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Testbericht

7. Dezember 2008

Es bringt ja auch nichts. Schon weil das nur zu Frustration und damit umgehend in die persönliche Finanzkrise führt, verkneifen wir es uns umzurechnen, was diese Summen in D-Mark gewesen wären. Außerdem sehen die Grundpreise für diese Kleinwagen schon so stattlich genug aus: 22.840 Euro kostet der Mini Cooper D mit dem Chili-Paket, beim Alfa Romeo Mito 1.6 JTDM 16V in der Turismo-Ausstattung sind es 19.450 Euro. Und dann ist man noch nicht einmal durch die Preislisten marodiert, die so dick ausfallen, dass normale Heftklammern sie nicht zuverlässig zusammengetackert bekommen. 19 Seiten sind es beim Mito, 32 beim Mini. In beiden Fällen preisen mehrere Blätter darin Schnickschnack an, mit dem sich die Autos aufhübschen lassen - durch Hauben-, Dach- und Flankensticker, Chromleisten, bunte Außenspiegelkappen oder beim Mito gar durch farbige Rahmen für die Scheinwerfer und LED-Heckleuchten.

Autolegende Beim Mini hat man sich schon fast daran gewöhnt, dass er mit ein paar Extras in der Preisregion von Mittelklasselimousinen herumwildert, beim kleinen Alfa Romeo irritiert das noch. Denn dem Cooper hängt die ganze Swinging-Sixties- und Rallye-Monte-Carlo-Folklore seiner Ahnen an den Hacken, das Original wurde zur Autolegende. Dem Mito dagegen fehlt diese historische Basis noch, weshalb sich das Alfa-Marketing auch bemüht, eine Verbindung zum Supersportwagen 8C herzustellen. Es wird dem Erfolg kaum schaden, dass Alfa seinen Kleinen etwas günstiger anbietet. So bleibt der im Turismo-Paket umfangreich gerüstete Mito ausstattungsbereinigt fast 3.000 Euro unter dem 36 Zentimeter kürzeren Mini in der vollwertigen Chili-Ausstattung. Die größeren Abmessungen nutzt der Mito kaum. Nur beim Kofferraumvolu- men übertrifft er den Cooper deutlich. Man versteht beide besser als 2 2-Sitzer denn als echte Viersitzer. Auf den Rückbänken sitzen Erwachsene klaustrophobisch. Gegen 180 Euro Aufpreis liefert Alfa den Mito als Fünfsitzer - wie allerdings drei Passagiere im Fond unterkommen sollen, bleibt unklar. Vorn bieten sowohl Cooper als auch Mito genügend Platz und bequeme Sitze – die des Alfa sind sportlicher geschnitten, die des Mini legerer.

Leicht überschaubar Beim Mito schränken jedoch die stark geneigten A-Säulen und die niedrige seitliche Dachkante das Raumgefühl, die breiten C-Säulen und der vanartige Vorbau dazu die Rundumsicht ein. Rangieren klappt kaum ohne Parkpiepser. Der Cooper dagegen lässt sich so leicht überschauen und parkieren wie ein Motorroller. Nur im Cockpit mit der tief angebrachten Kippschalterleiste und dem außerhalb des Blickfelds liegenden Mitteltacho kann der Fahrer mal den Überblick verlieren. Das Mito-Cockpit ist übersichtlicher und praktischer. Eher pragmatisch handelten die Alfa- Entwickler beim Fahrwerk, dessen Layout sie vom Fiat Grande Punto übernahmen - Einzelradaufhängung vorn, Verbundlenkerachse hinten. Das Ganze peppt Elektronik auf: Über radselektive Bremseingriffe soll die Wirkung eines Sperrdifferenzials erzielt werden. Mit dem DNA-System lassen sich drei unterschiedliche Modi für Lenkungs-, Gaspedal-, ESP- und ASR-Abstimmung abrufen, was beim Diesel deutlich spürbarer ist als beim Benziner. Selbst bei Nässe bringt der Mito seine Kraft so ohne Drama auf die Straße – auch im Dynamic-Modus, wenn sich per Overboost das maximale Drehmoment um 40 auf 320 Nm steigert und die Traktionskontrolle mehr Schlupf zulässt. Auch das ESP greift später ein, zudem liefert die Lenkung mehr Widerstand. Sie kann aber in keinem Modus überzeugen, weil sie immer zu viele Stöße und zu wenig Rückmeldung weitergibt und in Normal und All Weather träge anspricht. In Kurven untersteuert der Mito spät, dann aber deut- lich. Bei Lastwechseln schwenkt das Heck etwas zu mutig aus, bevor ESP eingreift. Problem des Mito: dass der Cooper D der Harmonischste des Mini-Rudels ist und Techniker beim Fahrwerk mehr Aufwand betreiben durften - Einzelradaufhängung rundum, hinten wie bei Rennwagen mit Doppelquerlenkern. Damit kann der Mini alles ein wenig besser, der Fahrer erlebt unmittelbarer. Der Unterschied zwischen Mini und Mito fühlt sich an, als ob man bei einem Open-Air-Konzert in der zweiten statt in der fünften Reihe steht. Im Mini passiert alles ungefilterter und den Bruchteil einer Sekunde früher.

Sportliches Handling Die Lenkung ist noch präziser, Kurven umrundet der Mini gieriger, dazu neutraler, bei Lastwechseln drückt sein Heck sanfter nach außen. Es gibt auch hier einen Sport-Modus, in dem Gaspedal und Lenkung bissiger ansprechen - unnötig, die 130 Euro Aufpreis kann man sich sparen. Trotz des sportlicheren Handlings übertrumpft der Mini den Mito beim Fahrkomfort. Niemand erwartet von den zwei Kleinwagen besonderes Federungsvermögen. Doch während der Cooper Unebenheiten nur bei niedrigem Tempo durchlässt, darüber stramm, aber nicht unkomfortabel federt, stören am Mito die ruppigere Abstimmung und das altbekannte Alfa-Leiden einer ständig stuckernden Vorderachse selbst auf topfebener Bahn. Auch beim Antrieb erreicht der Alfa nicht die Harmonie eines Mini. Die Abstufung der Mito-Sechsgang-Box passt, doch lässt sie sich nicht so präzise schalten wie das Sechsganggetriebe des Cooper. Der durchzugskräftigere Motor des Alfa hat die alten Turbodiesel-Manieren nicht ganz abgelegt, muss wie eine Feuerwerksrakete erst aus dem Drehzahlkeller emporsteigen und verfeuert sein ganzes Drehmoment dann gleich auf einmal. Die Charakteristik des Mini-Motors gleicht einer Wunderkerze: Er bringt nicht gar so viel Zunder zustande, brennt aber homogen über den ganzen Drehzahlbereich ab. Auch das Cooper-Triebwerk hat eine Overboost-Funktion. Wenn dem Motor kurzzeitig mehr Kraftstoff eingespritzt wird, leistet er 20 Newtonmeter mehr. So ist der leichtere Mini nie langsamer, aber immer kultivierter und sparsamer. Dass sie sich günstig unterhalten lassen, mindert etwas den Schreck über die hohen Neupreise von Mito und Cooper D. Das waren mal 38.040,89 und 44.671,16 DM. Jetzt haben wir es doch umgerechnet. Jetzt bloß nicht auch noch sagen: "Warten Sie, ich hab’s klein".

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2008-12-07

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