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Testbericht

21. November 2015
Es ist ja nicht immer schön, vernünftig zu sein. So war es beispielsweise verlockender, mit Susi und Claudia zum sommernächtlichen Baggersee zu fahren, als für die schriftliche Abiprüfung in Chemie zu lernen. Viel leichter fällt es dagegen, bei den Premium-Kompakten von Audi, BMW und Mercedes die motorische Vernunftlösung zu wählen, hier also die jeweils zweite Leistungsstufe der Benziner. Okay, genau genommen ist es beim Audi die dritte, denn unterhalb des 1.4 TFSI mit 150PS gibt es noch zwei Ausführungen mit 125 und 110PS.Doch eigentlich geht es hier mehr noch um die Konkurrenz von BMW und Mercedes, die jeweils frisch modellgepflegt als 118i mit 136PS und als A 180 mit 122PS zum Test antreten. Im BMW werkelt nun der neue Dreizylinder mit 1.499 Kubik. Die A-Klasse kommt weiterhin mit dem bewährten 1,6-Liter-Vierzylinder, hat nun jedoch ein Fahrwerk mit Verstelldämpfern. Damit sollen Klagen über unbotmäßige Fahrwerkshärten nun der Vergangenheit angehören. Schauen wir mal.

Mercedes A-Klasse mit verbessertem Fahrwerk
Die einstellbaren Fahrwerkselemente gibt es in der A-Klasse natürlich nicht kostenlos, sie sind für 1.238 Euro Aufpreis zu haben und zählen zu den in der Tat empfehlenswerten Extras des A 180. Mit der Dynamic-Select-Taste in der Mittelkonsole lassen sich vier Fahrprogramme anwählen, von denen sich jenes mit dem Namen Comfort als angenehmstes erweist. Eine richtige Sänfte ist die A-Klasse damit immer noch nicht, doch gelingt es so, die meisten Fahrbahnunebenheiten einigermaßen souverän wegzufiltern. Etwas ungemütlich wird es nach wie vor bei stärkeren Anregungen und höherer Zuladung.Als talentierter Lastesel war die Mercedes A-Klasse ja bisher nicht bekannt, daran kann auch das Facelift wenig ändern. Nach wie vor sitzt man nur in der ersten Reihe richtig gut, hinten mangelt es an Kopffreiheit und Raumfülle, und das Einsteigen in den Fond ist wegen des niedrigen Daches eher mühsam.

Gute Verarbeitung, laufruhiger Motor
Umso netter ist es vorn, der A 180 ist schließlich ein Mercedes und hat als solcher ordentliche Sitze sowie ein qualitativ hochwertiges Interieur. Bekannt ist ebenso, dass sich die Bedienlogik der vielen Sicherheits- und Infotainment-Features nicht immer auf Anhieb erschließt, daran hat die Modellpflege ebenfalls wenig geändert. Die über zentralen Dreh-Drück- Steller, Konsolen-Tasten sowie Lenkradknöpfe verteilte Bedienung zählt ja inzwischen fast genauso zur Markenfolklore wie der kombinierte Wischer- und Blinkerhebel links vom Lenkrad, der seit den 60er-Jahren einige Evolutionsschübe erlebte.Ebenfalls kaum Neues gibt es vom Antrieb zu vermelden, der 122PS starke Direkteinspritz-Benziner überschäumt nicht gerade vor Lebensfreude und Durchzugskraft, ist jedoch sehr laufruhig und leise sowie recht sparsam. Was gibt es von der A-Klasse noch zu sagen? Sie turnt einen Hauch langsamer um die Pylonen als der 1er, lässt sich zudem nicht ganz so exakt einlenken wie der Sportback. Die Lenkung ist leichtgängig und präzise, auch das nicht merklich anders als beim Vorgänger. Überraschender ist da, dass der A 180 nicht das teuerste Auto in diesem Vergleich ist, obwohl er mit der Style-Ausstattung zum Test antritt. Auch das sichert ihm am Ende Platz zwei.

BMW 118i mit neuem Dreizylinder-Benziner
Ohne zusätzliche Ausstattungslinie kostet der BMW mit den serienmäßigen 16-Zoll- Stahlrädern genau 24.800 Euro, ein Tausender kommt noch dazu, wenn man 17-Zoll-Alus mitordert.Wirklich neu am 1er ist ja nur der Dreizylindermotor, er gehört zur Baureihe B38 und damit zur neuen BMW-Motorenfamilie, die mit Einzelhubräumen von 500 Kubik sowie Turboaufladung und Valvetronic nach und nach in die diversen Konzern-Baureihen einzieht. Im Falle des 118i leistet der Dreizylinder 136PS, gibt aber ein eher müdes Gastspiel im Test. Er läuft vergleichsweise brummig, hängt etwas lasch am Gas und dreht eher unwillig hoch. Zudem konsumiert der Dreizylinder rund einen halben Liter mehr Superbenzin als die Vierzylinder von Audi und Mercedes. Ein Fortschritt durch das Downsizing ist hier kaum zu erkennen. Zumal der 118i auch noch etwas schlechter geht als der nominell schwächere A 180. Am Gewicht kann's kaum liegen, beide Kompaktwagen bringen mit 1.394 (BMW) und 1.393 Kilo (Mercedes) praktisch genau gleich viel auf die Waage.Zudem kam dem 1er beim Modellwechsel zum aktuellen F20 eine Portion Handling-Talent abhanden. Er hat zwar nach wie vor die feinfühligste Lenkung in diesem Segment, schwingt aber nicht mehr so locker durch die Kurven wie zuvor. Der Komfortgewinn fällt dagegen gering aus, so geschmeidig wie der A3 und nun auch die A-Klasse federt der kompakte BMW nicht – alles in allem ein eher durchwachsener Auftritt.

Audi A3 1.4 TFSI mit ausgewogenen Qualitäten
Mittelprächtig? Kein Thema für den Audi A3 Sportback. Was zum einen am Motor liegt, der mit 150PS deutlich kräftiger ist. Doch der 1.4 TFSI mit Zylinderabschaltung, die im Teillastmodus zwei Töpfe stilllegt, ist nicht nur stark und laufruhig, er erweist sich auch als besonders sparsam. In fast allen Testszenarien verbraucht er etwas weniger als die Rivalen. Nur beim Volllast-intensiven Sportfahrer-Zyklus konsumiert das TFSI-Triebwerk deutlich mehr als der Mercedes-Motor.Damit sind die Talente des A3 Sportback jedoch nicht erschöpft. Mit seiner kombiartigen Karosserie bietet er mehr Platz, was sich weniger in den Innenraum-Werten als im alltäglichen Gebrauch zeigt. Sein Kofferraum ist besser nutzbar, er hat eine großzügigere Ladeöffnung und weit öffnende Türen. Zudem, auch das ist keine Überraschung, hinterlässt er den qualitativ besten Eindruck: Sauber montierter Kunststoff, hochwertige Oberflächen und gleichmäßige Fugen dokumentieren auch an diesem A3 den hohen Standard, den sich sein Hersteller hier erarbeitet hat. Die Unterschiede zu den beiden Konkurrenten sind nicht groß, gleichwohl jedoch feststellbar.

Flotter durch Mindergewicht
Falls Ihnen nun etwas langweilig wird: Ja, der Audi ist in den meisten Disziplinen einen Hauch besser. Das gilt für die Fahrleistungen, was auch am geringeren Gewicht liegt: Der Sportback ist rund 70 kg leichter als 1er und A-Klasse. Was zum Teil auch sein agileres Handling erklärt. Er lenkt williger ein, das lässt sich beim Slalom mit der Lichtschranke dokumentieren: Der A3 ist immer einen Tick schneller als 118i und A 180. Unwichtig, mögen Sie sagen, doch im Alltagsbetrieb zeigt sich dieses Talent in fixem, doch sicherem Fahrgefühl und neutralem Kurvenverhalten.Die Insassen können sich derweil an den guten Sitzen und dem geschmeidigeren Federungskomfort erfreuen, so ausgewogen und harmonisch wie der Audi fahren die beiden anderen nicht. Beim A3 ist es jedenfalls nicht schwer, vernünftig zu sein. Und falls Sie noch fragen wollten, was aus der Chemieprüfung wurde: Tun Sie es lieber nicht.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-11-21

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