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Testbericht

19. Januar 2009

Das Messen der Kräfte gehört zur bayerischen Folklore. Kein Wunder, dass sich Audi und BMW als Erzrivalen sehen. Beide bemühen sich um die gleiche Klientel: anspruchsvolle Autofahrer mit einem Hang zur Dynamik und versehen mit einem wohl situierten finanziellen Hintergrund. Das gilt besonders für die gehobene Mittelklasse in Form von Audi A6 und BMW 5er . Wenn die noch mit einem starken Sechszylinder ausgerüstet sind, stehen Autos vor uns, die zeigen, dass es da einer geschafft hat. Was unter der Haube steckt, lässt allerdings erkennen, dass in den 133 Jahren, seit Nikolaus August Otto den "neuen, geräuschlosen Ottomotor" präsentiert hat, keine grundsätzliche Einigkeit über dessen bestmögliche Konstruktion besteht. Der jüngste Sechszylinder von Audi ist ein V-Triebwerk mit Kompressoraufladung . BMW setzt traditionsbewusst auf die in Reih und Glied antretenden Zylinder, die im Fall des 530i ohne Aufladung auskommen müssen. Aus drei Liter Hubraum entstehen dabei 272 PS, allerdings erst bei stattlichen 6.700 Umdrehungen. Die Audi-Maschine, bis auf einen einzigen Kubikzentimeter hubraumgleich, liefert trotz Kompressor kaum mehr Leistung: 290 PS, die aber schon bei höchst gemütlichen 4.850/min.

Reihensechszylinder ist ein Drehwurm Diese Daten machen deutlich, dass es sich um Motoren gänzlich differenten Charakters handelt. Der Reihen-Sechszylinder des BMW, konstruktionsbedingt voll ausgeglichen laufend, ist der klassische Drehwurm. Er jubelt freudig hoch, gleichmäßig und sanft wie eine Turbine. Ein bayerisches Motorenwerk, wie es im Buche steht. Aber weil ein luxuriöser Kombi kein Sportwagen ist, zeigen sich die Grenzen des Konzepts. Um sein Temperament zu entfalten, braucht der BMW-Motor hohe Drehzahlen, was für freudiges Hin- und Herschalten der Sechsgang-Automatik sorgt. Man darf das gern als sportlich empfinden, aber unter Komfortaspekten bleibt der Eindruck, dass man es hier mit einem nervösen Rennpferd zu tun hat.

Mehr Drehmoment dank Kompressor Die Aufladung des Audi sorgt für eine völlig andere Kraftentfaltung. Der V6 tritt bereits bei Drehzahlen an wie ein Bulle, bei denen das BMW-Triebwerk noch vergleichsweise kraftlos vor sich hinsummt. Der Audi schöpft gelassen aus der Fülle des Ladedrucks, was der Automatik, die wie jene des BMW vom Spezialisten ZF stammt, das Leben leicht macht. Die Zahl der Schaltvorgänge wird beträchtlich reduziert. Wenn der BMW beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven gleich um zwei Stufen zurückschalten muss, genügt dem Audi ein einziger Gangwechsel. Der Audi ist schwerer, weil er als Grundausstattung den Allradantrieb mitbringt. So kommt der BMW auf ein geringfügig besseres Leistungsgewicht (6,43 statt 6,53 Kilogramm pro PS). Und trotzdem lässt ihm der Audi bei den Beschleunigungsmessungen keine Chance, was ganz klar zeigt, dass in der Praxis nicht die Leistung, sondern das Drehmoment die Hauptrolle spielt. Davon liefert der Kompressormotor nicht nur erheblich mehr, sondern auch noch bei weit geringerer Drehzahl. Damit stellt der Audi-V6 einen komfortbetonten Antrieb dar. Ausdrehen ist nur selten nötig, der Aufenthalt im mittleren Drehzahlbereich liefert in der Regel genügend dynamische Energie.

Kraftstoffeinsparung oder Allrad Gerechterweise muss man hinzufügen, dass der BMW-Motor nicht nur höher drehen muss, sondern das auch besser kann. Denn seine Laufkultur ist klar überlegen. Der Audi-Motor wirkt spürbar brummiger und rauer, wenn er sich in den oberen Drehzahlbereich begibt. Die Tatsache, dass der Audi-Antrieb weniger gefordert wird, bringt aber keinen geringeren Verbrauch. Im Gegenteil: Nur der BMW zeigt, wozu ein moderner Sechszylinder fähig ist. Beide Motoren laufen bei ruhiger Fahrweise sparsam. Aber wenn Leistung abgefordert wird, schluckt das Kompressor-Triebwerk des Audi deutlich mehr. Der unterschiedliche, von den Motoren geprägte Charakter spiegelt sich auch in der Fahrwerksabstimmung wider. Der BMW wirkt konsequent sportlich, seine Federung wird vor allem mit kleinen Bodenwellen schlecht fertig, wozu auch die serienmäßigen Runflat-Reifen beitragen. Der Audi, ausgerüstet mit der optionalen Luftfederung, rollt erheblich geschmeidiger dahin, der Zustand der Straße wird zur nur noch am Rande registrierten Nebensache. Trotzdem erscheint er noch eine Spur handlicher als der BMW, vor allem wegen der geringeren Lenkkräfte. Sehr fahrsicher und auch in kritischen Situationen bestens beherrschbar sind beide, wobei die Fahrwerkselektronik auf rutschigen Straßen beim Audi mit seinem Quattro-Antrieb naturgemäß weniger gefordert wird. Noch ein paar Pluspunkte sammelt der Audi bei der Bremsbewertung. Womit er das bayerische Turnier als Sieger beendet.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2009-01-19

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