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Testbericht

16. Juli 2009

Von wegen Raucherpaket gegen Aufpreis: Bei Aston Martin bekommt man einen Zigarrenanzünder samt Kristallglas-Aschenbecher - und zwar serienmäßig. Für 253.850 Euro im Aston Martin DBS Volante; eine der stilvollsten Arten, es mal richtig rauchen zu lassen. Angesichts der Macht und Herrlichkeit seiner 517 PS dürfte sich die Zigarrenasche ebenso nachhaltig in alle Winde verteilen wie der Schallteppich des Sechsliter-V12. Dicht, dumpf, dominant, eine Hymne auf die oberen Zehntausend. Schon beim Druck auf den Startknopf - ein Statement aus Kristallglas, Metall und Klavierlack - gönnt der Zwölfzylinder seiner Umgebung einen Aufwach-Brüller.

Allerdings kitzelt es dabei, ähnlich wie beim Fahren, in den Ohren Umstehender stärker als in denen der Insassen. Obwohl zwischen ihnen und den Elementen nur das stramm sitzende Stoffdach mit seiner isolierenden Extra-Lage (aus dem Mikrofaserstoff Thinsulate) liegt. Die vier Seitenscheiben versinken auf Knopfdruck getrennt oder gemeinsam. Ein weiterer Knopfdruck sorgt für komplette Freiheit: Binnen 14 Sekunden schlüpft das Verdeck unter den Deckel mit den zwei Speed-Buckeln. Sie unterstreichen den Sportsgeist des schnellen Briten, schließlich bedeutet Volante so viel wie "Bewegung mit Lichtgeschwindigkeit". Na ja, ganz so schnell ist der 1,8-Tonner nicht, aber wer ihn mit durchgetretenem Gaspedal reizt, kommt in 4,3 Sekunden auf Tempo 100. Schluss soll erst bei versprochenen 305 km/h sein - was sich auf mittelenglischen Pisten jedoch nicht überprüfen ließ. Selbst schalten? Möglich, aber nicht nötig. Auf Wunsch - gegen Aufpreis - butlert die "Touchtronic 2" genannte ZF-Automatik. Sie wechselt ihre sechs Stufen zügig, sanft und treffsicher, im Sport-Modus nochmals zackiger. Sie hassen Bevormundung? Dann können Ihre Fingerkuppen via Lenkradpaddeln aus Magnesiumguss mit Lederbezug das Kommando übernehmen - reviermarkierendes Zwischengasbellen beim Runterschalten inklusive. Hochschaltvorgänge am Begrenzer bei 6.900/min unterstreicht der DBS ebenfalls mit deftigem Auspufftrommeln. Im Gegensatz zum DB9 soll der Aston Martin DBS beißen können Damit der Pilot beim Längs- und Querbeschleunigen nicht in den persönlichen Begrenzer gerät, haben die Aston-Ingenieure bereits den geschlossenen DBS fürsorglich abgestimmt. Baureihenleiter Andy Haslam beteuert, dessen volle Performance in den rund 130 Kilogramm schwereren Volante hinübergerettet zu haben. Im Gegensatz zu den offenen Aston Martin DB9 , die Genießer mit einer sanften Auslegung umgarnen, soll der DBS beißen können. Volle Attacke auf verschwurbelten englischen Nebenstrecken bedeuten allerdings feuchte Handflächen. Die Pisten folgen sklavisch topografischen Vorgaben. Kuppen, zuziehende Kurven und überraschende Engstellen verschmelzen zu einer dauerhaften Herausforderung. Vor allem an Bord eines - inklusive Außenspiegeln - 2,06 Meter breiten Sportwagens. Zum Glück verzögert seine serienmäßige Keramik-Bremsanlage, als ob sich der Abschlepphaken im Fangseil eines Flugzeugträgers verheddert hätte - die Breite lässt sich jedoch nicht wegdiskutieren.

Aston Martin DBS Volante: Zwölf Zylinder, Karbonhaube und feinstes Leder Dafür kaschieren die adaptiven Bilstein-Dämpfer nahezu alles, was verwunschene Sträßchen an Gemeinheiten hergeben. Angemessen straff und ohne ungebührliche Härten tasten die Doppeldreiecksquerlenker vorn sensibel das Terrain ab, während sich der Rest des DBS mit seinem Transaxle-Prinzip (Getriebe an der Hinterachse) erfolgreich um Gewichtsbalance bemüht. Gar nicht so einfach, wenn vorn ein schwerer Zwölfzylinder durch die Kühlluftöffnungen in der Karbonhaube schnüffelt. Ebenfalls zu sehen: die breiten Aluminium-Domstreben, die gemeinsam mit verstärkten Hilfsrahmen vorn und hinten rund 75 Prozent der Coupé-Steifigkeit ins Cabrio hinüberretten sollen. Und das klappt: Karosseriezittern oder Unschärfe bei der Zielgenauigkeit haben die von wenig ergonomischen Sitzen umfassten Insassen nicht zu befürchten. In feinem Supercar-Umfeld, umgeben von Glatt- und Rauleder, Aluminium, Glas und Kohlefaser, erleben sie, wie der DBS Volante Andy Haslams Versprechen hält.

517 PS starker V12 im Aston Martin-Cabrio Die Lenkung arbeitet ebenso lässig wie der Motor, dem man seine 517 PS erst nach Blick auf die rapide ausschlagenden, gegenläuigen Nadeln von Tacho und Drehzahlmesser abnimmt. Der V12 spricht - selbst im Sportmodus - sanft an, dreht ohne überraschende Spitzen durchs Drehzahlband. Weder die Differenzialsperre noch die hinteren 295er-Pirelli P-Zero haben bösartige Überfälle zu befürchten. Schließlich sollen bei einem Aston Martin ja auch nur die Zigarren und nicht die Reifen rauchen.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2009-07-16

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