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Testbericht

9. Februar 2014
Auch falls es nicht exakt so war, ist es zumindest sehr gut erzählt: Der damalige Audi-Entwicklungsvorstand Ferdinand Piëch soll bei der Vorstellung des ersten Audi Quattro vor über 30 Jahren gesagt haben, dass der Allradantrieb wie im neuen Rallye-Audi eine große Zukunft habe. Und dass er bald nicht viel mehr kosten werde als ein Satz Winterräder – den man dann ja immerhin einsparen könne.

Audi A4 2.0 TFSI Quattro ist billiger als der BMW 328i x-Drive Die Karriere des cleveren Antriebs war tatsächlich unaufhaltsam. Piëch hat also recht behalten. Auch bei den Preisen: Im Falle des Audi A4 2.0 TFSI kostet der Quattro-Antrieb mit Torsen-Zentraldifferenzial 2.350 Euro. Der Satz Winter-Kompletträder im 17-Zoll-Format kommt auf 1.620 Euro. Ähnlich beim BMW 328i: Da ist für den x-Drive-Antrieb ein Aufschlag von 2.500 Euro fällig, ein Satz Winterräder in 18 Zoll (Serie beim 328i Luxury) steht mit 1.980 Euro in der Preisliste. Besonders billige Automobile sind – wenig überraschend – beide Limousinen nicht, wobei der Audi A4 2.0 TFSI Quattro ein paar Tausender weniger kostet. Entscheidend dürfte der Unterschied in dieser Preisklasse jedoch nicht sein. Mit der Siebengang-S-Tronic (Doppelkupplungsgetriebe) und dem neuerdings 225PS starken 2.0 TFSI-Benziner ist der Audi A4 ab 40.600 Euro zu haben, mit der Ambition-Ausstattung des Testwagens sind es mindestens 42.550 Euro. Genau 2.000 Euro teurer ist der 245PS starke BMW 328i x-Drive mit Achtstufen-Automatik, wenn er, wie der Testwagen, als Luxury kommt. Beiden gemeinsam ist, dass sie selbst in dieser Leistungsstufe von Zweiliter-Vierzylindern angetrieben werden. Sechszylinder gibt es sowohl bei Audi als auch bei BMW erst in der Dreiliter-Klasse. Bevor wir uns den schöneren Seiten der beiden Allradler zuwenden, wollen wir dies kurz betrauern. Denn man muss kein ewiggestriger Traditionalist sein, um die beiden Turbomotoren trotz ihres Leistungsvermögens etwas reizarm und beliebig zu finden.

Viel Leistung, wenig Flair Vor allem der BMW enttäuscht hier, denn jenes besondere, seidig-turbinige Motorengefühl, das sich in hochwertig motorisierten Modellen der Marke einstellt, geht dem BMW 328i x-Drive so ziemlich ab. Der Motor ist kräftig, drehfreudig und einigermaßen sparsam, bemüht sich zudem, besonders sonor aus dem Auspuff zu pusten, und kann dennoch seine vierzylindrige Natur nicht verbergen. Das ist im Audi A4 2.0 TFSI Quattro nicht viel anders, nur stört es da nicht so sehr, weil der unauffällige Charakter des Zweiliter-Direkteinspritzers besser zum Auto passt. Dennoch ist er dem BMW-Triebwerk in fast allen Disziplinen unterlegen. Dieses ermöglicht nicht nur die besseren Fahrleistungen, sondern verbraucht auch noch im Schnitt etwas weniger Treibstoff. Die Unterschiede sind zwar minimal, spielen im Alltagsbetrieb vermutlich kaum eine Rolle, doch ein Vergleichstest ist schließlich dazu da, solche Unterschiede zu messen und in Punkte zu fassen. Leichter Vorsprung für den BMW 328i x-Drive also, den er bei der Bewertung der Fahrdynamik noch weiter ausbaut. Was jedoch nicht an einer besseren Performance auf Schnee liegt. Da können beide Allradsysteme weit mehr, als es sich die meisten Fahrer zutrauen. Die geringe Bodenfreiheit setzt hier im etwas tieferen Schnee die Grenze. An Traktion mangelt es dank elektronischer Differenzialsperren und intelligenter Momentenverteilung weder im Audi A4 2.0 TFSI Quattro noch im BMW 328i x-Drive.

Audi A4 2.0 TFSI Quattro und BMW 328i x-Drive mustergültig fahrsicher Außerdem sind sie mustergültig fahrsicher, lassen sich auch mutwillig kaum aus der Ruhe bringen, ganz gleich, ob sie nun auf Asphalt oder Schnee unterwegs sind. Der BMW 328i x-Drive ist dabei das fahraktivere Auto, das spontaner einlenkt, sich per gezieltem Lastwechsel gern zu einem übermütigen Heckschwenk verleiten lässt, bevor ihn das ESP sanft wieder einfängt. Der Audi A4 2.0 TFSI Quattro hingegen ist trotz seines hecklastigen Allradantriebs stoischer unterwegs, lenkt etwas behäbiger ein und fährt vor allem auf glattem Untergrund lieber geradeaus als ums Eck. Die Lenkung ist zudem wenig fahraktiv ausgelegt, zeigt sich im Komfortmodus sehr leichtgängig und rückmeldungsarm. Der Dynamikmodus macht es nicht besser, da wird der Lenkwiderstand nur höher, als habe eine schwere Hand in die Zahnstange gepackt. Womöglich gäbe sich der Audi A4 mit dem Sportdifferenzial an der Hinterachse agiler, doch das ist nur für die Sechszylinder sowie die S-Modelle verfügbar (950 Euro extra).

Mehr Qualität beim Audi A4 Was der Audi A4 besser kann als der BMW 3er? Die Verarbeitung und der Qualitätseindruck im Interieur sind beispielsweise deutlich wertiger, alles wirkt sauber eingepasst und sorgfältig gearbeitet. Das gelingt dem BMW 328i x-Drive nicht ganz so gut. Dass er in der Karosseriewertung nicht abgeschlagen wird, verdankt der BMW seinem großzügigen Raumangebot und der übersichtlicheren, einfacheren Bedienung. Etwas Besseres als das i-Drive, jetzt sogar noch mit berührungsempfindlicher Oberfläche, wurde bisher nicht erfunden. Für den BMW spricht ebenso das modernere und schnellere Infotainment. Auch hier wird deutlich: Der Audi A4 ist etwas in die Jahre gekommen, der Nachfolger steht bereit. Im Übrigen ist bei beiden Limousinen das Navi etwa so teuer wie Winterreifen oder Allrad: 2.100 Euro beim Audi A4 2.0 TFSI Quattro, 2.390 Euro beim BMW 328i x-Drive. Das konnte selbst Ferdinand Piëch vor mehr als 30 Jahren nicht ahnen.

Intelligenter Allradantrieb in Audi und BMW Das Quattro-Prinzip ist seit über 30 Jahren das gleiche: Ein Zentraldifferenzial verteilt das Drehmoment nach vorn und hinten. Im aktuellen Audi A4 ist es ein Torsen-C-Differenzial mit Planetenrädern, das eine hecklastige Momentenverteilung erlaubt. Bei Bedarf variiert das Torsen-Differenzial selbsttätig die Kraftverteilung. Rein elektronisch steuert der x-Drive-Antrieb beim 3er mittels einer Lamellenkupplung die Kraftverteilung, im Extremfall sogar zu 100 Prozent an eine Achse. Unterstützt werden die Systeme jeweils durch elektronische Traktionshilfen mit Bremseingriff, mechanische Sperren fehlen.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-02-09

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