Testbericht

15. September 2015

Volkswagen zieht es in den Schmutz. Mit dem Passat „Alltrack“ komplettieren die Wolfsburger die Passat-Familie und treten den Beweis an, dass es Spaß macht, schmutzig zu sein.

Bislang war der Passat eine saubere Sache. Schön gebügelte Blechfalten, elegante Alufelgen – kurzum ein Outfit, was Vertretern und Co einen seriösen Auftritt verschaffte. Doch nun ist Schluss mit dem Saubermann-Image: Der Passat macht sich dreckig – und zwar so richtig.


Praktisch und preiswert: Für 380 Euro läßt sich der Gepäckraumboden verschieben.

„Alltrack“ für Hobby und Freizeit
„Alltrack“ heißt das Zauberwort und dahinter verbirgt sich, wie bereits bei dem erfolgreichen Vorgänger, nichts anderes, als ein Passat Variant mit höhergelegter Karosserie, einigem Alu-Schnickschnack und diversen „Alltrack“-Zeichen. Abgerundet wird das Paket von einem rustikalen Triebwerksunterschutz. Der ist zwar aus Kunststoff, soll aber bei Feindberührungen das Schlimmste verhindern; nämlich das Steine oder Äste die Ölwanne aufschlitzen. All diese Zutaten sind nichts wirklich Neues, hatte der Urahn des grundsätzlich mit dem variablen Vierradantrieb 4MOTION ausgestatteten „Alltrack“, der Passat Variant syncro GT, diese doch auch schon. Nur, dass sie anno 1984 noch etwas rustikaler ausfielen. Denn damals gab es noch den soliden Stahl als Schutz für den Fünfzylinder und das Thema Differentialsperre war auch etwas hemdsärmeliger ausgeführt. Der „syncro“ bot nämlich noch zwei mechanische 100 % Sperren an Mittel- und Hinterachsdifferential – ein Garant für das Weiterkommen auch bei unwegsamem Gelände. Der „Alltrack“ hat dem nur etwas Elektronik entgegenzusetzen, wohl auch im Hinblick darauf, dass die Zahl der erlaubt befahrbaren Off Road Wege seit 1984 doch stark abgenommen haben dürfte.

Durchdacht: Taschenhaken und Fernbedienung für den Klappmechanismus der Sitzlehne an einem Ort.

Echter Geländegänger oder Sandkastenkönig?
Und richtig, was die theoretische Betrachtung des „Alltrack“ Pakets schon befürchten ließ, bewahrheitet sich in der Praxis schnell. Für viel mehr, als die heimische Rasenkante oder den Waldweg, ist der „Alltrack“ nämlich nicht zu gebrauchen. Sobald der Untergrund etwas schlüpfriger wird, die Steigung oder das Gefälle zunehmen oder der Wasserstand rund um den Passat steigt, muss der höhergelegte Kombi passen. Schuld sind vor allem seine Passat Gene. Rollwiderstandsarme Straßenreifen der Dimension 225/55 R17 sind eben nicht die erste Wahl, wenn es ums Durchkommen in Kies und Schlamm geht. Drehen die Vorderräder erst einmal durch, ist es fast schon zu spät. Die Haldexkupplung versucht zwar noch mit der Umleitung der Kraft auf die Hinterräder zu retten, scheitert aber in der Regel. Dann folgt der Eingriff der elektronischen Differentialsperre. Laut ratternd bremst sie vollautomatisch das hilflos rotierende Rad ab, um die Kraft auf die restlichen Räder mit Gripp zu verteilen, doch in Kombination mit dem wenig gefühlvoll einkuppelnden DSG-Getriebe macht das die Sache fast noch schlimmer. Der Passat gräbt sich munter ein und helfen kann dann nur ein echter Geländewagen mit Abschleppseil. Zumindest solange der Volkswagen noch nicht auf der Bodenplatte aufliegt, was dank der um 25 Millimeter erhöhten Bodenfreiheit ein wenig dauert. Fast schon überflüssig zu sagen, dass Volkswagen angesichts dieser geringen Geländetalente auch auf eine zusätzliche Abdichtung der Karosserie gegen eindringendes Wasser verzichtet, ebenso wie auf eine Geländereduktion oder eine Bergabfahrhilfe.

Allerweltsmotor: Der 2,0 TSI ist in fast allen Modellen des Volkswagen-Konzerns zu finden - sicher kein Fehler.

Bestnoten auf der Straße
Gelände gehört also nicht zu dem bevorzugten Einsatzgebiet des Alltrack. Dafür zeigt der geliftete Passat erstaunliche Talente auf befestigten Straßen. Es beginnt mit dem Einstieg, der aufgrund der erhöhten Bodenfreiheit deutlich bequemer gelingt, als beim Straßen-Passat. Das Fahrwerk selbst gibt sich im Alltag verbindlich, nur bei allzu groben Querfugen rumpelt es bisweilen unkomfortabel und wer den „Alltrack“ mit einem Rennwagen verwechselt, wird feststellen, dass der um 25 Millimeter höher gelegte Aufbau nicht ganz so flink ums Eck fliegt, wie das Serienpendant. Kleine Kuriosität am Rande: Gegen Mehrpreis bietet Volkswagen natürlich auch eine elektronisch geregelte Dämpfung mit vier einstellbaren Dämpferkennlinien an; nur dann liegt der „Alltrack“ wieder 10 Millimeter tiefer. Vielleicht gar nicht so verkehrt, bietet speziell die hier gefahrene Benziner Version mit 220 PS soviel Dampf, dass man nach kurzer Zeit gerne flott unterwegs ist. Der aufgeladene Vierzylinder gibt sich dabei laufruhig und durchzugsstark, auch wenn dem Antrieb die eigene Note fehlt und das ganze ein wenig synthetisch wirkt. Doch sei es drum, der serienmäßige Sieben-Gang-Doppelkupplungsautomat hält in der Regel die passende Übersetzung parat und schaltet bei Bedarf schnell und zielgenau zurück, ohne dass der Fahrer eine Zugkraftunterbrechnung spürt. Freude beim Fahrer ist also vorprogrammiert. Aber auch der Rest der Passat-Besatzung dürfte sich wohlfühlen. Denn das Raumgefühl gleicht dem der Oberklasse, die Verarbeitung auch. Selbst wenn die verbauten Materialien nicht unbedingt denen eines derben Geländewagens entsprechen, so lassen sie sich dennoch nach einem Freizeitwochenende am Badesee gut reinigen.

Schluckspecht: In den Passat "Alltrack" gehen reichlich Bierkästen rein. Das reicht für das feucht fröhliche Weekend am See.

Alle Wege führen zur Bank
Dass ein sorgfältiger Umgang mit dem „Alltrack“ Passat geboten scheint, ergibt sich spätestens beim Blick in die Preisliste. Die Kreuzung eines Passat Variant mit einer Oberklasse Limousine und einem Geländegänger lässt sich Volkswagen fürstlich bezahlen. 42.575 Euro und damit rund 4.000 Euro mehr als der Standard Variant mit gleicher Leistung und DSG werden für den „Alltrack“ fällig. 
Der 280 PS starke 2,0-Liter TSI mit 4Motion-Technologie im Standard-Passat, der mit 46.250 Euro nur unwesentlich teurer ist, scheint aber deutlich attraktiver; verfügt er doch über eine beheizbare Alcantara-Lederausstattung, die beim „Alltrack“ in der Form nicht angeboten wird. Bestellt man im „Alltrack“ eine vergleichbare Volllederausstattung, ist der Preisvorteil zum „normalen“ Variant schnell wieder aufgezehrt. Angesichts dieser Kalkulation braucht es schon viel Lifestyle Anspruch beim „Alltrack“-Käufer, um für die etwas höher gelegte Karosserie und ein paar Aluanbauteile den Verzicht auf rund 60 PS hinzunehmen. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass Volkswagen es verstanden hat, den Kunden den vermeintlichen „Alltrack“-Vorteil schmackhaft zu machen. Auch wenn die meisten „Alltrack“-Passat in der Vergangenheit kaum mehr Dreck entdeckt haben dürften, als die Kiesauffahrt zur heimischen Garage.

Robust: Der "Alltrack" verfügt über eine solide Abdeckplatte der Aggregate.

Fazit
Der Passat Variant „Alltrack“ ist ein nettes „Add on“ zum Lifestyle der Outdoor-Jacken-Generation. Mehr leider nicht, denn bereits bei leichtem Gelände bleibt der „Alltrack“ wegen seiner Bereifung und der fehlenden Differentialsperren stecken. Ansonsten ist er einfach ein guter Passat – wenn auch ein teurer.


Pro: Top Verarbeitung, gute Motor-Getriebe-Abstimmung, funktionelle Details, leichte Bedienung.
Contra: überzogener Preis, kaum nutzbarer Gegenwert der „Alltrack“ – Ausstattung, keine Differentialsperren, kein Schaltgetriebe für Benziner lieferbar.


Technische Daten VW Passat Alltrack TSI 4Motion

Maße und Gewichte

Länge/Breite/Höhe 4.777 - 4.882 mm/ 1.832 mm/ 1.506 - 1.530 mm
Radstand 2,79 m
Wendekreis 11,7 m
Leergewicht ab 1.677 kg
Zuladung max. 668 kg
Anhängelast (gebr./12 %) 2.200kg
Kofferraumvolumen gesamt 639-1.769 l
Tankinhalt 66 l

 

Passat Alltrack 4Motion 2,0 Liter: Leistung 162 kW/ 220 PS, max. Drehmoment 350 Nm bei 1.500 - 4.400/min.
0-100 km/h in 6,8 s, Spitze 231 km/h; Verbrauch 6,9l Super/ 100 km, CO2-Ausstoß aus Kraftstoff (Werksangabe) 158 g/km; ab € 42.575,- (7-Gang Doppelkupplungsgetriebe).

 

Versicherungseinstufung
KH/ VK/ TK  noch keine Angaben
Testwertung
3.5 von 5
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