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Testbericht

28. Mai 2010

Womit klar ist, dass ihn die Vorberichterstattung im Boulevardstil tief getroffen hat. Kein Hybrid zum Serienanlauf, hieß es da, als Standardausstattung ein gewichtsintensiver Allradantrieb.

Der A8 ist eine Limousine von dezenter Eleganz, ohne Stilisten-Gags Hat Audi etwa einen unzeitgemäßen Saurier auf die Räder gestellt? Natürlich nicht, die CO2-Uhr tickt auch in Ingolstadt heftig. Beim hier getesteten Modell mit Achtzylinder-Benziner konnte der Normverbrauch um über einen Liter gedrückt werden. Das ist ein Wort, denn wir reden hier über ein Auto von wahrhaft fürstlichen Dimensionen. Deutlich über fünf Meter lang, fast zwei breit. Was die Designer aber sehr gekonnt kaschiert haben. Der Audi A8 präsentiert sich nicht als klobiges Dickschiff, sondern als Limousine von dezenter Eleganz, bei der keine offensichtlichen Stilisten-Gags die Linie stören. Im Audi A8 ist alles vom Feinsten, sogar die Holzleisten sind handgefertigt Im Innenraum, dessen üppiges Platzangebot die Erwartungen an ein Luxusgefährt ohne Einschränkungen erfüllt, wurden erst recht alle Register gezogen. Der gekonnte Umgang mit Material und die Liebe zum Detail gilt schon lange als Audi-Merkmal, und hier wird ein neuer Höhepunkt erreicht. Da ist alles vom Feinsten - bis hin zu den Holzleisten, deren Kanten in Handarbeit eine schmeichelnde Rundung erfahren. Die handwerkliche Perfektion, die an die klassischen Coach-Builder der Historie erinnert, wird verknüpft mit modernster Elektronik. Das MMI genannte Bediensystem zeigt eine grundlegende Weiterentwicklung, wobei ein Touchpad wie bei einem Laptop den entscheidenden Akzent setzt. Auch bei der Bedienung der komplexen Technik setzt der Audi A8 Maßstäbe Mit dem Finger malt man Buchstaben - den Namen eines Fahrziels etwa oder den eines Telefon-Gesprächspartners. Und schon erscheint das Gewünschte auf dem ausfahrbaren Bildschirm. Das Ganze funktioniert zudem mit bemerkenswerter Perfektion. Auf die ebenfalls vorhandene Sprachsteuerung muss nur der zurückgreifen, der das Alphabet nicht beherrscht. Was die Bedienung eines mit komplexer Technik vollgestopften Autos angeht, setzt der Audi Maßstäbe. Und auch sonst leistet er sich keine Schwächen. Höchst bequeme, vielfach verstellbare Sitze oder eine unauffällig arbeitende Klimaanlage gehören zu den Selbstverständlichkeiten, die nur der Vollständigkeit wegen der Erwähnung wert sind. Beim Fahren verstärkt sich der Eindruck, dass die Größe der Karosse in den Hintergrund tritt. So flink und leicht, wie der Audi A8 auf Lenkbewegungen reagiert, kann durchaus der Eindruck entstehen, in einer Mittelklasse-Limousine zu sitzen.

Auch beim Thema Agilität setzt der Audi A8 noch eins drauf Auch die gute Übersichtlichkeit nach vorn trägt dazu bei. Nur nach hinten ist man wie bei vielen modernen Autos auf gutes Schätzvermögen angewiesen - oder auf die Rückfahrkamera, die zu den empfehlenswerten Extras gehört. Audis Topmodell gehörte schon immer zu den besonders agilen Vertretern der Luxusklasse, und der neue Audi A8 setzt da noch eins drauf. Wird im Menü der Fahrprogramme die Position Dynamik gewählt, erscheint die unmittelbare Reaktion der Lenkung schon eine Spur übertrieben. Auch die neue, sehr sanft schaltende Achtgangautomatik zeigt dann eine betont sportliche Charakteristik, die nicht unbedingt im Sinne wirtschaftlicher Fortbewegung ist. Trotz hoher Drehzahlen herrscht im Innenraum des Audi A8 Ruhe Und der V8-Motor beißt zu wie eine böse Klapperschlange. Das Laufgeräusch des Achtzylinders freilich ist so gut gedämmt, dass selbst bei hoher Drehzahl Ruhe im Innenraum herrscht. Modus Komfort erscheint unter den meisten Umständen bekömmlicher. Dann ist alles sanfter - vor allem Federung und Dämpfung. Hier gab es Nachholbedarf, denn der Federungskomfort war bei den Vorgängern zu einem guten Teil der angestrebten Fahrdynamik zum Opfer gefallen. Die Verbesserung ist offensichtlich. Die Federung spricht feinfühlig an und absorbiert auch grobe Bodenwellen, ohne die Karosserie in nennenswerte Vertikalbewegungen zu versetzen.

Trotz Leichtmetallbauweise kratzt der Audi A8 an der Zwei-Tonnen Marke Der Audi befindet sich damit jetzt auf Augenhöhe mit seiner Konkurrenz, was ohne Zweifel den wichtigsten Fortschritt der Entwicklung darstellt. Trotz Leichtmetallbauweise ist kein wirklich leichtes Auto entstanden. Beim Testwagen drückt die Fülle der Sonderausstattungen so kräftig auf die Waage, dass er an der Zwei-Tonnen-Marke kratzt. Der Allradantrieb trägt ebenfalls dazu bei, aber es wäre falsch, ihn in Frage zu stellen. Wer einmal mit Quattro im Winter unterwegs war, wird den Antrieb nur zweier Räder bei starken Autos als vorsintflutliches Relikt empfinden. Der Testverbauch des Audi A8 liegt spürbar unter dem des Vorgängers Der A8 zeigt unter allen Bedingungen beste Fahrsicherheit, wofür natürlich nicht nur die Allrad-Mechanik, sondern auch die Abstimmung der Fahrwerkselektronik verantwortlich ist. Und der Verbrauch? Was die Normwerte zeigen, lässt sich in der Praxis nachvollziehen. Mit zehn Liter zügig unterwegs zu sein, ist vor allem auf der Autobahn kein Problem, wo der günstige Luftwiderstandsbeiwert und die lang übersetzte achte Fahrstufe zum Tragen kommen. Der Testverbrauch liegt spürbar unter dem des Vorgängers, wozu auch innermotorische Maßnahmen beitragen. Stehendes Wasser beispielsweise: Nach dem Kaltstart wird das Kühlmittel im Motorblock nicht umgewälzt und erwärmt sich schnell. Das reduziert die innere Reibung und damit den Verbrauch. Aus vielen Detailentwicklungen wird so ein Gesamtkunstwerk. Nicht nur ein ordentliches Auto, sondern ein außerordentliches. Chapeau, Herr Stadler.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-05-28

Getestete Modelle
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