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Testbericht

27. Juni 2013
Dass so manche Erscheinung schneller aus der Mode kommt als gedacht, weiß man nicht erst, seit Discopalmen, Legwarmer und Karottenjeans passé sind. Nun scheint es, als könnte dem Hardtop-Cabrio ein ähnliches Schicksal bevorstehen. Besonders noble Cabrios tragen ohnehin traditionell lieber Schiebermütze als Klapphelm, da liegt Opel mit dem stoffbedachten Cascada genau im Trend. Zumal der knapp 4,7 Meter lange Viersitzer Opel Cascada ja nicht in der Kompakt-, sondern in der feinen Mittelklasse sein Glück versuchen soll. Also etwa gegen Audi A5 Cabrio und den offenen BMW 3er. Hier vertraut nur noch der BMW als Ältester im Vergleich (Debüt 2007) auf ein festes Klappdach. Der jüngere Audi (2009) kommt ebenfalls mit Stoffverdeck.

BMW-Handikap ist der Saugmotor Dabei hat das feste Dach des BMW auf den ersten Blick durchaus Vorteile: Die Übersichtlichkeit ist wegen der größeren Heckscheibe deutlich besser, und mit dem Hardtop taugt der 3er durchaus als Ganzjahres-Automobil. Allerdings dürfte der Anteil der Laternenparker in dieser Preisklasse eher gering sein, und das Klappdach lässt sich nur im Stand öffnen und schließen. Nicht weil es technisch problematisch wäre, sondern weil es gestrenge Zulassungsbehörden so wollen: Während der Öffnungsprozedur sind Kennzeichen und teilweise die Rückleuchten kurzzeitig verdeckt. Das Alter des 3er ist auch beim Antrieb nicht zu übersehen, denn in ihm arbeitet noch ein traditioneller Vierzylinder-Sauger mit 170PS, der gegen die gleich starken, aber durchweg moderneren Triebwerke des A5 und des Opel Cascada wenig Punkte verbuchen kann. Zieht er sich bei Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit noch achtbar aus der Affäre, zeigt er sich bei den Elastizitätsmessungen den modernen Turbo-Direkteinspritzern im Alltagsbetrieb unterlegen. Von 80 auf 120km/h im sechsten Gang benötigt er rund fünf Sekunden mehr Zeit – das sind Welten. Ein Blick auf die Drehmomentwerte der drei Motoren macht es deutlich: Das BMW-Triebwerk liefert bei 4.250 Umdrehungen 210Nm, die Turbos kommen auf 320 (Audi) und 280Nm mit Overboost im Opel Cascada, und das bei jeweils nur etwa 1.500 Umdrehungen. Da hilft es auch nicht mehr viel, dass der 3er ein exakt schaltbares, passend gestuftes Sechsgang-Getriebe mitbringt und die Verbrauchswerte kaum schlechter sind – der 320i reicht nicht an die Antriebsqualitäten des A5 1.8 TFSI und des Opel Cascada 1.6 Turbo heran. Besser überzeugen kann das BMW-Cabrio beim Fahrkomfort, obwohl es als einziges des Trios ohne Adaptivfahrwerk auskommen muss. Doch da der 3er mit seinem engen Innenraum und dem höchsten Grundpreis sowie einer recht mageren Ausstattung wenig Glanzlichter setzt, kommt er hier nicht an Opel Cascada und A5 vorbei.

Kultiviertes Fahren im Opel Cascada Im Opel Cascada wirkt nicht nur der Motor eine ganze Auto-Generation jünger. Die überaus funktionale sowie perfekt arbeitende und gut dämmende Dachkonstruktion wurde ja schon allenthalben gelobt. Daher hier nur so viel: Das können sie auch bei Audi nicht besser. Dass der im polnischen Gliwice gebaute Opel Cascada beim Cabrio-Feeling einen Windhauch schlechter abschneidet als der teurere Audi, liegt an der hohen Sitzposition und der sehr flachen, nach hinten gezogenen Frontscheibe. Da sitzt es sich zwar wohl behütet hinter Glas, doch der massive Scheibenrahmen beeinträchtigt die Sicht und das Wohlbefinden im Opel Cascada. Sitz- und Federungskomfort im Opel Cascada sind dagegen durchaus auf Augenhöhe mit der Premium-Konkurrenz – dann jedenfalls, wenn das Flexride-Fahrwerk (980 Euro) und die Ergonomie-Sitze (685 Euro) mitbestellt wurden. Beides wohlfeile Ausgaben, denn die in drei Stufen verstellbaren Adaptivdämpfer und die ausgezeichneten Sitze verleihen dem Opel Cascada premiumtaugliches Wohlfühlaroma. Doch auch wegen seines hochmodernen Direkteinspritz-Turbobenziners verweist der Opel Casacda den viel teureren 320i so deutlich auf Platz drei. Der 170PS starke Vierzylinder setzt zwar keine Bestmarken bei Verbrauch und Durchzug – da liegt das Audi-Triebwerk jeweils leicht vorn, doch er ist sehr kultiviert und leise. Die etwas rückmeldungsarme Lenkung und das im direkten Vergleich trägere Handling des Opel Cascada verhindern, dass der Abstand zum 320i noch größer wird. Bei rund 10.000 Euro Preisunterschied sollte dieses Manko gleichwohl leicht zu verschmerzen sein.

Audi A5 Cabrio gibt den Musterschüler Fast genau so groß ist die Differenz zwischen dem Kaufpreis des A5 Cabrios und dem Opel Cascada. Doch dafür hat der Audi einiges mehr zu bieten. Etwa ein kaum langsameres und nur unwesentlich geräuschintensiveres Stoffverdeck, das sich ebenfalls bis 50km/h öffnen und schließen lässt. Bereits im Preis inbegriffen ist ebenso die Klimaautomatik, die nur beim 3er 770 Euro Aufpreis kostet. Für wetterempfindliche Offenfahrer ist zudem ein Warmluftgebläse in den Kopfstützen (460 Euro) erhältlich, das bei Audi den schönen Namen Kopfraumheizung trägt, aber nur in Kombination mit den exzellenten Klimakomfortsitzen (880 Euro) zu haben ist. Während allein bei ihm die Xenon-Scheinwerfer einen runden Tausender extra kosten, verfügt der Audi serienmäßig über ein sehr effektives serienmäßiges Windschott (BMW 330 Euro, Opel Cascada 290 Euro). Bei allen dreien muss zur Montage Hand angelegt werden, am einfachsten klappt das beim A5. Überhaupt zählen gute Bedienbarkeit und durchdachte Ergonomie zu den Vorzügen des Audi, wie die sehr gute Verarbeitungsqualität, der beste Federungskomfort im Vergleich (mit Adaptivfahrwerk für 1.100 Euro), der kräftige, sparsame Motor und das sehr feinfühlige Handling sowie die ausgesprochen hohe Fahrsicherheit mit sensibel eingreifendem ESP. Dass er zudem sehr gute Sitze hat, das beste Platzangebot, die vollständigste Sicherheitsausstattung und die besten Bremsen, komplettiert das Bild eines rundum gelungenen Cabrios, das zwar nicht billig, aber ausgesprochen preiswert im Wortsinne ist. So geht Premium. Das muss auch der Opel Cascada einsehen, der mit dem A5 jedoch mehr gemeinsam hat als nur die schöne Stoffmütze.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-06-27

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