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Testbericht

29. November 2011

Man sollte sie nie unterschätzen oder verharmlosen. Selbst in Kleinwagen steckt großes Spaßpotenzial - vor allem, wenn sie zu diesem Zweck optimiert, sprich getunt sind. Dann können kleine Autos ein beträchtliches Ausmaß an Unterhaltungswert generieren. So wie der Audi A1 von Abt, der Mini von Schäfer Clubsport und der Smart Fortwo von Carlsson. Der Winzling aus dem Mercedes-Konzern steht nicht gerade für Zügellosigkeit. Limitierungen überall: bei der Leistung, beim Fahrwerk und beim Sound. Nur nicht beim Rangieren. Den Weg zwischen zwei Parkplätzen gestaltet Tuner Carlsson vergnüglich, indem er für ein opulentes Ambiente in Leder und Alcantara sorgt. Der Knausrigkeit des Fahrzeug-Konzeptes sollte nun eine finanzielle Großzügigkeit des Käufers gegenüber stehen. Das Bekenntnis zur äußerlichen Zurückhaltung wird mit einem clubartig ausstaffierten Innenraum belohnt. Anders ausgedrückt: Aus der Einkaufstüte wird ein Prada-Täschchen.

Carlsson Smart zeigt Zähne statt weicher Kauleiste Im Heck scheint der per Chip von 84 auf 108 PS erstarkte Einliter-Dreizylinder auf einer höheren Eigenfrequenz zu pulsieren. Jedenfalls sägt in seinem Röhren ein deutlich erkennbares Boxer-Timbre mit, als wäre es ein Porsche 911-Sound im komprimierten Klingelton-Format. Und damit übertönt das Volumen das charakteristische Staubsauger-Röcheln. Der Kleine zeigt Zähne, wo bislang nichts als eine weiche Kauleiste war. Lässt der Fahrer den gesamten Boost über die Hinterachse herfallen, dann rauchen die angetriebenen Räder zwar nicht gerade. Aber es geht so gut vorwärts, dass Beschleunigung und Schaltpausen endlich eindeutig voneinander zu unterscheiden sind. Noch immer versetzt der Smart seine Passagiere allerdings in ein zustimmendes Nicken. Trotz breiter Schlappen lässt das strenge ESP nach wie vor nicht den Hauch von Grenzbereichs-Erkundung zu. Selbst wer so defensiv und rund fährt, dass es schon an Schleichen grenzt, wird noch am Würgeband gegängelt und von der hektisch blinkenden Anzeige im Cockpit auf die scheinbare Übertreibung hingewiesen. Auf dem Weg zur Shopping-Meile lässt sich mit dem Smart Fortwo im Kreisverkehr jedenfalls keine Zeit gutmachen. Das gelingt dafür im Mini von Schäfer Clubsport, wobei ihn Kreisverkehre als Aufgabenstellung nicht fordern. Eher tun dies anspruchsvolle Kurven auf bemerkenswert schlechten Landsträßchen. Stadtflucht ist angesagt, denn dort wird er wegen seines extrovertierten Äußeren samt Leitwerk und Diffusor als Angeber abgestempelt. Dabei untertreibt er sogar - der Mini kommt einem Rennwagen so nahe, wie es die Zulassungsbestimmungen eben erlauben.

Mini mit Gebrüll auf alles was einen Radius hat Ein Blick in den Innenraum: Da stützt ein neongrüner Überrollkäfig das Greenhouse ab, in der Mitte ragt ein Schaltstock bis hinauf zum Tacho, gleich nebenan im Beifahrerfußraum liegt ein Feuerlöscher, und hinter dem Velours-Lenkrad lugt ein Digital-Display zur Anzeige der Aggregatszustände hervor. Den optimalen Blick darauf hat man aus dem Recaro-Ohrensessel nach Art eines Rallye-Boliden. Hier ist der Name Clubsport Zusage und kein Versprechen. Mit Gebrüll stürzt sich die Fahrmaschine auf alles, was einen Radius hat, setzt die Pace, lässt es fliegen und krachen und benimmt sich eines Rabauken absolut würdig. Dabei bleibt dank mechanischem Sperrdifferenzial kein Gramm Gummi zu viel in der Kurve liegen. 300 Nm schieben den Schäfer Clubsport im mittleren Drehzahlbereich vehement vorwärts, und der Turbolader holt beim Schalten geräuschvoll Luft. Das klingt wie ein Räuspern, doch bitte zügigst wieder Gas geben, damit es munter weitergeht. Zögerliche Piloten stellt der Mini bereits beim Anfahren mittels Abwürgen bloß – wer zu wenig Gas gibt, bekommt den Kleinen nicht vom Fleck; die Sportkupplung bietet nur wenig Spiel, bevor sie gnadenlos zupackt. Auch beim Schalten ist der entschiedene Griff zum hoch aus dem Bock ragenden Hebel gefragt, sonst knirscht es im Getriebe. Das Durchreißen der Gänge funktioniert fast wie bei einer sequenziellen Rennschaltung.

Schnickschnack-freier Allrounder Abt AS1 Der mit Doppelkupplungsgetriebe antretende Audi A1 von Abt wechselt die Zahnräder per Zug an den beiden Lenkradwippen - und bollert dabei im Auspuff. Das erhöht die Emotionalität beträchtlich, schließlich erlebt der Mensch Fahrspaß zu einem erheblichen Teil über die Ohren. Und der AS1 hat noch mehr hörenswerte Klangfacetten auf Lager: Schon beim Anlassen bellt er, um anschließend bei Vollgas im mittleren Drehzahlbereich zu fauchen. Nach außen gibt sich der Audi dabei dezent, trägt seinen Sound-Pelz quasi nach innen. Sehr stilvoll, wie der schwarz-weiße AS1 gänzlich frei von Schnickschnack auftritt und damit als Geschäftswagen taugt. Der wilde Tanz beginnt nach Feierabend, wenn sich der Abt per Lastwechsel auffordern lässt und - eins, zwei, drei - die prinzipbedingte Frontlastigkeit des Audi A1 in heckaktive Wechselschwünge ummünzt. Richtig dosiert führt das zu einer Neutralität, die unter Fronttrieblern selten anzutreffen ist und sogar dem Mini Konkurrenz macht - bei deutlich besserem Komfort trotz 18-Zoll-Rädern und Tieferlegung um 25 Millimeter via kürzere Sportfedern; die Langstrecken-Tauglichkeit bleibt voll erhalten. Damit positioniert sich der Abt als Allrounder, zumal er seinen Fahrer trotz allen Ehrgeizes niemals ins Schwitzen bringt. Der Vierzylinder fühlt und hört sich nach einem Zweiliter an, doch in Wahrheit rumort ein Hubraum-Zwerg mit 1,4 Liter unter der Fronthaube, der sich seinen Akzent vom VW Golf GTI angeeignet hat - genauso wie dessen flotte Turbo-Ansprache bei Vollgas. Da wird nicht lange gefackelt, sondern auf breiter Front angeschoben - ganz wie bei den Großen. Die jedenfalls müssen sich in Acht nehmen, wenn sie beim Thema Fahrspaß bei diesen Kleinen mithalten wollen. Ein Wort, das auf die geringe Außenlänge der drei Getunten anspielt, beschreibt das Erleben mit ihnen hinlänglich: Kurzweil.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-11-29

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