Testbericht

Sebastian Viehmann, 27. November 2011
Celica war gestern, Toyotas neuer Sportwagen mit Boxermotor und Hinterradantrieb heißt GT 86. Im Herbst 2012 kommt der mit dem Subaru BRZ verwandte Flitzer nach Deutschland. Die Japaner versprechen eine bezahlbare Fahrmaschine.

Schnell, schick und bezahlbar – mit diesem Rezept mischten die Japaner schon oft den Sportwagenmarkt auf. Nissans Z-Reihe und Toyotas Celica sicherten sich über Jahrzehnte hinweg eine große Fangemeinde. Toyotas neuer Ausflug in die Sportwagenarena trägt das schlichte Kürzel GT 86 und wird ungefähr 30.000 Euro kosten. Mit 4,24 Metern Länge, 1,28 Metern Höhe und 2,57 Metern Radstand ist der 2+2-Sitzer deutlich kleiner als andere Sportflitzer. „Unser Wagen ist sogar flacher als ein Porsche Cayman oder ein Ferrari 430", betont Projektleiter Tetsuya Tada.

Antriebsstrang und Fahrersitz wurden weit hinten und möglichst tief positioniert, die Gewichtsverteilung liegt zu 53% auf der Vorder- und 47% auf der Hinterachse. Der zwei Liter große Vierzylinderboxer von Subaru sorgt zwar für eine flache Front, bietet jedoch keinen Turbolader, der der Flunder Flügel verleihen könnte. „Allein durch den Boxermotor haben wir die niedrige Haube hinbekommen und den Schwerpunkt so niedrig halten können“, sagt Projektleiter Tada. Das Gewicht des Wagens wurde noch nicht vermeldet. Bei Testfahrten mit dem Prototypen verrieten die Ingenieure jedoch, dass es weniger als 1300 kg sein sollen.

Toyota ist nicht gerade für aggressives Design bekannt, und auch den GT 86 kann man problemlos sonntags vor der Kirche parken, ohne böse Blicke zu riskieren. Doch die breite Front, die schmalen V-förmigen Scheinwerfer und vor allem die kleinen, aber keck nach oben ausgestellten Kotflügel verraten die sportlichen Ambitionen des Japaners. Die sauber gezeichnete Karosserie ist auf das Wesentliche reduziert, die winzigen angedeuteten Lufteinlässe an den Kotflügeln und den ultraschlanken Heckspoiler kann man fast übersehen. „Keen Look“ nennen die Japaner ihr Design. Der GT 86 rollt auf 17-Zoll-Felgen, an den Seiten prangt ein kleines Kolben-Logo und erinnert an den Boxermotor unter der Haube.

Der Zweiliter-Saugmotor wurde zusammen mit Subaru entwickelt. Der Vierzylinder-Boxermotor wurde mit der D-4S Einspritztechnologie von Toyota ausgerüstet. In Verbindung mit dem hohen Verdichtungsverhältnis von 12,5:1 erlaubt das eine Steigerung von Leistung und Drehmoment über ein breites Drehzahlband. Das Aggregat leistet 200 PS bei 7.000 U/min und entwickelt ein maximales Drehmoment von 205 Nm bei 6.600 U/min. Für die Kraftübertragung an die Hinterräder stehen ein manuelles Sechsgang-Getriebe oder eine Sechsstufen-Automatik mit Schaltwippen am Lenkrad zur Verfügung. Ein Sperrdifferenzial verbessert die Traktion. Die Fahrleistungen des GT 86 hat Toyota noch nicht verraten.

Im Cockpit fällt als erstes das winzige Lenkrad auf, das einen Durchmesser von lediglich 365 mm hat. Links neben der Mittelkonsole sitzt die Handbremse – passionierte Drifter werden sich schon die Hände reiben – und mittig der knackig-kurze Schalthebel. Rote Ziernähte auf den schwarzen Sitzen, Zierteile in Karbon-Optik sowie gelochte Aluminiumpedale sorgen für sportliches Flair, optional ist ein Navigationssystem an Bord. Der Instrumententräger beschränkt sich auf drei große Uhren, in der Mitte sitzt natürlich der Drehzahlmesser. Die letzte Zahl ist eine Neun, heiße Drehzahlorgien sind also garantiert.

Dass der GT 86 nicht Celica heißt, wie von einigen Fans erhofft, erklärt sich beim Blick auf die Firmenhistorie. Die Inspiration für den Sportflitzer, so heißt es bei Toyota, sei nämlich eher der Corolla Levin AE86 gewesen. Das leichte und kleine Coupé aus den 80er Jahren ist hierzulande ziemlich unbekannt, war als Konkurrent des Honda Civic aber vor allem in den USA und im Motorsport erfolgreich.

Nachdem der GT 86 als Studie FT-86 schon zahlreiche Messen bereiste, hat das Serienmodell nun endlich seinen ersten Auftritt – passenderweise auf der Heimatmesse Tokio Motor Show. Auf eine Frage können sich die Japaner schon mal einstellen, und der Projektleiter des Wagens hat auch schon die Antwort parat: „Einen Roadster würde ich lieber heute als morgen bauen, technisch ist das alles machbar“, sagt Tetsuya Tada. Beschlossene Sache sei der Freiluft-Flitzer aber noch nicht.
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Quelle: press-inform, 2011-11-27

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