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Testbericht

18. Dezember 2015
Mitunter ist das wahre Leben anders, als es sich Marketingverantwortliche, Werbekreative und Powerpoint-Präsentierer vorstellen. So sind nicht alle Premium- Kunden jugendliche Bestverdiener, die aus Understatement-Gründen oder um eigene Kunden nicht zu verschrecken, bescheidene Mittelklasse-Limousinen fahren, dann aber mit Sechszylinder und Allradantrieb.Das wahre Leben kauft auch hier gern die Basisbenziner, vielleicht sogar mit Schaltgetriebe, und es bekennt sich eventuell gar per Schriftzug zur Magermotorisierung. Darum haben wir für diesen Vergleich die Grundversionen von Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse geordert. Im Falle des neuen Audi A4 beginnt das Markenerlebnis mit dem 150PS starken 1.4 TFSI, zum Testzeitpunkt nur als Sechsgang-Schalter verfügbar und mit der Sport-Ausstattung 32.550 Euro teuer. Das ist ein wenig schade, denn die ungeliebte Multitronic wurde beim Modellwechsel von einem Doppelkupplungsgetriebe abgelöst.Dazu passt der BMW 318i mit 136PS, der seit der Modellpflege im Sommer dieses Jahres mit einem 1,5-Liter- Dreizylinder kommt. Er kostet als Sport Line mit Achtgangautomatik ab 35.900 Euro. Noch etwas kostspieliger ist der Mercedes C 180 mit 156PS, er ist mit der Siebenstufen-Wandlerautomatik ab 36.206 Euro zu haben. Allerdings bietet die Mercedes- Preisliste mit dem 129PS starken C 160 eine günstigere Version an.

Agiler BMW 318i
Ein Dreizylinder im 3er, das ist zu heutigen Downsizing-Zeiten ja nicht mehr so richtig schockierend. Immerhin hat der Motor 136PS, und das sind, wie der BMW-Kundige weiß, nur sieben PS weniger, als die Topmotorisierung 323i von 1978 mit doppelt so vielen Zylindern vorweisen konnte. Und da wir schon dabei sind: Die verbrauchte nach dem damals üblichen Drittelmix 9,6 Liter vom bleihaltigen 98er-Super und beschleunigte in 9,5 Sekunden auf 100km/h. Einiges kann der Dreizylinder im BMW 318i besser: So konsumiert er nach Norm nur 5,4 Liter je 100 km, im Testmittel allerdings 8,1 Liter. Freilich benötigt der Testwagen 10,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, womit er nicht nur eine knappe Sekunde hinter dem 323i bleibt, sondern auch hinter den Konkurrenten Audi A4 und Mercedes C 180. Natürlich hat der Dreizylinder weniger Leistung; die Lücke zum 156PS starken Mercedes ist schon sehr groß.Dabei ist der BMW 318i nicht nur von den Messwerten her langsamer, er fühlt sich zudem merklich schlapper an als Audi A4 und Mercedes C 180. Im Alltag kommt man trotzdem mit dem kultivierten Triebwerk gut klar, nur Begeisterung vermag es in der Dreier Limousine nicht zu versprühen.

BMW 318i mit nervösem Gangwechseln
Daran ändert selbst die sonst so mustergültige Achtstufenautomatik wenig. Sie sieht sich zu häufigeren und nervöseren Gangwechseln genötigt, um die Antrittsschwächen des Motors im schweren BMW 318i (1.515 kg) zu kaschieren. Das sorgt für Hektik, die man von souveräner motorisierten Versionen so nicht kennt.Ansonsten bleibt der BMW 318i ein Dreier, mit fein abgestimmtem Fahrwerk und einer sauber rückmeldenden Lenkung. Schnelles Kurvenfahren macht mit ihm nach wie vor am meisten Spaß. Dass er nicht so geschmeidig federt wie Audi A4 und Mercedes C 180, fällt nur im direkten Vergleich so richtig auf. Das Raumangebot ist praktisch auf dem Niveau der Konkurrenz. Nur wer in der zweiten Reihe Platz nehmen muss, hat nicht ganz so viel von der Freude am Fahren: Die Sitzbank ist sehr straff gepolstert, die Sitzfläche ziemlich kurz und der Einstieg wegen der flachen Dachlinie etwas beschwerlich. In puncto Bedienung ist BMW immer noch Numero uno, da haben Audi und Mercedes selbst bei den jüngsten Versionen ihrer Bediensysteme nicht nachhaltig aufgeholt.

Komfortabler Mercedes
Im C 180 ist zwar das Bemühen nach einem wohnlichen und gleichzeitig modernen Wohlfühlambiente sehr deutlich spürbar, doch die Bedienung mittels Dreh-Drück-Steller in der Mittelkonsole und den Lenkradtasten samt verschachtelter Menüs gelingt immer noch nicht optimal. Was aber tatsächlich besser wurde, ist die Verarbeitungs- und Materialqualität im Interieur. Die C-Klasse fasst und fühlt sich wirklich an wie ein echter Mercedes, wobei der Testwagen mit dem sündteuren Designo-Interieur (3.511 Euro) ausgerüstet war – eine Option, die sich vermutlich nur wenigen Mercedes C- 180-Besteller gönnen werden.Dabei sind die Sitze mit ihren rautengesteppten Lederbezügen nicht nur sehr hübsch anzuschauen, sie sind - obwohl recht straff gepolstert - auch bei längeren Autobahnfahrten sehr bequem und bieten ausreichend Seitenhalt. Umklappbare Lehnen kosten wie bei den beiden anderen Limousinen Aufpreis - so um die 300 Euro sind für diese nützliche Option jeweils fällig.Dass sich die Insassen im Mercedes C 180 so wohl fühlen, liegt nicht nur an den sehr guten Sitzen, sondern ebenso am geschmeidigen Fahrkomfort. Obwohl nicht alle Testfahrer die wiegende Sanftheit des C 180 schätzten, gelingt es ihm, alle Arten von Unebenheiten fast so gelassen wegzustecken wie der Audi A4.Bei den dynamischen Fahrübungen liegt man mit so einer Fahrwerksabstimmung natürlich nicht vorn, doch der Mercedes C 180 bleibt stets gut beherrschbar. Auch deswegen landet er schlussendlich auf Platz zwei.

Harmonischer, preiswerter A4
Erneut gewinnt der Audi A4 vor seinen Premium-Mittelklasse-Konkurrenten. Denn auch bei der neuen Generation haben die Ingenieure in Ingolstadt sehr vieles richtig gemacht. Indem sie beispielsweise bei der Einstiegsmotorisierung auf den bestens bekannten 1,4-Liter-Turbo- Direkteinspritzer mit 150PS gesetzt haben. Der ist laufruhig, leise und noch etwas sparsamer als die Konkurrenz (7,9 l/100 km), bietet dennoch sehr gute Fahrleistungen und hängt gut am Gas. Einzige Kritik: die leichte Anfahrschwäche, die bei einem Exemplar mit Schaltgetriebe doch etwas auffällt. Ansonsten aber zeigt das Getriebe im Audi A4, dass man in dieser Klasse auch mit einem Schalter gut leben kann: Es ist passend gestuft, exakt, leichtgängig und auf kurzen Wegen schaltbar. Die Extrakosten für die S tronic (2.300 Euro) kann man sich also durchaus sparen.

A4 wird dank Komfortfahrwerk zur Sänfte
Eine gute Investition ist dagegen der Aufpreis für das Komfortfahrwerk mit Dämpferregelung (980 Euro). Vor allem im Vergleich mit seinem Vorgänger, der sich in einigen Fahrsituationen etwas ruppig zeigte, ist der neue Audi A4 damit eine richtige Sänfte. Dabei gelingt es ihm am besten, Straßenunebenheiten von den Insassen fernzuhalten. Er verdaut große und kleine Anregungen geschmeidig, zeigt sich ausgewogener als der fein federnde Mercedes C 180 und der vor allem beladen straffe BMW 318i - beide ebenfalls mit optionalen Adaptivdämpfern. Geräusch- und Sitzkomfort sind zudem auf hohem Niveau, wobei der Mercedes die besseren Sitze hat. Was jedoch nichts daran ändert, dass der Audi A4 mit der neuen Generation viel erwachsener wurde, der Unterschied zum 20 Zentimeter längeren A6 ist merklich geschrumpft.Nun könnte man noch kritisieren, dass etwa die Bedienung mit dem neuen MMI nicht unbedingt einfacher wurde oder sich die Lenkung nach wie vor zu distanziert gibt. Nichtsdestotrotz hat der Audi A4 in diesem Vergleich das harmonischste und preiswerteste Paket und ist daher hier der erfolgreichste Punktesammler
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-12-18

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