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Testbericht

6. Januar 2017
Wenn Sie diese Zeilen lesen, steht auf dem Abreißkalender in Ihrer Küche vermutlich der 24. November. Vielleicht auch etwas später. Nikolaus steht bald vor der Tür. Die geruhsame Zeit beginnt, und in einem Monat ist Weihnachten. Und vermutlich wundern Sie sich, warum wir diese Geschichte jetzt bringen. Ganz einfach: Wir freuen uns schon jetzt auf sonnigere Tage. Warum also nicht auf dem Sofa schmökern, etwas träumen und im Web am Konfigurator drehen?Sucht man sich bei BMW das günstigste 4er Cabrio heraus, den hier getesteten BMW 420i mit 184 PS, zeigt der Konfigurator 44.700 Euro an. Immerhin sind Extras wie Xenon-Scheinwerfer und Klimaautomatik schon bezahlt. Richtig fein wird der Viersitzer, wenn man das Modell Sport Line inklusive belederter, beheizter und elektrisch verstellbarer Sportsitze, 18-Zoll-Räder und schwarz-glänzender Blenden und Leisten bestellt. Macht 50.000 Euro. Und der im Sommer neu eingeführte Mercedes? Der lockt als Mercedes C 200 zunächst mit einem etwas niedrigeren Preis. Staffiert man ihn aber ähnlich üppig aus, errechnet der Konfigurator einen Zuschlag von rund 4.000 Euro.Bucht man schließlich bei beiden Viersitzern noch die sehr empfehlenswerten Automatikgetriebe hinzu, sind noch mal 2.150 und 2.499 Euro (Mercedes) fällig. Wobei der C 200 sogar mit neun statt acht Gängen auftrumpft, leider ohne große Vorteile. Aber dazu später mehr.

Der C 200 ist etwas flotter
Erst mal machen wir die Dächer auf – und los. Wobei der Kollege im erstklassig verarbeiteten und deutlich nobleren C 200 früher unterwegs ist. In nur 20 Sekunden und bis Tempo 50 versteckt der Benz sein Verdeck leise und geschmeidig unter einer anmutigen Hutze. Der 4er, mit seinem metallischen Klappdach für den Winter besser gerüstet, fordert hier einen sanften Gasfuß. Mehr als 18 km/h sind nicht erlaubt. Also lieber gleich stehen bleiben und die Klappdach-Show genießen. Der Aufwand, den der BMW betreibt, um seine drei Dachteile einzuklappen, ist enorm – und wahrlich große Ingenieurskunst. Nachteil: Sein zerklüfteter Stauraum schrumpft von 370 auf 220 Liter und lässt sich erst vernünftig beladen, wenn der Besitzer das gesamte Dachpaket per Knopfdruck elektrisch anhebt. In der Mercedes C-Klasse variiert das Laderaumvolumen zwischen 285 und 360 Litern.Deutlich ähnlicher sind sich die Cabrios in puncto Antrieb. So sitzen unter den Hauben vorbildlich kultivierte und gleichmäßig anschiebende Turbobenziner mit zwei Litern Hubraum und maximal 184 PS.In weniger als neun Sekunden spurten die beiden Hecktriebler auf 100 km/h. Zugleich packen sie dank 270 und 300 Nm (C 200) ab rund 1.200 Touren bei niedrigen Drehzahlen kräftig zu. Gleichfalls sind Topspeed-Werte über 220 km/h kein Problem. Sehr ordentliche Fahrleistungen also, womit für einige Kunden ein stärkerer Motor ziemlich unnütz erscheinen mag. Doch mögen die Werte ebenso schön sein wie die schmucken Endrohre – auf Dauer fehlt es den wohlerzogenen Vierzylindern an Charisma. Nicht mal ihr Sound lässt einen frohlocken. Selbst dem BMW lässt sich nur ein leicht bassiger Unterton entlocken. Schade, dass die feiner tönenden Sechszylinder über 10.000 Euro mehr kosten – Weihnachtsgeld hin oder her.

Mehr Fahrspaß im BMW 4er
Nun denn. Mehr Fahrspaß bietet in jedem Fall der gewohnt leichtfüßige und mit erstklassigen Sportsitzen ausgerüstete 4er. Seine Basis bildet ein sportlich straffes, aber niemals rüpelhaft agierendes Adaptivfahrwerk (1.100 Euro). Dazu gesellt sich die anfangs erwähnte Achtgangautomatik, die man alsbald nicht mehr missen möchte. Rauf wie runter arbeitet sie weich, schnell und treffsicher. Den Abschluss bildet schließlich eine feinfühlige und direkte Lenkung, die jede Kurvenfahrt zum Vergnügen macht. So stürmt der teils nur durchschnittlich verzögernde 4er alsbald locker-flockig, aber sehr sicher über Land, immer auf der Suche nach noch mehr Kurven. Letzteres ist übrigens dank der immer wieder überzeugend einfach bedienbaren Infotainment- und Navi-Einheit samt großer Karte kein Problem.Der Mercedes gibt sich hier nicht ganz so intuitiv und erfordert mit seiner weniger direkten Lenkung für einen schwungvolleren Fahrstil einen engagierten Fahrer. Zur Belohnung zieht der etwas leichtere C 200 dann aber gleichermaßen präzise wie spurstabil durch jedwede Kurve. Über den Straßenzustand selbst erfahren die Insassen indes angenehm wenig. Gerüstet mit der aufpreispflichtigen Luftfederung (1.416 Euro), gleitet die C-Klasse sehr geschmeidig über die Teststrecken, fängt lange wie kurze Wellen gekonnt ein und bleibt selbst im Sport-Modus immer noch dem Komfort verbunden. Insofern passt auch die stets etwas träger wirkende Neungangautomatik gut zur komfortbetonten Auslegung.

Windgeschütztes Fahren dank „Aircap“ im Mercedes
Überhaupt pflegt das verwindungssteife Cabriolet den gepflegten Auftritt. Zu den Insassen, tief eingebettet in weiche Sitze, dringt bereits ohne Hilfsmittel kaum ein Zuglüftchen hinein.Ein Windschott dient der Mercedes-Konfigurator für 351 Euro an. Die meisten Kunden sollten beziehungsweise werden dennoch „Aircap“ dazubuchen (821 Euro). Dann stellt sich auf Knopfdruck oberhalb der Frontscheibe eine Lamelle in den Wind, während hinten zwischen den Fondkopfstützen ein großes Windschott hochfährt. Kleiner Nachteil: Es rauscht nun vermehrt oberhalb der Stirn, und die bis dato sehr anmutige, klassische Karosserielinie wird, na ja, verhunzt. Klarer Vorteil: Vier Personen können windgeschützt verreisen. Wenn auch beengter. Der BMW ist im Fond etwas breiter und damit gemütlicher.

Mehr Luft im BMW
Da BMW für den BMW 4er nur Nackenföhn sowie ein klassisches, aber effizientes Windschott vorhält, fühlt er sich im Vergleich luftiger an. So zauselt der Wind etwas mehr im Haar, und wer aufblickt, sieht den Himmel direkt und nicht durch die Frontscheibe. Warum wir das erwähnen? Nun, für manch einen Cabrio-Anhänger ist das sicherlich ein echter Kaufgrund.Wird es dennoch zu kalt und die Dächer sind wieder zu, überrascht der Mercedes mit einem hervorragend dämmenden Akustikverdeck. Keine Windgeräusche, kaum Verkehrsgebrumme. Respekt. Da geht es im BMW, trotz Hardtop, lauter zu – gleichgültig bei welcher Fahrgeschwindigkeit. Leise, komfortabel, schnell – am Ende gewinnt der offene Mercedes C 200 diesen Test. Allerdings fällt das Ergebnis sehr knapp aus, obwohl sich die beiden Kontrahenten durchaus unterscheiden. Fahraktiver und launiger gibt sich der BMW mit seinem aufwendigen Klappdach, übrigens das letzte seiner Art. Die mondänere Variante eines offenen Viersitzers mit Cruiser-Attitüde ist freilich der luxuriöse und teure Mercedes mit seinem eleganten Stoffverdeck. Unschlüssig? Wie gut, dass Sie den Vergleich jetzt gelesen haben. So bleibt noch etwas Zeit, zu sinnieren. Alles hat eben seinen Zweck.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2017-01-06

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