der Teilzeitstromer rund 8.000 Euro über dem 3.0 TDI, was nur zum Teil von der umfangreicheren Serienausstattung (unter anderem Metallic-Lack, 19-Zoll-Räder und Bose-Soundsystem) wettgemacht wird. Dem Fünf-Sterne-Luxus-Gleiter steht damit nur ein Drei-Sterne-Antrieb gegenüber –, und das macht in der Endabrechnung vier Sterne.

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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-08-05

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