Testbericht

19. Februar 2010
Barcelona, 19. Februar 2010 - Natürlich war das ominöse Gaspedal mit angereist, als Toyota uns den modifizierten Auris in Barcelona vorstellte. Eine fingernagelgroße Distanzscheibe soll das Problem des Hängenbleibens nun beheben. Mit dem Auris hat all das nichts zu tun. Bei dem bleibt das Gaspedal nicht hängen, weder beim alten, noch beim nun präsentierten neuen Modell. Es startet am 20. März 2010. Wir haben das Auto mit dem 90 PS starken Einstiegsdiesel und manueller Sechsgangschaltung gefahren. 90-PS-Diesel ab Juli Euro-5-fest Der Auris wird mit den bekannten fünf Motoren ausgerüstet. Bisher waren jedoch nur der Zweiliter-Diesel und der 2.2 D-CAT Euro-5-fest, in Zukunft alle Aggregate. Der von uns gefahrene 1.4 D-4D folgt als Letzter im Juli 2010. Dieser Antrieb bietet 90 PS und 205 Newtonmeter, die von 1.800 bis 2.800 Touren zur Verfügung stehen. Während viele Diesel dieser Klasse enttäuschen, waren wir hier positiv überrascht: Der Kompakte ist mit dem Selbstzünder ordentlich motorisiert. Der Akustikkomfort ist dank Piezo-Einspritzventilen und 1.600 bar Einspritzdruck ebenfalls ganz in Ordnung. Der Motor dröhnt niemals, sondern schnarrt nur hell. Das Geräusch könnte etwas leiser sein, es stört aber nicht. Sechs Gänge serienmäßig Wie alle Auris besitzt auch der 1.4 D-4D serienmäßig eine Sechsgang-Schaltung. Die gleiche Stufenzahl weist das optionale automatisierte MMT-Schaltgetriebe auf. Es macht den Auris allerdings träger, wie die Spurtdaten zeigen: Mit Handschaltung 12,0 Sekunden, mit MMT-Getriebe aber gleich 14,7 Sekunden.

Eher schlecht beim Verbrauch Beim Spritverbrauch sattelt die MMT-Version nur 0,1 Liter drauf. Die Schaltversion braucht laut Toyota unverändert 4,8 Liter. Aber auch damit liegt das Auto eher schlecht. Der sparsamste Golfklasse-Diesel dieser Leistungsklasse ist momentan der Audi A3 1.6 TDI, der in der Spritsparvariante genau einen Liter weniger Sprit braucht. Mit 5,8 Liter am meisten Sprit auf 100 Kilometer verbrennen der Ford Focus 2.0 TDCi mit 110 PS, der Opel Astra GTC 1.9 CDTI mit 100 PS und der Seat León 1.9 TDI DSG mit 105 PS. Unser Bordcomputer zeigte beim Auris einen Wert von 5,8 Liter an. Demnächst mit Start-Stopp-System Sparsamer würde das Auto mit einem Start-Stopp-System, wie es der 1,33-Liter-Basisbenziner im Auris bietet. Die Spritspartechnik soll in den kommenden Jahren auch in die anderen Motorvarianten des Auris einziehen, wie uns Chefentwickler Shinichi Yasui auf Nachfrage sagte. Eine Schaltpunktanzeige ist bereits heute bei allen Auris Serie. Eine Hybridversion des Auris soll im Herbst starten. Sie wird den gleichen Antrieb wie der Prius besitzen. Straffere Dämpfung Das Fahrwerk wurde beim Auris in Details verbessert. Wie bisher fährt die Topversion 2.2 D-CAT hinten mit einer Mehrlenkerachse, während die übrigen Modelle eine Verbundlenkerachse besitzen. Erstmals gibt es bei der neuen Version eine spezielle europäische Abstimmung. Sie verfügt über die gleiche Federung, aber straffere Dämpfer. Im Endeffekt fühlt sich der Auris aber immer noch eher weich an. Doch auch, wenn der Japaner in der Kurve nicht so straff bleibt wie ein VW Golf oder Opel Astra, kann man mit dem Fahrwerk gut leben. Die geschwindigkeitsabhängige elektromechanische Servolenkung wurde ebenfalls sportlicher abgestimmt.

Außen und innen modifiziert Die Designer haben die Außenoptik geändert. Vor allem bekam der Auris einen neuen Grill, andere Schürzen und Leuchten. Außerdem wurde der Innenraum modifiziert. Noch immer verblüfft die ungewöhnlich gestaltete Mittelkonsole mit dem sehr hoch angeordneten Schalthebel. Daran ist unverändert viel billiges Plastik. Den Unterschied zur alten Version werden wohl nur Auris-Besitzer oder intime Kenner bemerken: Unter anderem weisen Teile des Armaturenbretts jetzt hinterschäumte Oberflächen auf und die Zahlen in den Instrumenten leuchten nun weiß statt gelb. Außerdem ist das Lenkrad nun unten abgeflacht. Die Sitze bieten eher wenig Seitenhalt. Insgesamt erreicht die Qualitätsanmutung - mit Ausnahme der sehr schönen Instrumente - nicht das Niveau eines VW Golf oder auch eines Peugeot 308. Viel Platz in Fond und Kofferraum In puncto Raumangebot bietet der Auris guten Sitzkomfort im Fond: Sowohl Knie- als auch Kopffreiheit sind gut und hier ist der Auris auf Augenhöhe mit Golf und Astra. Der Kofferraum ist mit 354 bis 1.335 Liter sogar noch etwas größer als bei beiden Konkurrenten. Nach dem Umklappen der Sitze wird der Ladeboden nicht eben, aber das ist bei den meisten Fahrzeugen dieser Klasse so. Basisversion genauso teuer wie beim Golf Den Auris bekommt man ab 16.650 Euro. Das ist exakt der gleiche Basispreis wie beim VW Golf, der allerdings etwa 20 PS weniger bietet. Den getesteten 1.4 D-4D erhält man dreitürig ab 18.250 Euro, der Fünftürer ist ab 19.000 Euro zu haben. Zur Serienausstattung zählen sieben Airbags, ESP, elektrisch einstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne und eine fernbedienbare Zentralverriegelung. Neu hinzugekommen in der Basisversion ist die Klimaanlage. Das fehlende CD-Radio lässt sich für 590 Euro nachrüsten, womit man auf 18.840 Euro kommt.

Runde 2.000 Euro günstiger als ein Golf Im Vergleich zu einem vergleichbaren VW Golf ist das günstig: Die 105 PS starke Version 1.6 TDI Trendline gibt es inklusive Klimaanlage erst ab 20.600 Euro, mit CD-Radio zahlt man 21.075 Euro. Andererseits ist unser Diesel-Auris nicht viel günstiger als andere Importeursware. Einen vergleichbaren Kia pro_cee'd 1.6 CRDi Vision erhält man zum Beispiel schon für 18.460 Euro. Sein Diesel ist mit 115 PS stärker, die Ausstattung etwa gleichwertig: Hier gibt es serienmäßig ein CD-Radio, aber die Klimaanlage kostet 870 Euro Aufpreis. Insgesamt bezahlt man hier 19.330 Euro, runde 500 Euro mehr als bei Toyota - die dürften kaum kaufentscheidend sein. Insgesamt sechs Ausstattungen Wer mit der Auris-Basisausstattung nicht zufrieden ist, kann die 1.500 Euro teurere Version Life wählen. Sie bietet neben einer Audioanlage auch elektrisch beheiz- und anklappbare Außenspiegel, Nebelscheinwerfer sowie elektrische Fensterheber hinten. Der Life+ für nochmal 300 Euro mehr bietet zusätzlich eine Klimaautomatik und eine elektrische Einparkhilfe fürs Heck. Die Versionen Club, Executive und D-CAT werden für den Einstiegsdiesel nicht angeboten.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltung
Motor Bauart:Reihen-Turbodiesel, Common-Rail-Piezoeinspritzung
Hubraum:1.364
Anzahl Ventile:2
Anzahl Zylinder:4
Leistung:66 kW (90 PS) bei UPM
Drehmoment:205 Nm bei 1.800-2.800 UPM
Preis
Neupreis: 18.250 € (Stand: Februar 2010)
Fazit
Der Auris liegt preislich auf Augenhöhe mit vergleichbaren Importeursautos, ist aber deutlich günstiger als etwa ein entsprechender VW Golf. In der neuen Version hat sich beim Corolla-Nachfolger nichts Grundsätzliches verändert. Die Optik wurde nur moderat modifiziert, Fahrwerk und Lenkung etwas verbessert und die Motoren erfüllen demnächst (endlich) die Euro-5-Norm. Insgesamt ist der Auris kein schlechtes Auto, aber in einer Klasse mit so vielen Alternativen reicht das nicht zu einem Spitzenplatz. Zu den Nachteilen des Auris zählt der etwas hohe Spritverbrauch des getesteten 90-PS-Diesels. Auch bei Fahrwerk und Innenraumanmutung gibt es nach wie vor Besseres in dieser Klasse. </html>
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2010-02-19

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