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Testbericht

Joaquim Oliveira, 29. Januar 2017
Der Volkswagen-Konzern hat sich viel Zeit gelassen, seinen erfolgreichen Tiguan-SUV auf andere Marken auszuweiten. Jetzt sitzt dem VW Tiguan nicht nur der Seat Ateca, sondern insbesondere der größere Skoda Kodiaq im Nacken. Der Tscheche bietet für weniger Geld ein Plus an Platz und Ausstattung. Wer ist der bessere der beiden?

Die Vorzeichen für einen heißen Kampf könnten besser nicht sein. An der zweiten Tiguan-Generation führt in der kompakten SUV-Liga, die längst zur Mittelklasse aufgestiegen ist, kein Weg vorbei. Volkswagen bietet von beiden die begehrlichere Marke mit dem größeren Image und dem höheren Wiederverkaufswert. Neu ist, dass einer der härtesten Tiguan-Wettbewerber aus dem eigenen Stall kommt. Skoda setzt bei seinem 4,70 Meter langen Kodiaq auf bekannte Tugenden: viel Platz, maximaler Alltagsnutzen und ein fairer Preis. Während der Tiguan in der Normalversion nur als Fünfsitzer zu bekommen ist, hat der potenzielle Kodiaq-Kunde die Wahl zwischen fünf und sieben Sitzgelegenheiten. Volkswagen bietet das ab Sommer mit dem um 21 Zentimeter verlängerten Tiguan Allspace ebenfalls an. Bleibt die Frage, ob es in dieser Klasse überhaupt sieben Sitzplätze sein müssen, denn die beiden aus dem Kofferraumboden ausklappbaren Kodiaq-Stühle lassen sich nur für Kinder nutzen, die über Nacht keine Wachstumsschübe bekommen haben. Schon die wilde Kletterpartie beim Ein- und Aussteigen verhindert, dass auf den Plätzen in Reihe drei Erwachsene für noch so kurze Strecken Zuflucht suchen. Reicht die Kopffreiheit hier noch aus, sieht es düster für Knie und Füße aus. Gar nicht erst daran denken, wem das zuzumuten wäre. Das Gepäckvolumen des Skoda Kodiaq 2.0 TDI 4x4 liegt je nach Stellung der Sitzbänke zwischen 205 und 2.005 Litern. Verstecken muss sich der 4,49 Meter kurze VW Tiguan 2.0 TDI 4motion mit 520 bis 1.500 Litern jedoch auch nicht. Auf Wunsch öffnen die Heckklappen praktisch elektrisch.

So unterschiedlich sich die beiden Kontrahenten beim Außendesign präsentieren - der Kodiaq baut optisch eher in die Höhe - der Tiguan in die Breite - so ähnlich zeigen sich die Innenräume. Das Platzangebot in den Reihen eins und zwei ist bei beiden Modellen üppig genug, dass hier auch Erwachsene auf längeren Strecken keine Beklemmungsgefühle bekommen. Im Vergleich zum VW Tiguan kann der Skoda Kodiaq mit einem etwas größeren Kopfraum (zwei Zentimeter vorn / drei Zentimeter hinten) punkten. Zudem gibt es mehr Platz für die Schultern (vier Zentimeter vorn / zwei Zentimeter hinten) und etwas mehr Kniefreiheit. Angenehm sind die um 16 Zentimeter in der Länge verschiebbare Rückbank mit verstellbarer Neigung.

Das Cockpit des VW Tiguan ist ebenso übersichtlich und leicht bedienbar, wie das des Kodiaq. Nur im Tiguan ist optional ein Head-Up-Dispay verbaut, das die Fahrinformationen jedoch wenig wertig auf eine ausfahrbare Kunststoffscheibe projiziert. Auf Wunsch lässt sich der Volkswagen durch animierte Instrumenten mit einer etwas unübersichtlichen Lenkradbedienung einzelner Funktionen veredeln. Bei beiden Modellen wird auf Wunsch das neueste Entertainmentsystem aus dem Konzernbaukasten verbaut. In der höchsten Ausbaustufe gibt es einen Multifunktionsbildschirm mit einer acht Zoll großen Diagonale. Nicht ganz auf dem Niveau der Premiumhersteller; aber knapp dahinter. Entsprechend vernetzt gibt es WLan, Echtzeit-Navigationsdaten oder entsprechende Apps - entweder praktisch oder schlicht überflüssig. Kommt ganz auf Neigung und Spieltrieb des Kunden an. Dem Markenslogan "simply clever" nach bietet der Innenraum des Skoda Kodiaq nette Ausstattungsdetails wie Schirme in den vorderen Türtaschen, eine Taschenlampe im Kofferraum, die Komfortkopfstützen im Fond oder den bekannten Eiskratzer im Tankdeckel.

Beim Antrieb sollte man nicht lange überlegen und sich bei beiden Modellen ohne Umschweife für den 190 PS starken Zweiliter-Diesel mit 140 kW / 190 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Nm (ab ca. 1.750 U/min) entscheiden, denn letztlich sind beide Konkurrenten mit einem Leergewicht von rund 1,8 Tonnen und großzügigen Lademöglichkeiten keine Leichtgewichte. In dessen Paket gibt es obligatorisch sinnvolle Antriebsdetails wie Allradantrieb und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Da der VW Tiguan nicht nur kürzer, sondern auch rund 75 Kilogramm leichter ist, spurtet er etwas schneller als der Skoda Kodiaq von 0 auf Tempo 100, der hierfür gut neun Sekunden benötigt. Die Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h ist für ein Dieseltopmodell nicht berauschend, da es gerade ab 180 km/h bei beiden recht träge wird. Die meisten Kunden dürften selbst auf langen Autobahnpassagen jedoch kaum etwas vermissen. Der Normverbrauch beträgt jeweils knapp sechs Liter; in der Realität sind es je nach Fahrweise, Jahreszeit und Streckenprofil rund zwei Liter mehr.

Was bei beiden Modellen auffällt, ist nicht nur das gut abgestimmte Fahrwerk, das beim kürzeren Tiguan etwas straffer und sportlicher daherkommt, sondern das durchweg geringe Geräuschniveau von Motor, Rädern und Fahrbahn. Zwar haben die Insassen keinen Zweifel daran, in einem Vierzylinderdiesel Platz genommen zu haben; doch die Zeiten von rauen und unrund laufenden Selbstzündern im VW-Konzern sind längst vorbei. Zum guten Fahreindruck tragen nicht nur die McPherson-Federkeine vorne und die Mehrlenkerachsen hinten bei, sondern das erwachsen gewordene Doppelkupplungsgetriebe bei. Abgesehen von längeren Bergabpassagen kein Gedanke daran, in die automatisierte Gangwahl einzugreifen. Die sieben Schaltstufen werden beinahe perfekt angewählt. Einzig beim Start kann der Vierzylinder-Diesel zusammen dem kurz abgestuften Getriebe eine kleine Anfahrschwäche nicht überspielen.

Ob der Kunde im Alltag ernsthaft zwischen den einzelnen Fahrprogrammen wechselt und sich dann noch mit den verschiedenen Allradmodi beschäftigt, die über Drehschalter (VW) oder Taster (Skoda) am Mitteltunnel anzuwählen sind, darf bezweifelt werden. Allradmodi und Fahrprogramme sollten der Einfachheit halber zusammengefasst werden; sonst steigen die meisten Kunden in die Variationsmöglichkeiten von Schnee über Individual, Comfort, Normal oder Sport gar nicht erst ein. Immerhin: im Sportmodus geht es hüben wie drüben etwas knackiger. Wirklich groß sind die Unterschiede bei Gasannahme und Gangwahl dagegen nicht. Mit den optionalen Verstelldämpfern wirkt sich das Fahrprogramm auch auf die Fahrwerksabstimmung aus - mit überaus bescheidener Spürbarkeit. Beim VW Tiguan wird je nach Programm zudem die Kennlinie der Lenkung verändert, die zudem nennenswert direkter als bei dem Tschechen ist.

Letztlich bleibt es Geschmacksache, für welchen der beiden allzu gleichen Brüder man sich entscheidet. Beide gehören zu den besten ihrer Art im umkämpften Segment der Mittelklasse-SUV, das sich allzu gerne in die Kompaktklasse hereinredet. Der VW Tiguan 2.0 TDI 4motion (ab 38.375 Euro) sieht etwas schicker aus und bietet insbesondere gegen Aufpreis mehr Hightech. Der Skoda Kodiaq (ab 37.040 Euro) glänzt mit einem Preisvorteil von unter 1.500 Euro, einem besseren Platzangebot und günstigere Extras. Wer seinen Wagen mit sinnvollen Komfort- und Sicherheitsausstattungen ausstatten will, steckt nach Gusto nochmals 5.000 bis 10.000 Euro in das jeweilige Traumfahrzeug, damit sich belederte Sitze oder Frontscheiben beheizen, der Klang zum Hörgenuss wird und die richtige Route nicht von analogem Kartenmaterial abhängig ist. Doch ob man sich nur für den Skoda Kodiaq oder den VW Tiguan entscheidet; falsch machen kann man gerade mit der jeweiligen 190-PS-Variante nichts - das ist doch auch eine Erkenntnis.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: press-inform, 2017-01-29

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