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Testbericht

15. Januar 2016
Deutschland ist mitunter ein seltsames Land. Es gibt hier beispielsweise glutenfreies Bier, Gender-Sternchen, die Richtgeschwindigkeit oder Mett-Igel. Und es gibt anteilsmäßig so viele Kombis wie sonst nirgends auf der Welt. Kein Mensch weiß, wieso.Zwischen knapp unter 60 (BMW) und über 70 Prozent (Audi) liegt jedenfalls der Kombianteil im Premium-D-Segment. Die Kombi-Versionen des A4, des Dreiers und der C-Klasse bilden so eine Marktnische, die es fast nur hier in dieser Form gibt. Und weil es einen Kombi des Jaguar XE nicht geben soll, wird es vermutlich, von Volvo einmal abgesehen, auch in den nächsten Jahren eine ziemlich deutsche Angelegenheit bleiben.Der kürzlich präsentierte Audi A4 Avant ist der neueste Vertreter, der BMW 320i Touring erhielt im Sommer ein Facelift, und die Mercedes C-Klasse wurde vor Jahresfrist erneuert. Ein ziemlich langweiliger Vergleichstest also, könnte man meinen, schließlich bügelte der alte Audi A4 Avant noch kurz vor seiner Ablösung die viel neuere Konkurrenz ab. Und die A4-Limousine setzte sich mit dem Einstiegsbenziner neulich recht souverän gegen BMW 318i und Mercedes C 180 durch.Doch die drei Kombis lagen in den jeweiligen Vergleichstests so nah beisammen, dass die richtige Motor-Getriebe-Kombination den Ausschlag geben kann. Diesmal tritt der Audi A4 Avant mit dem neuen Zweiliter-Benziner mit 190PS und Doppelkupplungsgetriebe an. Dazu passt der BMW 320i Touring mit 184PS und Achtstufen-Wandlerautomatik sowie der Mercedes C 200 T mit Siebengangautomatik und ebenfalls 184PS.

Gediegener Mercedes
Nichts Neues ist schon mal, dass der Mercedes das teuerste Auto im Vergleichsfeld ist, wobei der Unterschied diesmal geringer ausfällt. Ab 40.728 Euro steht der C 200 als T-Modell in der Preisliste, mit 7G-Tronic und Avantgarde-Ausstattung sind es dann bereits 42.989 Euro. Rechnet man zudem die wesentlichen Ausstattungsmerkmale des Testwagens dazu, steht auf einmal ein C-Klasse-Kombi für rund 60.000 Euro vor einem. Doch selbst wenn kein übertriebener Luxus an Bord sein soll, mit mindestens 55.000 Euro kann gerechnet werden, wenn ein Mercedes C 200 T mit 184PS starkem Benziner konfiguriert wird.Umsonst ist immerhin den Lack, das Polarweiß des Testwagens gibt es ganz aufpreisfrei, alle Metallic-Farben kosten Aufpreis. Ähnlich ist es übrigens bei der Konkurrenz, Audi lässt dem A4-Käufer ebenfalls die Wahl zwischen Uni-Weiß und -Schwarz, bei BMW wiederum gibt es nur Schwarz als aufpreisfreien Lack.Das nur nebenbei, eigentlich wollen wir hier über den C-Klasse-Kombi reden. Der ist ja ein echtes Erfolgsmodell und zum guten Teil dafür verantwortlich, dass Mercedes im Wettkampf der drei Premium-Marken kräftig aufgeholt hat. Bereits nach kurzer Fahrt im C 200 weiß man wieder, wieso: Weil sich die Marke mit der C-Generation auf ihren Kern und die Wünsche ihrer Stammkunden besinnt. Er hat ein angenehm federndes, komfortables Fahrwerk, ohne deswegen knautschig zu wirken. Freilich durcheilt er Kurven nicht so gekonnt wie der BMW 320i Touring, doch das etwas behäbigere Fahrverhalten passt gut zu dem Auto, ebenso wie die sensible Lenkung, die zwar etwas indirekt erscheint, dafür aber sehr gefühlvoll arbeitet.

Mercedes C 200 T: Deutsche Wertarbeit
Zusammen mit der gediegenen Qualität im Interieur, der sauberen Verarbeitung und dem recht zurückhaltenden Design vermittelt dieser Wagen dem Fahrer, dass er in einem echten Mercedes sitzt und das viele Geld in ein ausgesprochen werthaltiges Auto investiert hat. Nicht alles davon ist punkterelevant, doch der C 200 überzeugt ebenso mit handfesten Qualitäten. Er hat gute Bremsen, ist leise, fahrsicher und geräumig. Doch da unterscheidet er sich nur in Nuancen von den beiden deutschen Premium-Konkurrenten.Ein paar Sätze noch zum Antrieb des Mercedes C 200 T: Dem kann man objektiv wenig vorwerfen, allerdings kann er auch in keiner Kategorie so richtig glänzen. Verbrauchs- und Fahrwerte sind okay, doch nicht brillant. Und wenn der Motor gefordert wird, klingt er aufdringlich und etwas dröhnig. Das passt nicht so richtig zum gepflegten Ambiente im Mercedes. Zudem neigt die Automatik nicht gerade zu flotten Gangwechseln.

Fahraktiver BMW
Das freilich geht im BMW um einiges besser. Er verfügt über die bereits viel gelobte Achtgangautomatik. Sie kostet 2.150 Euro Aufpreis, womit der 320i Touring mit dem im Testwagen verbauten Sport-Line-Paket einen Gegenwert von mindestens 41.950 Euro darstellt. Damit rangiert er preislich ziemlich genau zwischen Mercedes und Audi, die Unterschiede sind allerdings so gering, dass sie bei einer Kaufentscheidung kaum ausschlaggebend sein dürften.Der Zweiliter-Vierzylinder-Turbo im BMW 320i Touring hat ebenfalls 184PS, er geht damit allerdings noch ein wenig diskreter um. Die Fahrleistungen sind um ein paar Zehntel schlechter. Was allerdings schwerer wiegt, ist, dass er sich deutlich schlapper anfühlt. Drehfreude, Quirligkeit und überschäumendes Temperament sind seine Sache nicht. Das stört zwar womöglich nur Motorengourmets, doch von denen soll es unter den BMW-Stammkunden ja einige geben. Darunter leidet auch das Automatikgetriebe etwas. Es sieht sich durch den betulichen Motor zu hektischeren Gangwechseln genötigt, als man das von anderen BMW-Modellen mit souveränerer Motorisierung kennt.

BMW 320i Touring mit bestem Bedienkonzept
Was sie dagegen richtig machen bei BMW: Der Dreier hat den praxistauglichsten Wählhebel der drei Testkandidaten. Er ist griffig, lässt sich gut bedienen und bietet eine gute Rückmeldung. Da fühlt sich der Shifter im Audi A4 Avant bereits distanzierter an und der Lenkrad-Wählhebel im C 200 gar nur wie ein dickerer Blinker. Auch wenn es eher eine Frage der persönlichen Präferenzen ist: Ein Minimum an mechanischer Rückmeldung sollte ein Automatikhebel schon bieten.Ebenfalls sehr gut funktioniert im BMW 320i Touring all das, was aus anderen Modellen der Baureihe und der Marke schon bekannt ist: Das immer noch überlegene Bedienkonzept, einschließlich des übersichtlichsten und besten Head-up-Displays, hier zahlt sich die lange Erfahrung des Herstellers aus. Ganz sicher gilt das ebenso für das Fahrwerk, es ist zwar deutlich straffer als jene von Audi und Mercedes, federt jedoch in der Komfort-Stufe feinfühlig an. Bei voller Beladung zeigt es sich dagegen rasch überfordert und lässt große Anregungen ziemlich ungefiltert durchrumpeln. Dafür entschädigt der BMW 320i Touring mit der am stärksten ausgeprägten Handlichkeit und einer sorgfältig austarierten Lenkung, die allenfalls bei Autobahnfahrten etwas zappelig wirkt. Dennoch ist der BMW 320i Touring das Fahrerauto in diesem Vergleich. Was jedoch nichts daran ändert, dass er mit ein paar Punkten Rückstand auf den C 200 T auf Platz drei landet.

Ausgewogener Audi
Denn die meisten Punkte sammelt auch in diesem Vergleich der Audi A4 Avant. Nun wäre es einfach zu sagen, dass der Audi sich so gut wie keine Schwächen erlaubt und in fast allen Disziplinen sehr gut ist. Doch die neue Generation des Mittelklasse-Audi hat zudem einige ausgesprochene Stärken, auf welche die Konkurrenz vorläufig keine ganz passende Antwort hat – am wenigsten auf den Motor. 190PS leistet der neue Zweiliter-Turbobenziner, und er zeigt in diesem Test, dass er tatsächlich besser ist als die Triebwerke der Konkurrenz. Dazu bedient er sich eines technischen Tricks, den man vielleicht am besten als virtuellen kleinen Hubraum beschreibt.Denn im Teillastbereich, also praktisch ständig im Alltagsbetrieb, schließen die Einlassventile viel früher als bei einem konventionellen Viertakter. Zudem ist der Druck im Ansaugtrakt höher. So wird in der Verdichtungsphase vergleichsweise wenig Frischgas komprimiert, etwa so viel wie beim 1.4 TFSI. Durch die verkürzte Kompressionsphase ist eine sehr hohe Verdichtung möglich, sie liegt bei 11,7 : 1, das sorgt für hohen Verbrennungsdruck in der Expansionphase des Viertaktzyklus, und damit für einen höheren Wirkungsgrad. Der Audi A4 Avant-Motor fühlt sich so nicht nur deutlich kräftiger an, er zieht auch im Teillastbereich besser durch und läuft kultivierter.Sparsamer ist er obendrein. Im Testmittel kam er mit 0,2 Liter weniger aus als der Mercedes, der BMW benötigte immerhin 0,6 Liter mehr. Es bereitet zudem kaum Mühe, den Verbrauch im Audi A4 Avant in Richtung Sieben- Liter-Grenze zu drücken. Dabei hilft auch der sehr nützliche prädiktive Effizienzassistent, der zum 1.640 Euro teuren Tour-Paket gehört. Er berechnet aus den gesammelten Sensordaten den künftigen Weg des Fahrzeugs und mahnt per Gasfußsymbol zur Zurückhaltung. Zwar hat der BMW 320i, wie alle BMW, mit EcoPro-Fahrmodus ein ähnliches System, das jedoch rein auf Navi-Daten basiert und viel seltener aktiv wird.

Audi A4 Avant hat die Nase vorn
Der neue Benziner im Audi A4 Avant darf mit einem aufmerksamen, schnell reagierenden Doppelkupplungsgetriebe zusammenarbeiten, auch das eine sehr harmonische Kooperation. Im alten A4 wurden die Vierzylinder- Benziner ja gern mit der ungeliebten Multitronic bestückt, das ist vorbei.Was den Audi A4 Avant ansonsten auszeichnet und hier zum Testsieger macht? Er ist, wie sein Limousinenbruder A4, ausgesprochen komfortabel, bietet nun wirklich genug Platz und ordentliche Sitze sowie eine hervorragende Qualität im Interieur. Einige nicht so schöne Seiten bleiben dennoch nicht unerwähnt: Die Lenkung etwa agiert zu rückmeldungsarm, was den Audi A4 Avant bei schneller Kurvenfahrt weniger präzise macht. Und die Bedienung wurde mit MMI Touch komplexer. Zudem neigt der Avant bei ausgeschalteten Fahrhilfen zu Lastwechselreaktionen, mit ESP ist er freilich ein mustergültig beherrschbares Auto. Er siegt am Ende klar. Darauf ein glutenfreies Bier. Oder einen Mett-Igel.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-01-15

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