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Testbericht

10. Mai 2012

Sieben Jahre sind vergangen, seit BMW im Herbst 2004 den BMW 535d mit Registeraufladung präsentierte. Und erst jetzt kommt bei Audi der A6 Avant mit Registeraufladungs-Diesel auf die Welt. Es ist leicht vorstellbar, dass es einer Firma, die sich Vorsprung durch Technik auf die Fahnen schreibt, wehgetan haben muss, den Münchner Erzrivalen so lange vorauseilen zu sehen. Geschichte. Die lange Schwangerschaft hat den Prachtkerl Audi A6 Avant 3.0 TDI reifen lassen. Der neuentwickelte Dreiliter-Turbo hebelt, Standfestigkeit der optionalen Anhängekupplung vorausgesetzt, mit seinen 650 Nm wohl auch gestandene Baumwurzeln an die Frischluft wie ein indischer Arbeitselefant.

Audi A6 Avant 3.0 TDI mit 313 PS Da steckt ein sechsarmiger Ingolstädter Öl-Guru unter der Fronthaube, einer mit 313 PS und einer so zarten Standgas-Aussprache, dass der Blick ungläubig auf das kleine silberne TDI-Schild fällt. Selbst der Drehzahlmesser im Audi A6 Avant 3.0 TDI irritiert: roter Bereich ab 5.200 Touren - und da schwingt die Nadel auch noch locker hin. Wenn das Gaspedal im Bodenteppich versinkt, röhrt und trommelt ein gefühlter V8 aufs Zwerchfell. Ein bassiger Magenwühler, bei dem die Audi-Soundentwickler tief in die akustische Trickkiste griffen. Nur in der Stadt stört ein eigentümlicher Dröhn-Ton beim Beschleunigen des Audi A6 Avant 3.0 TDI. Vier 255er Pranken krallen sich in den Asphalt. Achsweise harmonisch und verzugsfrei angesteuert von einem mechanisch selbstsperrenden Kronenrad-Mitten-Differenzial, gibt’s famose Traktion mit dem Audi A6 Avant 3.0 TDI. Derweil regeln die beiden stufenweise rotierenden Turbolader den extrem elastischen Krafteinsatz: Bis 2.500 Touren verdichtet der große vor und der kleinere Lader wirbelt für spontanen Gasbiss, bis 3.500 werkeln dann beide, bis schließlich allein der große hohen Luftdurchsatz für Maximalleistung des Audi A6 Avant 3.0 TDI garantiert. Der Schub gerät entsprechend ansatzlos, die Gangwechsel der Achtstufen-Automatik unmerklich weich, und 1.600/min bei 140 km/h im achten Gang wirken beinahe unheimlich. Bei sehr niedrigen Touren wird die Wandlerüberbrückungskupplung umgangen, was bei leichtem Schlupf zusammen mit einem Dämpfer Vibrationen eliminiert. Es fühlt sich gut an, dass man für die Dynamik im Audi A6 Avant 3.0 TDI nicht mal mit hohem Spritdurst bestraft wird: 8,7 Liter pro 100 km presst die Common-Rail-Einspritzung mit 1.800 bar durch die Düsen. Wer dann noch tief im Untermenü auf die Drive Select Efficiency-Einstellung (Serie für aufgeladene Motoren) surft, erreicht minimal 6,2 Liter.

Automobiles Loft Audi A6 Avant 3.0 TDI Lösen wir uns von diesem Höllen-Brenner und wenden uns der Karosserie des Audi A6 Avant 3.0 TDI zu. Ihr Design wird die Gemeinde wieder in die teilen, die bei Audi sowieso alles gleich und langweilig finden und jene, die ihre unaufgeregte Eleganz mögen. Der Audi A6 Avant ist nicht länger, aber breiter und flacher als der Vorgänger und der BMW 5er Touring. Audi nennt das "die sportlichsten Abmessungen im Segment". Wir sagen: ganz schön viel Karosserie für den Nutzwert. Emotional gesehen fährt man mit dem Audi A6 Avant 3.0 TDI ein automobiles Loft spazieren, das nüchtern, aber weniger transportiert als ein VW Passat Variant - von einem Mercedes E-Klasse T-Modell gar nicht zu reden. Dafür gibt es gleich ein ganzes Arsenal an Ladehelfern. Im Heck-Unterboden erbt der Audi A6 Avant vom Passat das Gimmick der auf einen Fußkick öffnenden Heckklappe - die sich übrigens zickig gegen manuelle Schließversuche stemmt. Die niedrig-breite Ladekante schont den Rücken, und die Verzurrmöglichkeiten sind mannigfaltig. Auf Hebelzug klappt die Rückbank nach vorne - wenn auch nicht ganz eben. Im Fond weilt es sich bequem, der Einstieg ist angenehm. Vorne dürfen die Ellenbogen kontaktfrei rudern, trennt doch ein Mitteltunnel breit wie eine Biergartenbank die Parteien im Audi A6 Avant 3.0 TDI. Die Verarbeitungs- und Materialpracht des Armaturenbretts trifft einen mit voller Wucht. Da changieren Kunstoffflächen von Klavierlack- zu feiner Mattoptik, rekelt sich feinstes Yacht-Parkett breit über die Flächen und fährt stolz einen LCD-Bildschirm aus. An Umrandungen, die bei drei nicht unter Klappen verschwinden, heftet Audi flugs ein Chromrähmchen. Benchmark, kein Thema. Wer auf Opulenz steht, bekommt Tränen in die Augen, aber zuviel Barrique im Rotwein kann auch bitter schmecken.

Amerikanisches Burger-Restaurant statt bayerischem Kombi Die Güte der gestochen scharfen Anzeigen begeistert, und dass es Audi geschafft hat, die schier unüberschaubare Zahl an Funktionen und Untermenüs intuitiv bedienbar zu halten, verdient ein großes Lob. Nur fühlt man sich bei der Menge an Auswahlmöglichkeiten eher in einem amerikanischen Burger-Restaurant als in einem bayerischen Kombi. Wichtigen Fahrwerkseinstellungen fehlen zudem eigene Knöpfe, und im Gegensatz zum Audi A8 sitzen die Direkttasten des MMI im Audi A6 Avant zu weit hinten. Dafür ist der mechanisch rastende Automatikwählhebel eine klickende Wohltat im Vergleich zum fisseligen Drive-by-wire-Knüppel im Flaggschiff. Der Audi A6 Avant 3.0 TDI fährt klasse - wie zu erwarten. Die Fahrdynamik-Messwerte hätten vor zehn Jahren einen Porsche 911 geehrt: sehr schnell im Slalom und Iso-Wedeltest, standfest auf der Bremse. Geschickt kaschiert er seine Pfunde und lenkt mit seiner neuen elektromechanischen Lenkung akkurat ein. Auffällig allerdings: die hohen Haltekräfte, selbst im Comfort-Modus. Die zarte Wankneigung nimmt dem agilen Handling etwas die Schärfe. Was der Audi A6 Avant 3.0 TDI fahrdynamisch draufhat, liegt weit jenseits des im öffentlichen Straßenverkehr Opportunen. Daher nur der Vollständigkeit halber: Ja, er untersteuert leicht in zügig gefahrenen engen Kurven. Derweil saugt die 1.950 Euro teure Luftfederung Unebenheiten weg, als wären sie nur Krümel. Selten poltert sie über rüde Verwerfungen. Wie schon gesagt: ein Prachtkerl. Darum noch mal ganz tief Luft schnappen beim Testwagen-Preis: 95.880 Euro. Auch wenn Audi für den Test verständlicherweise alles in den Audi A6 Avant 3.0 TDI reingepackt hat, was die Aufpreisliste zu bieten hat, wirkt das für einen oberen Mittelklasse-Diesel-Kombi einfach surreal. So gilt auch für den neuen A6 Avant: Manchmal ist weniger mehr.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-05-10

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