Testbericht

Stefan Grundhoff, 7. Juni 2016
Grandiose Fahrdynamik und Frontantrieb passt meistens nicht zusammen. Dass Kurvenschnupfen auch mit einem Fronttriebler Laune machen kann, zeigt mit dem Clubsport S der stärkte Serien-GTI aller Zeiten.

Die Volkswagen-Verantwortlichen haben sich bei ihrem erfolgreichen Massenmodell längst die Salami-Taktik aus dem Hause Porsche angedeihen lassen. Mit einem Golf GTI allein ist es längst nicht mehr getan. Da gibt es Sport- und Performance-Pakete und den übermächtigen VW Golf R, der als 300 PS starker Allradler ohne GTI-Signet am Heck aktuell das Maß aller Gölfe ist. Zumindest unter trockenen Bedingungen dürfte der grollende R-Golf nunmehr seinen Meister gefunden haben, denn der VW Golf GTI Clubsport S holt aus dem bekannten Triple-Achter-Aggregat mit zwei Litern Hubraum Dank Turboaufladung 228 kW / 310 PS und erkundungsfreudige 380 Nm maximales Drehmoment.

"Wir haben mit ersten Ideen 2013 begonnen", leitet Karsten Schebsdat, Leiter der Fahrwerksabstimmung im Hause Volkswagen ein, "wir hatten damals schon den Rundenrekord für frontgetriebene Fahrzeuge im Hinterkopf - rund 7:50 Minuten." Den hielt seinerzeit ein nachgeschärfter Honda Civic Type R und genau das war den Wolfsburgern lange Zeit ein schmerzhafter Dorn im Auge. Letztlich dauerte es jedoch knapp drei Jahre, ehe das Projekt Golf GTI Clubsport S mit der großen Rundstreckenneigung durchgewunken wurde. "Wir haben viel mit dem Fahrwerk und den Spoilern experimentiert", legt Schebsdat nach, "der große Dachspoiler führte zwischenzeitlich dazu, dass wir zwar schnell durch die Kurven kamen, auf der Döttinger Höhe jedoch die nötige Höchstgeschwindigkeit fehlte."

Erst am Ende dieses Winters war man schließlich soweit, dass das Symbiose aus Serien-GTI und Rundstreckenmonster passte. Rennfahrer Benjamin Leuchter brannte schließlich eine Zeit in die Grüne Hölle, die sich nicht nur für frontgetriebene Modelle sehen lassen konnte: 7:49:21 Minuten - ein neuer Rekord. Dabei präsentiert sich der VW Golf GTI Clubsport S abgesehen vom vergrößerten Heckspoiler und der geänderten Frontschürze mit Lufteinlässen und Aerodynamik-Flaps optisch kaum nennenswert anders als die bekannten Serien-GTIs. Und auch hinter dem griffen Alcantara-Steuerrad gibt es nichts auffälliges, bis darauf, dass Mittelarmlehne, Rückbank und die Kofferraumplatte fehlen. "Wir haben im Vergleich zum normalen Clubsport so nochmals 30 Kilogramm aus dem Wagen herausbekommen", sagt Karsten Schebsdat, "dazu gehören auch Dämmmatten oder ein Aluminium-Hilfsrahmen an der Vorderachse. Die geänderten Spoiler sorgen dafür, dass wir vorne acht und hinten 17 Kilogramm Abtrieb haben. Im Normalfall hat der Serien-GTI 60 Kilogramm Auftrieb." Was sich anhört wie abgefahrenes Jägerlatein heißt einfach, dass das Leitwerk den Clubsport S bei hohen Geschwindigkeiten maximal auf den Boden drückt, um die Leistung bestmöglich in Vortrieb umzuwandeln.

Fährt sich der sportlichste GTI der vergangenen 40 Jahre auf den ersten Kilometern abgesehen von etwas mehr Dampf in oberen Drehzahlbereichen und dem Schubbrabbeln beim Zurückschalten vergleichsweise unspektakulär, sieht es ganz anders aus, wenn sich die 19 Zoll großen Sporträder erst einmal auf Betriebstemperatur gebracht haben. Der 310 PS starke Fronttriebler ist serienmäßig mit einem rennsporttauglichen Semi-Slick unterwegs, der ihn warm angefahren stimmungsvoll mit der Fahrbahnoberfläche verzahnt. Die Michelin-Reifen im Format 235/35 VR 19 bringen den Tatendrang von Pilot und Fahrzeug mit Hilfe des geänderten Fahrwerks maximal auf die Straße. Zur großen Überraschung ist der Clubsport S obligatorisch nicht nur mit einer manuellen Handschaltung, sondern auch einer variablen Dämpfersteuerung unterwegs, die im Rennmodus speziell auf die Nordschleife der Eifel-Achterbahn abgestimmt wurde.

Sind Fahrer, Audi und Semi-Slicks erst einmal auf Betriebstemperatur, gibt es für den Kraftmeier kein Halten mehr. Bullig schiebt er Bergaufpassagen hinauf, um danach auf kurvigen Abfahrten keinen Zentimeter nachzugeben. Das Heck bleibt angenehm stabil, die Lenkung präzise und eine Tendenz zum Untersteuern ist selbst im Grenzbereich nicht zu erkennen. Wird es besonders eng, kann die Vorderachsdifferenzialsperre jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der knapp 1,4 Tonnen schwere Wolfsburger allein über die Vorderachse angetrieben wird. Auf der Autobahn rennt der Dreitürer maximal 265 km/h. Erst bei 6.800 Touren donnert der Niedersachse in den Drehzahlbegrenzer.

Wenn die Golf-Fans einmal träumen dürfen, dann dürfte es wohl einen VW Golf R Clubsport S geben, der mit Allradantrieb und Doppelkupplungsgetriebe dann noch heißer um die Kurven pfeift. Doch jetzt heißt es erst einmal ohne Lenkrad in der Hand schneller als schnell sein. Vom VW Golf GTI Clubsport S werden in den Farben weiß, schwarz und rot gerade einmal 400 Fahrzeuge produziert. Bestellen kann man die Spaßmacher mit der laufenden Seriennummer vor dem Schalthebel nicht. Also einfach zum Händler und fragen, ob noch eines der Modelle verfügbar ist - die allermeisten der 100 in Deutschland angebotenen Modelle sind bereits ausverkauft - für jeweils 40.000 Euro.
Technische Daten
Antrieb:Front
Getriebe:Sechsgang-Handschaltung
Motor Bauart:Vierzylinder mit Turboaufladung
Hubraum:1968
Preis
Neupreis: 40000 € (Stand: 2016-06-07)
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: press-inform, 2016-06-07

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