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Testbericht

Sebastian Viehmann, 5. Dezember 2011
Toyota entdeckt die Freude am Fahren wieder – das passt gut zur Kooperation mit BMW. Beim Sportflitzer GT 86 half unter der Haube allerdings Subaru mit einem Boxermotor aus. Der erste Ausritt mit dem federleichten Nippon-Renner.

200 Boxer-PS heulen auf, die Nadel des Drehzahlmessers wird gleich die 8000er-Marke niederrennen. Kurz vorher beschwert sich der Drehzahlbegrenzer des Toyota GT 86, also greift die Hand des Piloten zum knackigen Schaltgetriebe und rammt den dritten Gang hinein. Mit breiter Spur und tiefem Schwerpunkt jagt der Japaner in die nächste Kurve des Fuji Speedway.

205 Nm Drehmoment hat der Vierzylinder-Boxer im Angebot, sie liegen aber erst bei 6.600 Touren an. Der GT 86 dreht im wahrsten Sinne des Wortes richtig auf, und man steht mit Vorliebe hart auf dem Gas. Zwar könnte ein Turbolader dem 2+2-Sitzer einen willkommenen Extra-Punch geben, doch auch als Sauger zeigt sich der Boxer ziemlich durchtrainiert. Das Zweiliter-Aggregat kommt von Subaru, Toyota steuert seine Benzineinspritzung bei. Alternativ zur Sechsgang-Handschaltung gibt es eine Sechsgangautomatik mit Schaltwippen am Lenkrad. Die vom Lexus IS-F geborgte Automatik macht einen guten Job, ist aber nicht so agil wie ein sportlich abgestimmtes Doppelkupplungsgetriebe.

Das Faszinierendste am GT 86 ist sein spielend leichtes Handling. Der Japaner ist ein gnadenlos ehrliches Auto, weil er seinem Piloten jederzeit präzise Rückmeldungen gibt und auf alles verzichtet, was andere Sportwagen an elektronischem Ballast mit sich herum schleppen. Dem Japaner reichen klassische Zutaten – Frontmittelmotor mit einem möglichst weit hinter der Vorderachse platzierten Motor, Hinterradantrieb, tiefer Schwerpunkt, perfekte Gewichtsverteilung. Dieses Layout entspricht ziemlich genau dem des Maserati Gran Turismo. Natürlich haben 200 Boxer-PS keine Chance gegen einen V8 mit mehr als doppelt so vielen Pferdchen. Aber der Japaner bringt 600 Kilo weniger auf die Waage. Doch etwas mehr Leistung könnte auch der vermeintliche Celica-Nachfolger vertragen.

Deshalb ist der GT 86 auch die geborene Drift-Maschine. Wer bei nasser Fahrbahn das ESP ausstellt, muss sich auf ein nervöses Hinterteil einstellen, doch 1180 kg Auto lassen sich dank der präzisen Lenkung schnell wieder einfangen. Im Sport-Modus lässt das ESP gewisse Driftwinkel zu, das Wechselspiel zwischen Gaspedal und Lenkung macht scharfe Kurven zur Suchtquelle. Beim Beschleunigen macht sich das Sperrdifferenzial bemerkbar, die Traktion des Japaners ist tadellos. Die offiziellen Fahrleistungen muss Toyota noch nachliefern, den Spurt von 0 auf 100 km/h dürfte der Wagen in sechs bis sieben Sekunden absolvieren.

Im Cockpit konzentriert sich der GT 86 aufs Wesentliche. Das kleine Dreispeichenlenkrad liegt ausgezeichnet in der Hand, der Drehzahlmesser mit einem roten Bereich ab 7.800 Touren dominiert das Instrumentenbrett. Neben dem normalen Tacho gibt es auch eine digitale Tempoanzeige im Drehzahlmesser. Die straffen Sportsitze liegen wie eine zweite Haut am Körper an. Das Interieur ist sauber verarbeitet, steckt aber voller lieblosem Hartplastik. In der Mittelkonsole sitzen zwei Becherhalter, ansonsten herrscht akute Ablagen-Armut. Dafür überrascht der GT 86 mit einem relativ großen Kofferraum und halbwegs passablen Fondsitzen. Der Einstiegs ist zwar beschwerlich und die Kniefreiheit dürftig, aber Erwachsene können es zumindest auf kürzeren Strecken im Fond aushalten.

Das Gesamtpaket des Nippon-Renners stimmt also – aber warum trägt der Wagen so einen drögen Namen? Nachdem Toyota seinen neuen Sportwagen angekündigt hatte, hofften viele Fans schließlich auf eine Wiedergeburt der Celica. Stattdessen setzt man ihnen nun ein Auto mit der nichtssagenden Bezeichnung 86 vor die Nase und fügt für Europa noch das Kürzel GT hinzu. Auf Japanisch heißt 86 Hachiroku, zusammengesetzt aus Hachi (acht) und Roku (sechs). Beim Blick ins Datenblatt des Sportflitzers entdeckt man, dass sowohl Bohrung als auch Hub des Boxermotors 86 mm betragen.

Japaner mit Benzin im Blut bekommen aber aus einem anderen Grund leuchtende Augen bei der Zahl 86. In Nippon ist Hachiroku nämlich das gleiche wie die Abkürzung GTI für deutsche PS-Fans: Ein Codewort für kleine, leichte und bezahlbare Rennsemmeln. AE86 hieß in den 80ern eine Baureihe mit sportlichen Coupés namens Corolla Levin und Sprinter Trueno. Die Autos hatten in Japan und den USA eine große Fangemeinde. "Ich kann mich noch gut an meinen ersten AE86 erinnern, das war ein tolles Auto", erzählt der GT 86-Projektmanager Toshiaki Noda. Der AE86 war ein Leichtgewicht und hatte Hinterradantrieb – genau wie der neue GT 86. "Das Auto ist auch für Tuningfans gedacht, und es wird Zubehör wie Heckspoiler geben", sagt Noda. Nach Deutschland kommt der Nippon-Renner im Herbst 2012, die Preise stehen noch nicht fest. Es sollen in jedem Fall weniger als 30.000 Euro werden. Bei Subaru wird der Wagen als BRZ beim Händler stehen, beide Autos sind bis auf wenige Details identisch.
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Quelle: press-inform, 2011-12-05

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