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Testbericht

17. Juli 2015
Keine Witze über Namen, lernt jeder angehende Journalist. Also verkneifen wir uns hier auch jeden Gedanken darüber, warum Opel den Adam Äddäm ausgesprochen haben möchte, obwohl der Firmengründer selig ja nicht aus dem englischen Sprachraum stammt. Egal also. Fest steht jedenfalls, dass der Kleine ein Image-Booster für die langsam genesende Marke mit dem Blitz ist: Ein Kleinwagen, der stylisch ist trotz all der Sparzwänge, die in dieser Klasse nur Premium-Hersteller etwas lockerer sehen können. Der nicht vergisst, das Leben leicht zu nehmen.In unserem Testwagen zum Beispiel sitzt es sich auf kräftig zupackenden Recaro-Sportsitzen mit Durchführungsöffnungen für Mehrpunktgurte (ab 1.300 Euro) unter einem Dachhimmel mit Zielflaggen-Muster (100 Euro). Romantiker wählen vielleicht eher die "Stars"-Version mit vielen kleinen Leuchtdioden. Doch unser Testwagen ist ja der Adam S mit 150PS.

Opel Adam S mit 150PS
Für diese Leistung hätten autoaffine Jugendliche vor nicht allzu langer Zeit viele große Geldscheine zum Tuner getragen. Da darf der Audi A1, den uns Audi nur als Viertürer Sportback zur Verfügung stellen konnte, nicht zurückstehen. Auch er verspricht mit 150PS genügend Power fürs leichtfüßige Rumwieseln, und wie beim Opel Adam S liefert die vielen Pferde ein 1,4-Liter-Turbo. Bei Audi allerdings mit Direkteinspritzung, während der Kraftstoff beim Adam ins Saugrohr injiziert wird – noch. Denn der neue Turbo-Direkteinspritzer, der im kommenden Astra Premiere feiert, wird auch den Weg in den Adam finden.

Audi A1 in 8,4 Sekunden auf Tempo 100
Unterm Strich erweist sich der Audi-Motor als das bessere Triebwerk. Zum einen verhelfen ihm eine Schubabschaltung im Teillastbereich im Verein mit der Direkteinspritzung zu einem nicht unerheblichen Verbrauchsvorteil (Testverbrauch 7,0 zu 7,7 Liter pro 100 Kilometer). Zum anderen läuft der drehmomentstärkere Motor geschmeidiger als der des Opel Adam S, der sich manche Dröhnfrequenzen nicht verkneifen kann.Der A1 liefert die Power eher gediegen, während der Adam spüren lässt, dass sich da vorn jemand abrackert und mächtig ins Zeug legt, um Fahrspaß zu bringen. Das gelingt ihm übrigens sehr gut, denn oben heraus beißt der Opel Adam S mehr zu als der Audi A1, der dafür williger von unten heraus antritt. Dabei hilft dem Audi auch eine weniger lang gewählte Übersetzung der Sechsgangbox, die sich zudem leichter schalten lässt als die des Opel.Der hält bis 100km/h (8,6 zu 8,4 Sekunden) auf Niveau des ersten Golf GTI noch gut mit, gerät beim weiteren Durchbeschleunigen allerdings immer mehr ins Hintertreffen. Doch der Spaß, der kommt ja schon viel früher. Nicht nur in der Stadt, wo der quicklebendige Opel Adam S beweglicher ist als der längere Audi A1 Sportback (der dafür mit mehr Platz auf den bequemeren Rücksitzen und dem höheren Einsteigekomfort dorthin gefällt). Sondern auf der Landstraße zum Beispiel. Hier zackt der Adam einfach frecher und unbekümmerter, ganz neutral liegend, um Kurven. Animierend wirkt hier auch die direkter ausgelegte Lenkung, die dem Power-Adam mit dem strafferen Fahrwerk eine neutrale, kartähnliche Agilität verleiht.

Opel Adam S mit 18-Zoll-Felgen
Der Audi, auf 17-Zöllern für 850 Euro versöhnlicher federnd als der auf 18 Zoll großem Fuß lebende Opel (650 Euro inklusive roter Bremssättel), schmeißt sich etwas weniger willig in Kurven und zieht im Extrem Agilität aus einem überraschend kräftig drückenden Heck. Das kann forsche Anfänger ebenso irritieren wie die Nervosität, die der Opel Adam S beim scharfen Bremsen an den Tag legt.Der Opel Adam S ist schon die konsequentere und animierendere Fahrmaschine, lässt das Tempo mit seiner leicht ungestümen Art mehr spüren, strolcht gern um die Häuser und ist sicher keine Fehlbesetzung beim Slalom-Wettbewerb des örtlichen Motorsport-Clubs. Der A1 dagegen kommt wie eigentlich jeder Audi ein wenig staatstragend rüber, zelebriert die Gaudi eher, als sie pur zu vermitteln.Diese Geschliffenheit unterstreicht der Audi auch mit dem beim Ausdrehen weniger krawallig klingenden Motor, dem gesetzteren Design und der besser ansprechenden Federung. Auf Flicken und Absätzen neigt er allerdings stärker zum Poltern als der Opel Adam S, der Straffheit zum Glück nicht mit überflüssiger Härte verwechselt. Ja, Fahrwerke konnten sie schon immer bauen bei Opel.

Hochwertigerer Audi-Innenraum
Das Adam-Interieur macht ebenfalls konsequenter auf Sport, was die bequemen, aber beim Anschnallen etwas unpraktischen Sportsitze ebenso unterstreichen wie die pointiertere Gestaltung des mehrfarbig gehaltenen Cockpits. Der Audi A1 trägt mit Überzeugung Smart Casual, der Adam S fühlt sich wohler im Sportdress, ohne den Fahrer deshalb weniger ernst zu nehmen: Seine Instrumente sind kaum schlechter ablesbar als die des Audi, und auch in Sachen Bedienbarkeit kann der nicht meilenweit enteilen.Klarer, wenngleich nicht dramatisch, sind schon die Unterschiede in Materialauswahl und Verarbeitungsgüte. Aber es wäre ja auch blamabel, wenn der erheblich teurere Audi nicht wertiger wirkte. Denn wir reden hier über eine Differenz von einigen Tausend Euro, die auch dann nicht erheblich geringer wäre, wenn der Audi A1 als Zweitürer zum Test angetreten wäre: Der um 850 Euro geringere Grundpreis des Zweitürers hätte die Kostenbilanz ein wenig aufgehübscht, ihm dafür aber auch weniger Punkte im Karosseriekapitel eingebracht. Am klaren Sieg des Audi ist also nicht zu rütteln. Weil er der Typ ist, mit dem sich routiniert und effektiv zusammenarbeiten lässt. Ein langer Clubabend mit Livemusik wäre allerdings definitiv lustiger mit Adam, pardon: Äddäm.
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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-07-17

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