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Testbericht

22. Oktober 2012

Jetzt ist es aber gut. Spätestens beim Anblick des Nissan Murano Cabrio, eines offenen SUV mit Dynamikfantasien und Lifestyleambitionen, merken wir, dass wir in den letzten Jahren wohl zu exzessiv gecrossovert und sport-utility-utilisiert haben. Und uns zu sehr bemühten, Autos zu verstehen, die Dinge immer nur fast so gut wie konventionellere Konzepte konnten. Was war denn so falsch an Kombis, die das, was sie sollen, einfach richtig gut beherrschen? Solche wie Audi A4 Avant und VW Passat Variant. Vor allem, wenn sie ihre Fähigkeiten in den Versionen Allroad und Alltrack durch Höherlegung und Allradantrieb um das Stück Kraxelfreiheit erweitern, das SUV uns versprechen. Dabei bewahren sie ihr volles Kombitalent, alle Alltagstauglichkeit, die meiste Dynamik und das Komfortaroma.

VW Passat Alltrack mit 98 bis 286 Liter mehr Volumen Mittlerweile 39 Jahre Kombi-Kompetenz der Baureihe zeigen sich im VW Passat Alltrack in einem hallenhaften Laderaum, der den des Audi A4 Allroad um 98 bis 286 Liter übertrifft. Dazu bietet er praktische Details wie die federvorgespannte Rücksitzlehne, die sich sicher per Fernentriegelung flachlegt. Wer sich an der so noch leicht ansteigenden Ladefläche stört, kann zuvor die Sitzfläche aufstellen. Das ebnet den Kofferraum nicht nur komplett ein, sondern schützt Pilot & Co. zudem vor verrutschendem Gepäck. Für die große Familienreise fährt er dazu optional Haltestangen und Verzurrnetze oder zwei integrierte Kindersitze auf der Rückbank auf. Bei nur fünf Zentimeter mehr Außenlänge und trotz 9,5 Zentimeter weniger Radstand beherbergt der VW Passat Alltrack die Fahrgäste viel freiräumiger als der Audi A4 Allroad, dessen Längsmotor-Layout zu Lasten des Platzangebots geht. Während die Passat-Passagiere barrierefrei vorn auf etwas hoch montierte, kuschelige Sitze und hinten auf die breite Dreierbank steigen, müssen sich Avant-Insassen durch schmalere Fondtüren auf die weit unten montierte, schmalere Couch fädeln. Audi A4 Allroad weniger variabel Die tiefe Position der noch bequemeren Vordersitze integriert die Besatzung jedoch mehr ins Auto. Seine eher dynamische Auslegung zeigt der Audi A4 Allroad auch in seiner flacheren Dachlinie. Sie fühlt sich mehr der Schönheit als dem Sperrgut verpflichtet, mindert zudem den Kopfraum im Fond. Dass dem Avant diese ganze Einpackerei kein besonderes Anliegen ist, beweist er zudem mit seiner geringen Variabilität – nur die Rücksitzlehne klappt asymmetrisch.

Ambitionierter gibt sich der Audi A4 Allroad Quattro 2.0 TDI bei der Bedienung. Zwar erreicht das MMI mit Dreh-Drücker und vielen Tasten nicht die Qualität von BMWs i-Drive, wirkt aber deutlich moderner als das träge, tiefer positionierte VW-Infotainment mit verworrener Menüstruktur. Ansonsten pflegen beide etwa mit jeweils verschachtelten Bordcomputermenüs oder der umständlichen Aktivierung der Assistenzsysteme markentypische Eigenheiten. Die gibt es auch bei der Ausstattung: So leistet nur der VW Passat Alltrack 2.0 TDI 4Motion mit einem besonders stabilen Unterfahrschutz, einer Offroad-Kennlinie für Motor, Getriebe, Differenzial und ABS sowie Bergan- und -abfahrhilfe sachte Offroad-Unterstützung. Audi A4 Allroad Quattro 2.0 TDI mit 7 PS und 30 Nm mehr Die Vorteile, die er damit bei kleinen Kraxeleien haben mag, gleicht der Audi A4 Allroad Quattro 2.0 TDI beim Antrieb aus. Drei kleine Unterschiede – sieben PS und 30 Nm mehr Drehmoment sowie ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe statt des Sechsstufen-DSG im Passat – summieren sich zu temperamentvolleren Fahrleistungen. Allerdings legt die schwächere Version des Zweiliter-TDI im VW Passat Alltrack 2.0 TDI 4Motion subjektiv ebenso vehement los. Die Nachteile der Sechsgangbox beschränken sich auf trägere Umsetzung von Schaltpaddel-Befehlen, unsensibleres Einkuppeln beim Rangieren und ein unwesentlich höheres Geräuschniveau.

Es ändert nichts am komfortablen Charakter des VW Passat Alltrack 2.0 TDI, der – im Fall des Testwagens gegen 1.100 Euro Aufpreis adaptivgedämpft – kurze wie lange Unebenheiten beflissen abfedert. Dass er dieselbe Punktzahl erreicht wie der konventionell gedämpfte, grundsätzlich straffer abgestimmte A4, liegt einerseits an den stärkeren Karosseriebewegungen, zum anderen aber auch daran, dass Audi den A4 Allroad – anders als den normalen 3.0 TDI im letzten Vergleich – angenehm komfortabel abstimmt. Ohne Nachteile bei den Fahreigenschaften: Seine elektrisch unterstützte Servolenkung bietet zwar noch immer wenig Rückmeldung, und das, was davon ankommt, fühlt sich synthetisch an. Doch der Audi A4 Allroad Quattro 2.0 TDI kurvt agiler und präziser um Kurven als der wogende Passat mit seiner milder ansprechenden E-Lenkung. Keine Unterschiede dagegen bei der hohen Fahrsicherheit, das frühe Reifengreinen des VW Passat Alltrack darf man als sachten Hinweis auf den nahenden Grenzbereich verstehen, den das Fahrwerk und das umsichtig regelnde ESP sicher im Griff haben. Ebenfalls ohne Auswirkung bleiben die Unterschiede der Allradsysteme. Das Torsendifferenzial von Audis Quattro-System sorgt theoretisch für verzögerungsärmeren Kraftfluss an die Hinterachse als die Haldex-Kupplung beim VW 4Motion. Im Alltag bieten beide hervorragende Traktion. Sport und Nutzen werden unterschiedlich gewichtet Mit vehementeren Bremsen und besserem Unfallschutz verschafft sich der Audi A4 Avant Allroad Quattro 2.0 TDI einen kleinen Vorsprung, den der VW Passat Alltrack 2.0 TDI in der Eigenschaftswertung nicht aufholen kann. Wegen der reichhaltigeren Ausstattung und niedrigeren Kosten gewinnt er aber die Gesamtwertung. Was nichts daran ändert, dass Avant und Variant ebenbürtige Gegner sind, die Sport und Nutzen nur unterschiedlich gewichten, beides aber – wie ihre Karosserieform erwarten lässt – besser als die meisten SUV kombinieren.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-10-22

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