Testbericht

Jürgen Wolff, 15. Juni 2011
Mit dem DRIVe hat Volvo eine besonders sparsame Version den C30 im Programm. Wer sich mit ein paar Tücken des Designs arrangiert, kann an ihm seine Freude haben - und ein ökologisch reines Gewissen.

Wer schön sein will, der muss bekanntlich leiden. Wer schön fahren will - anscheinend auch. Ein Beispiel dafür ist der Volvo C30. Der kleine Schwede wird nicht nur unter dem Label "praktisch, schwedisch, gut" verkauft, sondern vor allem auch als automobiles Design-Statement. Und: er erfüllt diesen Anspruch. Im täglichen Einheitsbrei der Kompaktklasse sticht der C30 wohltuend anders heraus. Das zu erkennen genügt schon ein Blick aufs Heck. Allerdings zeigt sich an ihm auch schnell: Schönheit kann ganz schön nerven.

Beim Kofferraum zum Beispiel. Schlimmer geht's nimmer. Zwar schwingt die Heckklappe schön weit nach oben - die Ladeluke, die sie freigibt, ist allerdings von eher bescheidener Größe. Und als ob das noch nicht reicht sorgt eine gewölbte Plastikabdeckung mit integrierter zweiter Luke dafür, dass es noch enger wird. Klar: Das Ding ist dazu da, dass man von außen durch das Heckfenster nicht gleich sieht, welche Kostbarkeiten da im Laderaum lagern. Aber zumindest größere Getränkekästen können es schon mal nicht sein. Die würden zwar vom Volumen her (mit 261 Litern noch nicht einmal auf dem Niveau des VW Polo) gerade so in den Kofferraum passen, lassen sich aber selbst verkantet und mit großem Kraftaufwand nur schwer durch das Ladeloch bugsieren. Die Plastikabdeckung ist zwar mit ein paar Handgriffen abmontiert - dafür gibt es sogar eine im Kofferraum eingeklebte bebilderte Anleitung wie man sie sonst von Ikea gewohnt ist. Aber erstens weiß man dann kaum, wohin mit dem sperrigen Teil. Zweitens liegt der Kofferraum dann permanent offen. So kompliziert kann Schönheit sein.

Der Laderaum ist nicht das einzige Beispiel, dass man bei Volvo einfaches auch unnötig verkomplizieren kann. Das Navigationssystem ist ein weiterer Beleg. Nehmen wir mal zugunsten der Schweden an, dass sie ihr Cockpit nicht noch mehr mit Bedienknöpfen befrachten wollten. Die Buttons für das aufklappbare Navigationsdisplay aber unsichtbar an die Rückseite der Lenkradspeichen zu verbannen oder alternativ dazu auf eine Fernbedienung, die erst einmal mühsam bei voller Fahrt aus der Mittelablage gepuhlt werden muss - das hat schon beinahe Stil. Eine Fernbedienung ist ja ganz nützlich, wenn man im heimischen Wohnzimmer nicht immer die paar Meter zum Fernseher laufen will, um durch die Programme zu zappen - aber in der relativen Enge eines Kompaktwagen-Cockpits?

Bringen wir das Kapitel "Was uns alles nicht gefällt" noch geschwind zu Ende, bevor es zu den angenehmen Seiten des Volvo C30 geht. Ablagen etwa gibt es viel zu wenig, selbst das Handschuhfach ist so zerklüftet, dass sein realer Nutzwert gering ausfällt. Der Hebel der Handbremse ist auf der Mittelkonsole so ungeschickt platziert, dass es bei größeren Zeitgenossen Druckstellen am rechten Oberschenkel gibt. Die Sicht nach hinten ist wegen des relativ kleinen Blickwinkels durch das Heckfenster und zwischen den hinteren Kopfstützen durch eher bescheiden. Der Durchstieg in die hintere Reihe, die auf längeren Fahrten ohnehin nur für kleinere Passagiere halbwegs bequem Platz bietet, ist akrobatisch, das Einbauen von Isofix-Kindersitzen mühsam. Das wär's dann soweit in der Abteilung "Minus".

Denn der Volvo C30 hat durchaus auch seine guten Seiten - erst recht als ökologisch korrekte DRIVe-Version. Zumindest auf den vorderen Plätzen bietet er genug Raum, um sich auch auf längeren Touren wohl zu fühlen. Das Lenkrad ist in Tiefe und Neigung gut verstellbar, selbst große Fahrer haben keine Probleme. Die Sitze sind bequem und straff, könnten nur etwas mehr Seitenhalt vertragen. Von den Materialien und der Verarbeitung her fühlt man sich gut aufgehoben in dem kompakten Schweden - der Name verpflichtet eben. Die Bedieninstrumente sind gut einsehbar, nur an die diversen Schalter muss man sich erst gewöhnen. Immerhin haben sich die Ingenieure nachvollziehbar was bei der Gestaltung der Knöpfe auf der "schwebenden" Mittelkonsole gedacht.

Unter der Motorhaube des DRIVe arbeitet eine auf mageren Verbrauch optimierte Version des normalen 4-Zylinder-Diesels mit 1,6 Litern Hubraum und Common-Rail-Technik. Er liefert nach wie vor 84 kW/115 PS und ein maximales Drehmoment von 270 Nm. Auch die Fahrleistungen bleiben gleich: Der Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 ist in 11,3 Sekunden geschafft, bei 195 km/h ist Schluss. Geht der Volvo anfangs noch ganz flott zu Werke, lassen sich ihm die letzten 20 km/h Zugewinn nur zunehmend wiederwillig entlocken. Dabei bleibt der Motor immer kultiviert und zurückhaltend in der Geräuschentwicklung. Keine Nachteile also gegenüber dem normalen Diesel - dafür aber deutliche Vorteile im Verbrauch. Nach offizieller Messung kommt der DRIVe mit 3,8 Litern auf 100 km einen ganzen halben Liter besser weg als der normale Diesel - und auf einen CO2-Ausstoß von nur 99 g/km. Dazu verhelfen neben dem Motor auch noch aerodynamische Optimierungen vor allem am Unterboden, andere Reifen, eine Start-Stopp-Automatik und die Rückgewinnung von Energie beim Bremsen. Start-Stopp funktioniert dabei rundum zuverlässig. Entsprechend unterschiedlich fällt die Ersparnis je nach dem Biotop aus, in dem der C30 bewegt wird: In der Stadt wirken sich Start-Stopp naturgemäß besonders stark aus. Der reale Verbrauch im Praxistest lag bei 4,7 Litern auf 100 Kilometern - ein guter Wert.

Dabei macht es durchaus Spaß, mit dem Schweden durch Stadt und Land zu kurven. Er zieht flott um die Kurven, lässt sich exakt lenken und schnell durch die sechs Gänge schalten. Die Federung bügelt zwar nicht jede Sparmaßnahme der Straßenbauämter gnädig weg, sorgt aber doch für komfortables Fahren. Der C30 lässt sich agil im Stadtverkehr bewegen und sicher auf schlängeligen Landstraßen. Wer Schönheit vor absoluten Nutzwert setzt, der wird durchaus seine Freude am Volvo C30 haben. Wer dabei auch noch sein seinem grünen Gewissen folgt, erst recht am DRIVe. Billig ist das Ganze dabei nicht. Schon der normale Diesel kostet von 21.630 Euro an aufwärts, der DRIVe-Aufschlag liegt bei vergleichsweise bescheidenen 600 Euro. Da dürfte die Wahl nicht schwer fallen. Selbst, wenn die Ökonomie über die Ökologie siegen sollte: Der Mehrpreis ist schnell rausgefahren.

Quelle: press-inform, 2011-06-15

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