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Testbericht

8. Januar 2010

Es klingt immer noch wie eine Geschichte aus ferner Zukunft, wenn Autos automatisch bremsen, beschleunigen und den korrekten Abstand zum Vordermann einhalten. Doch solche Abstandsregeltempomaten sind schon seit neun Jahren Realität auf deutschen Straßen. 2006 führte auto motor und sport zusammen mit dem TÜV Süd als erste und weltweit einzige Zeitschrift einen umfangreichen Test dieser kurz ACC (Adaptive Cruise Control) genannten Systeme durch.

Haben sich die Abstandsregeltempomaten wirklich verbessert? Damals waren die radargestützten Anlagen noch sehr teuer und der Oberklasse vorbehalten, doch inzwischen dürfen sich auch Mittelklasse-Fahrer ab rund 1.100 Euro extra stressfreier ans Ziel bringen lassen. Schauen wir noch einmal zurück ins Jahr 2006: Obwohl sich die Systeme im Kolonnenverkehr wacker schlugen, übte auto motor und sport starke Kritik am Abstands- und Beschleunigungsverhalten. Die Autos nahmen zäh wie ein Kaugummi wieder Fahrt auf und schafften es zum Teil nicht, den Fahrer mit korrektem Abstand von den Flensburger Punkterängen fernzuhalten. Kann das die Generation 2009? An der Funktionsweise hat sich nichts geändert An der prinzipiellen Funktionsweise hat sich schließlich nichts geändert: Ein in der Frontpartie installiertes Radar misst mit einem keulenförmigen 77-GHz- Messstrahl (Fernradar) den Abstand zum Vordermann. Besonders aufwendige Systeme wie das im BMW 5er arbeiten zudem noch mit einem 24-GHz- Radar, der die Erkennungsbreite im Nahbereich erhöht. Seine drei Konkurrenten setzen dagegen allein auf die Werte des Fernradars. Auf dieser Basis regeln die von der Elektronik gesteuerten Gas und Bremse die Distanz passend zum Tempo ein. Der Fahrer kann je nach Auto aus vier bis fünf Abstandsstufen wählen. Minimal ist immer eine Zeitlücke von etwa einer Sekunde, was in Meter umgerechnet etwas mehr als einem Viertel des Tachowerts entspricht. Wer das einhält, bekommt zumindest kein Bußgeld.

Die ACC-Systeme lösen Probleme unterschiedlich Im Gegensatz zum ersten Test haben die modernen Mittelklassewagen bei moderaten Geschwindigkeits-Differenzen zum Vordermann keinerlei Probleme, diesen Mindestabstand einzuhalten. Nur der Ford Mondeo unterschreitet beim Auffahren von 130 km/h auf 90 km/h kurzzeitig leicht die Vierteltacho-Grenze. Viel schwerwiegender ist indes, dass bei einem Geschwindigkeitsplus von 80 km/h zum Vordermann der Ford-Fahrer mitbremsen muss, um einen Unfall zu verhindern. Sein ACC System erkennt die Situation über 13 Meter später und reagiert zu langsam. Die anderen drei Systeme lösen die Situation problemlos, wenn auch auf unterschiedliche Art: Der VW steht auf starke, ruppige Bremsungen, der BMW auf frühzeitige, wenn auch im Schnitt nicht besonders kräftige Verzögerungen und der Audi auf reaktionsschnelles, harmonisches Heranbremsen. Allein der BMW 5er beherrscht das automatische Losfahren Scheren die Autos wieder auf die linke Spur aus, um dann selbsttätig zu beschleunigen, ergeben sich ähnliche Charaktere. Der Audi beschleunigt früh, aber etwas zögerlich, während der BMW automatisch beherzt Gas gibt. Sowohl der VW Passat als auch der Ford Mondeo brauchen dagegen lange Zeit, um in Schwung zu kommen. Ein zusätzliches Handikap beim Ford-Testwagen ist das Schaltgetriebe - ein ungeeigneter Partner für ein ACC System. BMW 5er und Audi A5 holen sich ihren Reaktionsvorteil durch einen kleinen, aber cleveren Trick: Sobald der Fahrer den Blinker links betätigt, gibt die Elektronik Feuer frei fürs Gas. Bleibt das vorausfahrende Auto zackig stehen, spielt der BMW den Vorteil seiner beiden Radarsysteme aus und bremst bis zum Stillstand. Der Münchner Business-Jet beherrscht als Einziger im Test auch das automatische Losfahren im Stop-and-go-Verkehr.

Alle Systeme warnen vor einer drohenden Kollision Im VW Passat CC bekommen die Insassen im Extremfall mehr als 0,4 g starke Bremsungen bis zum Stillstand zu spüren - gut für die Sicherheit. Deutlich vernehmlich pumpt dabei die einfach ausgeführte Bremsanlage - schlecht für den Komfort. Losfahren muss der VW-Fahrer allerdings wieder selbst. Sowohl der Audi A5 wie der Ford Mondeo steigen bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten mit einem Warnton aus der automatischen Verzögerungs-Party aus. Auch das hat sich im Vergleich zu 2006 verbessert: Alle Systeme warnen recht deutlich vor einer drohenden Kollision oder zu nahem Auffahren. Da kein Autofahrer dieser Welt ständig voll konzentriert ist, gehört diese Hilfe zu den größten Vorteilen von ACC-Systemen. Selbst bei abgeschalteter Abstandshaltung dienen sie so der Sicherheit der Auto-Insassen. Bei der Bedienung dürfen indes alle noch mal rüber zum Klassen-Primus Mercedes schielen, der mit seiner genialen Lenkradhebel-Lösung zeigt, wie es einfach geht. Das teuerste und aufwendigste ACC-System gewinnt Vor allem Neulinge werden sich an den zahlreichen Lenkrad- Knöpfen und der Logik des Ford Mondeo die Fingerkuppen ausbeißen. Die als Hebel ausgeführten Bedieneinheiten der drei anderen Testwagen liegen zudem alle hinter dem Lenkrad versteckt, und die Einstellung der Abstandsstufen gerät mit kleinen Wippschaltern sehr fummelig. Den Sieg holt sich knapp das teuerste und aufwendigste System im BMW 5er . Der Audi gefällt mit seiner komfortablen Regelung und der schönen Abstandsgrafik, der VW überzeugt mit schierer Bremskraft, und beim Ford Mondeo gibt es noch eine Menge zu tun. Audi A5 Sportback Der Audi ist der elektronische Feingeist im Test: Er regelt am harmonischsten und lässt seinem Fahrer als einziger die Wahl zwischen verschiedenen Dynamikstufen seines ACC-Systems. Bei der maximalen Verzögerung liegt er mit ordentlichen 2,9 m/s² zwar nicht an der Spitze, aber dafür reagiert er am schnellsten. Sehr selten zeigt er auf der Autobahn Fehl-Erkennungen. auto motor und sport Urteil: sehr empfehlenswert BMW 5er Der BMW 5er deckt das breiteste Geschwindigkeitsspektrum ab und beherrscht mit seinen beiden Radarsystemen (Fern und Nah) auch den Stop-and-go-Verkehr. Sein Regelungskomfort ist gut, zudem beschleunigt er vehement beim Ausscheren. Was seine guten Leistungen jedoch trübt, ist die nicht immer zuverlässige Erkennung von Motorrädern oder in Kurven. auto motor und sport Urteil: sehr empfehlenswert VW Passat CC Stark und konsequent bremst das günstigste ACC-System im Test sogar bis zum Stillstand. Das dient der Fahrsicherheit. Seine unharmonische Regelung geht aber zu Lasten des Fahrkomforts. So stören auch die stufenartige Regelung und die Pumpgeräusche der Bremse. Beim Ausscheren wartet der VW Passat zu lange, bis er wieder beschleunigt. auto motor und sport Urteil: empfehlenswert Ford Mondeo Mit seinen späten, schwachen und unharmonischen Reaktionen ist der Mondeo der Verlierer des ACC-Tests. Beim Auffahren mit großem Geschwindigkeitsüberschuss muss sogar der Fahrer eingreifen. Zudem erkennt sein System Objekte deutlich später als die der Konkurrenten. Seine schwache Beschleunigung liegt zum Teil daran, dass er mit Schaltgetriebe zum Test antrat. auto motor und sport Urteil: nicht empfehlenswert

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-01-08

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