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Testbericht

11. November 2010

Wieder hat einer aus der anonymen Deckung eines Internet-Forums heraus auf den Audi A1 angelegt und eine Salve Spott abgefeuert. Hat ihn einen geschminkten VW Polo genannt und alle verhöhnt, die für solch ein Blendwerk überhöhte Preise bezahlen. Merkwürdigerweise wird dann ein ums andere Mal der Mini als schlauere Alternative angeführt. Offensichtlich fühlen sich die Anhänger des kleinen Brit-Bajuwaren in die Ecke gedrängt - vom neuen Premium-Konkurrenten aus Ingolstadt, der zum Test antritt.

Audi A1 macht auf edel Vorn der böse Blick, die riesigen Plaketten-Nüstern und rundherum die so genannte Tornado-Linie - ein Falz, der sich um den Audi A1 zieht. Das reicht offensichtlich, um das Dynamik-Lager anzustacheln. Dazu der Dachholm in Kontrastfarbe und große Räder, schon fühlt sich die Schick-is-beautiful-Fraktion auf die Füße getreten. Und der Hinweis auf die Polo-Verwandtschaft muss herhalten, um den Neuling kleinzureden. Dabei macht der Audi A1 im Test überzeugend auf edel. Kein anderer Kleinwagen empfängt seine Passagiere in einem ähnlich exquisiten Umfeld wie der Audi A1. Die vier Lüftungsdüsen erinnern an Turbinen, und ihre Manschetten lassen sich in verschiedenen Farben konfigurieren. Den hier zum Test antretenden Audi A1 1.4 TFSI Ambition, also die gehobene Ausstattung, zieren Einstiegsleisten, Drehregler und Lichtschalter in Aluminium-Optik. Lenkrad-Kranz, Handbrems-Griff und Schalthebel sind mit Leder bezogen. Audi gelang im A1 ein einzigartiges Ambiente Kein zweiter Kleinwagen verbannt Hartkunststoff so konsequent in die Versenkung wie der Audi A1. Bis tief in den Fußraum müssen die Fingernägel im Test vordringen, um ein kratziges Geräusch zu erzeugen. Satt klickende Regler, die wohlgeordnete Bedienung, viele Ablagen und nicht zuletzt das generöse Platzangebot vorn lassen den Verstand tatsächlich an der niedrigen Fahrzeug-Kategorie zweifeln. Hier gelang Audi ein einzigartiges Ambiente. Euphorisiert will man die Sitzprobe eine Reihe weiter hinten fortsetzen - und stößt im Test an die Grenzen des Audi A1. Vorne residiert die Oberschicht, hinten haust das Proletariat. Nur scheinbar rücken die Vordersitze einladend nach vorne. Trotz Easy-Entry-Funktion (erst ab Ambition Serie) will der Fond des Audi A1 mit Akrobatik erobert werden. Älteren sollte man den Zustieg ersparen, ausreichend Platz ist nur für zwei Kinder, was den Audi zum Zwei-plus-Zweisitzer macht. Erwachsene stoßen sich den Kopf am steil abfallenden Dachhimmel und registrieren ernüchtert, dass sie ins Zweite-Klasse-Abteil des A1 abgeschoben wurden. Die Material-Anmutung ist umgekehrt proportional zum vorderen Bereich - einfachster Kunststoff. Hier ist der Audi nicht mehr als klassentypisch. Ähnlich wie im Mini wird die Rückbank meist leer bleiben. Sportsitze und Sportfahrwerk sind ab Ambition serienmäßig Zweite Parallele: Der Audi A1 soll die Persönlichkeit seines Käufers unterstreichen, etwa mit den farblich abgesetzten Dachbögen und Spiegelgehäusen. Audi verspricht rund 800 Kombinations-Möglichkeiten, um sich seinen Maß-Audi A1 von der Stange zu konfigurieren. Auch das bestätigt den Lifestyle-Willen dieses Kleinwagens. Weite Radlauf-Bögen zeigen, dass der Designer von Riesen-Rädern geträumt hat, mindestens von den 17-Zöllern des S-Line-Pakets (1.670 Euro). Dazu passt, dass bei der höheren Ausstattungslinie Ambition perfekt stützende Sportsitze serienmäßig sind - und ein Sportfahrwerk. Hier soll der Audi A1 wohl dem Mini um die Ohren fahren. Audi A1 bietet kaum Federungskomfort Querdynamik-Fantasien darf die Marketing-Abteilung ruhig haben, solange sich die Fahrwerks-Truppe darauf besinnt, was Premium ausmacht: ein hervorragender Federungskomfort. Als bisher hochwertigster Kleinwagen legt der VW Polo die Messlatte - und der Audi A1 reißt. Egal ob in der Stadt, über Land oder auf Fernstraßen: Mit den optionalen 17-Zöllern rollt der Audi A1 im Test hart ab, nimmt Querfugen-Peaks nur die Spitzen und lässt derbe Bodenwellen bis in den Rücken schießen. Statt im Mini kann man sich künftig auch im Audi A1 den Hintern versohlen lassen. Besonders dürfte das mit den 18-Zöllern (ab 1.450 Euro) knallen. Basis-Abstimmung des Fahrwerks ist straff genug Ernüchtert fragt man sich, ob Dynamik im Kleinwagen wirklich so bedeutend ist. Der nächste Kick ins Kreuz gibt die Antwort: Audi A1 Ambition-Kunden sollten vom serienmäßigen Sportfahrwerk aufpreisfrei auf die schonendere, aber immer noch straffe Basis-Abstimmung (Dynamikfahrwerk) umbestellen. Generell ist die Spur breiter und die Feder-Dämpfer-Abstimmung härter als beim VW Polo. Dessen Achsen trägt der Audi A1 unter seinem schicken Blechkleid, vorne nach dem McPherson-Prinzip mit unteren Dreiecksquerlenkern, hinten als Verbundlenker-Konstruktion mit getrennten Federn und Dämpfern. Am Heck setzen die Audi-Ingenieure geänderte Führungslager ein, an der Front zusätzlich neue Stabilisatoren. Im Slalom-Parcours zeigt der Audi A1 sein ganzes Talent Schon in den ersten Kurven spürt man den Ehrgeiz. Tatsächlich lenkt der mit 17-Zöllern (ab 700 Euro) bereifte Audi A1 im Test zackig ein. Füttert der Fahrer jetzt mit dosiertem Gaseinsatz den Vortrieb leicht an, so zieht der Audi A1 weiter in die Kurve hinein, statt zum Rand hin abzutreiben. Das motiviert wiederum für die nächste Linienwahl, zumal die direkte elektrohydraulische Servolenkung jederzeit unmissverständlich den Abstand zum Grenzbereich bemisst. Zusätzlich stemmt sich die aus dem VW Golf GTI bewährte, elektronisch geregelte Quersperre gegen das bei Fronttrieblern typische Untersteuern. Im Slalom-Parcours zeigt der Audi A1 im Test sein ganzes Talent, wedelt aufgeweckt, aber besonnen um die Pylonen und hinterlässt beeindruckte Tester. Ein Blick in die auto motor und sport-Datenbank sortiert den Audi in den Bereich der Sportskanonen. Bislang pfiffen nur der Renault Clio 2.0 16V 200 und der Mini Cooper S signifikant schneller um die Hütchen. Deren zivile Varianten hat der Audi A1 jedenfalls voll im Griff. 122-PS-Benziner beschleunigt den A1 in rund neun Sekunden auf 100 km/h Bei diesen Vergleichen fällt auf, dass man den Audi A1 im Test motorisch deutlich höher einsortiert - doch sein 1,4-Liter leistet nur 122 PS. Mittels Turbolader stemmt er aber ein maximales Drehmoment von 200 Nm. Genug, um im Alltag nur selten den Wunsch nach mehr aufkeimen zu lassen. Rund neun Sekunden auf Tempo 100 sollten selbst gesunden Vortriebs-Appetit befriedigen, ebenso 203 km/h Höchstgeschwindigkeit. Nicht einmal bei diesem Tempo wird es im Audi A1 im Test laut; die Geräuschdämmung orientiert sich erfolgreich an Audis großen Modellen. Dank langer Übersetzung dreht der Motor im sechsten Gang relativ gemütliche 4.000/min, was fast schon dieselartigen Drehzahlen entspricht. Beim Dahinrollen oder Bremsen rekuperiert der A1 ein wenig, der Generator speichert also Bewegungsenergie in der Batterie. Und bei Stillstand in der Stadt, etwa im Pendler-Stau, schaltet das Start-Stopp-System des A1 den Motor ab. Audi A1-Infotainment stammt direkt aus der Oberklasse Der A1 bietet die wesentlichen Voraussetzungen zum Spritsparen serienmäßig. Und sie zeigen im Test Wirkung: Dezente Gasgeber kommen im Schnitt mit 5,2 Liter auf 100 Kilometer aus, im Test-Mittel nimmt der downgesizte Direkteinspritzer 7,2 Liter - und das bei den offensiv ausgelebten Sport-Ambitionen. Hier zahlt sich das früh anliegende Drehmoment-Maximum aus. Diese Charakteristik regt nicht zum Ausdrehen der Gänge an. Auch deshalb bleibt es im Audi A1 meist leise, und der fein verwobene Klangteppich des optionalen Bose-Soundsystems kann sich ausbreiten. Das Infotainment des A1 stammt direkt aus der Oberklasse, genauso wie der Fernlichtassistent samt Licht- und Regensensor, Bi-Xenon-Scheinwerfern und einer Vielzahl von Möglichkeiten, den Innenraum mit Leder oder Aluminium-Optik nach Wunsch zu gestalten. Fahrwerk kostet den A1 im Test den fünften Stern So lässt sich tatsächlich ein Premium-Kleinwagen konfigurieren, für den anschließend natürlich ein Premium-Preis berechnet wird. Dabei kostet der Audi A1 als 1.2 TFSI mit 15.800 Euro nur etwa 500 Euro mehr als ein 85-PS-Polo und ein Basis-Mini mit 75 PS, aber 5.000 weniger als der günstigste Audi A3. Vorwürfe, der Audi A1 sei die überteuerte Version eines VW Polo, entpuppen sich demnach als plumpe Meinungsmache. Offensichtlich haben hier Mini-Fans zu Recht geahnt, dass der kleine Audi ihrem Liebling gefährlich werden könnte. Das erste Aufeinandertreffen dürfte spannend werden. Denn tatsächlich orientiert sich der Audi A1 eher am markigen Mini als am ausgeglichenen VW Polo. Mit Konsequenzen: Seine Fahrwerks-Bockigkeit bringt den Audi A1 im Test um den fünften Stern.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-11-11

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